Walpertskirchener Spange

Abzw Obergeislbach–Erding
Streckennummer (DB):5606
Streckenlänge:8,955 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Stromsystem:15 kV, 16,7 Hz ~
von Simbach
0,000 Obergeislbach
nach München
7,590
Tunnel Wasserturm
von Markt Schwaben
~ 8,200 Erding (neu)
nach München Flughafen Terminal

[1]

Die Walpertskirchener Spange ist eine geplante eingleisige, elektrifizierte Eisenbahn‑Neubaustrecke in Oberbayern. Sie soll bei der Abzweigstelle Obergeislbach von der Bahnstrecke München–Simbach abzweigen und den künftig nördlich verlegten Bahnhof Erding erreichen. Das Vorhaben ist Bestandteil des Erdinger Ringschlusses zur verbesserten Schienenanbindung des Flughafens München aus dem Raum Südostbayern und soll eine Länge von ca. neun Kilometern haben.[2]

Verlauf

Die Neubaustrecke soll bei Obergeislbach im Gemeindegebiet von Lengdorf an der Bahnstrecke München–Simbach beginnen, die bislang in diesem Bereich eingleisig ist und elektrifiziert und zweigleisig ausgebaut werden soll. Das Gleis der Walpertskichener Spange mittig zwischen den beiden Streckengleisen der Strecke München–Simbach ausfädeln und dann das Streckengleis nach München über ein Überwerfungsbauwerk queren. Von dort soll die Strecke überwiegend in nordwestlicher Richtung verlaufen. Im weiteren Verlauf ist ein Trassenkorridor über das Gebiet der Gemeinde Bockhorn geplant, der nördlich an Schwarzhölzl vorbeiführt und die Ortsteile Breitasch und Papferding sowie den Bereich zwischen Neukirchen und Flanning quert. Das Strogental soll dort mit einer Talbrücke gequert werden. Anschließend ist eine enge Bündelung mit der Staatsstraße 2084 vorgesehen.[3][4] Auf dem Gebiet der Stadt Erding ist ein überwiegend in Tieflage geführter Verlauf geplant, die Strecke soll mehrere Straßen unterqueren und im Abschnitt Wasserturm als Tunnel ausgeführt werden. Am künftig nördlich verlegten Bahnhof Erding im Nordosten der Stadt im Bereich der Anton‑Bruckner‑Straße und des ehemaligen Fliegerhorsts Erding ist ein unterirdischer Bahnsteig an der Walpertskirchener Spange vorgesehen. Westlich davon sollen zwei unterirdische Bahnsteige an dem ebenfalls zu errichtenden zweigleisigen Abschnitt Erding–Flughafen München der Bahnstrecke Markt Schwaben–München Flughafen gebaut werden. Nördlich des Bahnsteigbereichs sollen beide Strecken zunächst durch den dreigleisigen Tunnel Sempt verlaufen und dann oberirdisch zusammengeführt werden.[2][5][6]

Geschichte

Die Walpertskirchener Spange wurde vom Freistaat Bayern und der Deutschen Bahn als Teil des Erdinger Ringschlusses konzipiert, um eine direkte Schienenanbindung des Flughafens München aus Südostbayern zu schaffen. Bereits in den 2000er Jahren trieb der Freistaat die Vorplanung für die südöstliche Flughafenanbindung voran. In der kommunal- und landespolitischen Diskussion standen frühe Trassen- und Einbindungsskizzen im Raum, darunter eine Nordeinschleifung mit Kreuzungsbahnhof im Bereich des Fliegerhorstes Erding und eine Südvariante. 2011 berichtete die Lokalpresse über einen ministeriellen Kurswechsel zugunsten der Südvariante und dokumentierte den Verweis der Staatsregierung auf Wirtschaftlichkeit und Förderfähigkeit der Varianten. Zeitgleich wurden in Erding Varianten zur Regionalbahneinschleifung präsentiert, die Empfehlungen für die Bahnhofsfrage und die südliche Einbindung enthielten.[7][8] In den fachlichen Unterlagen zum anschließenden Genehmigungsverfahren sind Variantenuntersuchungen für die Walpertskirchener Spange und die Bahnhofs- und Trassenlage im Stadtgebiet Erding ausgewiesen.[1][9] Innerhalb des Gesamtvorhabens führt die Deutsche Bahn die Walpertskirchener Spange als Abschnitt B3 des Erdinger Ringschlusses und beschreibt sie mit Zweck, Maßnahmen und Abhängigkeiten zum Ausbau der Ausbaustrecke 38 (ABS 38).[2]

