Waldhaus Edenkoben
| Waldhaus Edenkoben
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| Waldhaus Edenkoben aus westlicher Richtung von der Straßenseite aus gesehen | |
| Trägerschaft | privat |
| Ort | Edenkoben
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| Bundesland | Rheinland-Pfalz |
| Staat | Deutschland |
| Website | https://ewvillamedica.de/ |
Das Waldhaus Edenkoben ist ein Wohnplatz innerhalb der namensgebenden Stadt Edenkoben.[1] Es wurde in den Jahren 1896 und 1897 als Kurhotel errichtet und ist heute eine Privatklinik. In den Jahren 1937 bis 1976 diente es der Landesversicherungsanstalt (LVA) Rheinland-Pfalz, unter anderem als Genesungsheim für tuberkulosekranke Frauen und Kinder.[2]
Lage
Das Bauwerk befindet sich westlich des Siedlungsgebietes der Edenkobener Kernstadt innerhalb der Haardt, wie der Ostrand des Pfälzerwaldes genannt wird, am Südfuß des Werderbergs.[3] Es steht mit der Hausnummer 205 auf der südlichen Seite der Klosterstraße, die bis dahin mit der Kreisstraße 6 identisch ist. Unmittelbar südlich verläuft der Triefenbach. Nördlich erstreckt sich das Naturschutzgebiet Haardtrand – Kieferberg. Auf Höhe des Waldhauses trennen sich die Klosterstraße und die Kreisstraße; die Klosterstraße führt in die westliche Richtung weiterhin entlang des Triefenbachs, um anderthalb Kilometer westlich kurz vor dem Hilschweiher zu enden, während die Kreisstraße oberhalb zum Steigerkopf führt.
Architektur
Das Gebäude, das sich in einer Hanglage befindet, ist dem Jugendstil zuzuordnen, der zur Zeit der Erbauung zusammen mit dem Historismus innerhalb von Edenkoben bei vielen neuen Bauwerken zur Anwendung kam.[4][5] Es hat ein teils giebel- und teils traufständig ausgerichtetes Walmdach und zur Straßenseite hin eine mehrfach verschobene Achse. Früher hatte das Haus einen Dachreiter. Auf der Südseite befindet sich ein Untergeschoss aus gelbem Sandstein mit mehreren Rundbögen. Über der Eingangstür befindet sich ein an den Klassizismus angelehntes Ornament.
Geschichte
Das seinerzeitige „Kurhotel Waldhaus“ wurde in den Jahren 1896 und 1897 durch den Weinhändler August Kuby errichtet. 1908 erwarb der „Verein für Volksheilstätten in der Pfalz“ das Waldhaus und plante, es für einen Tagessatz von 2,50 Mark der Bevölkerung zur Erholung zur Verfügung zu stellen. Am 1. Januar 1937 erwarb die damalige „Landesversicherungsanstalt Pfalz“ das Waldhaus und wandelte es auf Betreiben ihres Leiters Ludwig Battenberg in ein „Übungslager für Jugendliche“ um.[6][7] Übungslager waren eine Zwischenstufe von Lager und Heilstätte, um die Gesundung durch Klima, gute Ernährung und unter ärztlicher Aufsicht geleitetem Sportbetrieb zu fördern.[8] Übungslager gab es bereits in einigen Teilen Deutschlands, eingerichtet gemeinsam durch HJ sowie die Landesversicherungsanstalten Hannover und Hessen, denen die Landesversicherungsanstalt der Pfalz mit Edenkoben folgte, wie es im Runderlass zur vorbeugenden Fürsorge von 1938 heißt. Zur Arbeitsteilung zwischen den Trägern der Rentenversicherung und der Reichsjugendförderung ist festgehalten: „[…] dass die HJ die gesunden Jugendlichen betreut, während die Träger der Rentenversicherung für die angekrankten Jugendlichen zu sorgen haben, […].“[9] Während des Krieges diente das Waldhaus auch als Wehrmachtslazarett.
Zwischen September 1946 und Juni 1948 wurde das Waldhaus der damaligen Landesbetreuungsstelle der Opfer des Faschismus beim Oberpräsidium Hessen-Pfalz in Neustadt zur Verfügung gestellt und als Erholungsstätte für Opfer des Faschismus genutzt. Verwaltet und bewirtschaftet wurde es von der LVA.[10]
Ab 1948 wurde das Waldhaus Edenkoben mit Patienten des LVA-Sanatoriums Sonnenwende bei Bad Dürkheim belegt. Nach einer kurzen Nutzung als Genesungsheim für Tbc-Kranke, wurden im Waldhaus Kneippverfahren angewendet. Rückläufige Belegung und ein erheblicher Sanierungsstau führten 1976 zur Entscheidung, Gebäude und Anwesen zu verkaufen.[11] Neuer Eigentümer des Waldhauses und seiner gesamten Liegenschaften war ab 1. Januar 1977 der Frischzellen-Therapeut Alexander Gali, in dessen Nachfolge das Haus als Privatklinik weitergeführt wurde.[12]
Verkehr
Das Waldhaus ist über eine gleichnamige Bushaltetestelle der ausschließlich sonn- und feiertags verkehrenden Buslinie 506 des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar angebunden.[13]
Literatur und Quellen
- Hartkopf Heribert: Die Waldhaus-Saga. In: Die Rheinpfalz, Speyerer Rundschau, 9. Juni 2018.
- Beddies Thomas: „Du hast die Pflicht gesund zu sein.“ Der Gesundheitsdienst der Hitler-Jugend 1933 bis 1945, Habilitationsschrift 2008.
- Jahn Barbara: Waldhaus Edenkoben, HJ-Übungslager. In: Waldhaus Edenkoben, HJ-Übungslager (uni-mainz.de).
- Landesversicherungsanstalt Pfalz, Verwaltungsbericht für das Jahr 1937.
- Landesversicherungsanstalt Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Chronik der Landesversicherungsanstalt Rheinland-Pfalz 1890–1987, Speyer: Verlag Emil Sommer, 1987.
Einzelnachweise
- ↑ Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile. Stand: Februar 2022[Version 2025 liegt vor.]. S. 154 (PDF; 3,3 MB).
- ↑ Vgl. LVA Rheinland-Pfalz (1987): S. 111.
- ↑ LANIS: Waldhaus Edenkoben auf topographischer Karte vom Kartendienst des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz. Abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Jugendstil Passepartout Ak Edenkoben an der Haardt Pfalz, Waldhaus. In: oldthing.de. 