Am 21. März 2019 beantragte die Deutsche Bahn die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens beim Eisenbahn-Bundesamt.[10][11] Die öffentliche Auslegung der Unterlagen erfolgte 2021, im Dezember 2023 fanden nicht öffentliche Erörterungstermine statt. Nach Angaben der Bayerischen Eisenbahngesellschaft war das Anhörungsverfahren im Juni 2025 abgeschlossen.[3][12][13] Ein Planfeststellungsbeschluss lag bis Januar 2026 nicht vor. Die Projektseite weist den Status weiterhin als Genehmigungsverfahren aus.[2] Frühere Kostenschätzungen nennen für die Spange ca. 145 Millionen Euro auf Basis des Planungsstands 2017. Spätere Presseberichte nennen für die ABS 38 inklusive Walpertskirchener Spange eine Größenordnung von etwa 2,3 Milliarden Euro und verweisen darauf, dass belastbare Einzelsummen üblicherweise erst kurz vor Baubeginn veröffentlicht werden.[14][15]

Der Abschnitt ab Streckenkilometer 7,030 im Bereich des Erdinger Stadtgebiets bildet zusammen mit dem Neubau des Abschnitts Altenerding–Schweigerloh der Bahnstrecke Markt Schwaben–München Flughafen einen getrennten Planfeststellungsabschnitt.

Betrieb

Im Deutschlandtakt ist im 3. Gutachterentwurf für Bayern als Zielbild eine Expresslinie (beschleunigter Regionalverkehr) vorgesehen. Sie verläuft stündlich auf der Relation RegensburgFlughafen MünchenErdingMühldorf am Inn sowie zweistündlich weiter bis Salzburg.[16][17]

Im Rahmen der überregionalen Schienenanbindung des Flughafens München verfolgt der Freistaat Bayern ein Vier‑Stufen‑Konzept. Die Walpertskirchener Spange ist darin als Voraussetzung der Stufe II ausgewiesen. Diese Stufe sieht als Zielbild durchgehende Flughafenexpress‑Verbindungen zwischen Mühldorf am Inn und dem Flughafen München mit zweistündlicher Weiterführung nach Salzburg vor.[18][19][20]

Die Walpertskirchener Spange wird fernverkehrstauglich ausgerüstet. Die Aufnahme des Betriebs setzt die Elektrifizierung und den erforderlichen Ausbau der Ausbaustrecke 38 sowie den Lückenschluss im Gesamtprojekt Erdinger Ringschluss voraus.[2][20]

Am Knoten Bahnhof Erding sind für den überregionalen Verkehr ein unterirdischer Bahnsteig sowie eigene S‑Bahn‑Bahnsteige vorgesehen. Dort entsteht der Umstieg zur in Richtung Flughafen verlängerten Bahnstrecke Markt Schwaben–München Flughafen und damit die Verknüpfung der Walpertskirchener Spange mit der östlichen Flughafenanbindung.[1][5][21]

Einzelnachweise

  1. a b c Lückenschluss Erding – Flughafen München und Walpertskirchener Spange, PFA 4.2, 1. Planänderung – Erläuterungen. (PDF) In: Regierung von Oberbayern. 8. Dezember 2023, abgerufen am 10. Januar 2026.
  2. a b c d e Erdinger Ringschluss – Walpertskirchener Spange. In: Bahnausbau München. DB InfraGO AG, abgerufen am 10. Januar 2026.
  3. a b Bekanntmachung: Planfeststellung nach § 18 AEG, ABS 38 München–Mühldorf–Freilassing, Neubau der Walpertskirchener Spange. (PDF) In: Regierung von Oberbayern. 15. April 2021, abgerufen am 10. Januar 2026.
  4. Walpertskirchener Spange – Unterlage 19.1 Erläuterungsbericht zum Schallschutz. (PDF) In: Planunterlagen zum Vorhaben. DB InfraGO AG, 29. Januar 2021, abgerufen am 10. Januar 2026.
  5. a b UVP‑Portal des Bundes: Lückenschluss Erding – Flughafen München und Walpertskirchener Spange, Stadtgebiet Erding. In: UVP‑Portal. Eisenbahn‑Bundesamt, abgerufen am 10. Januar 2026.
  6. Bekanntmachung: Lückenschluss Erding – Flughafen München und Walpertskirchener Spange, PFA 4.2. (PDF) In: Regierung von Oberbayern. Abgerufen am 10. Januar 2026.
  7. Wirtschaftsminister beerdigt Nordtrasse der Walpertskirchener Spange. In: Münchner Merkur. 15. Januar 2011, abgerufen am 10. Januar 2026.
  8. Erdinger Ringschluss – Überblick und Variantenstand 2011. In: ED‑live. 31. März 2011, abgerufen am 10. Januar 2026.
  9. Lückenschluss Erding – Flughafen München und Walpertskirchener Spange, PFA 4.2 – Anlagenverzeichnis mit Übersichts- und Variantenkarten. (PDF) In: Regierung von Oberbayern. 4. März 2024, abgerufen am 10. Januar 2026.
  10. Einleitung des Planfeststellungsverfahrens für die Walpertskirchener Spange beantragt. In: Pressemitteilung. Bayerische Eisenbahngesellschaft, 21. März 2019, abgerufen am 10. Januar 2026.
  11. Einleitung des Planfeststellungsverfahrens für die Walpertskirchener Spange beantragt. In: Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr. 21. März 2019, abgerufen am 10. Januar 2026.
  12. Bekanntmachung: Erörterungstermin Walpertskirchener Spange. (PDF) In: Regierung von Oberbayern. 13. November 2023, abgerufen am 10. Januar 2026.
  13. Regionalkonferenz Oberbayern 2025 – Erdinger Ringschluss. (PDF) In: Präsentation. Bayerische Eisenbahngesellschaft, 2025, abgerufen am 10. Januar 2026.
  14. Schriftliche Anfrage „Walpertskirchener Spange“ und Antwort der Staatsregierung. (PDF) In: Drucksache 17/15576. Bayerischer Landtag, 26. April 2017, abgerufen am 10. Januar 2026.
  15. Viele Pläne, wenig Umsetzung: Bahn in Südbayern würde mehr als 30 Milliarden verbauen. In: Münchner Merkur. 12. März 2025, abgerufen am 10. Januar 2026.
  16. Deutschlandtakt – Netzgrafik Bayern, 3. Gutachterentwurf. (PDF) In: Bund/Lenkungskreis Deutschlandtakt. Juni 2020, abgerufen am 10. Januar 2026.
  17. Deutschlandtakt für Oberbayern – Analyse zum 3. Entwurf. (PDF) In: E. Lauterbach. 2020, abgerufen am 10. Januar 2026.
  18. Stufenweise zur Flughafenanbindung. In: Bayerisches Landesportal. 15. Dezember 2021, abgerufen am 10. Januar 2026.
  19. Schriftliche Anfrage 18/23644 – Machbarkeitsstudie zur Schienenanbindung des Flughafens München. (PDF) In: Bayerischer Landtag. 21. September 2022, abgerufen am 10. Januar 2026.
  20. a b ABS 38 – Ziele und Nutzen. In: Projektseite ABS 38. DB InfraGO AG, abgerufen am 10. Januar 2026.
  21. Erdinger Ringschluss – Abschnitt B2: Schwaigerloh–Altenerding. In: Bahnausbau München. DB InfraGO AG, abgerufen am 10. Januar 2026.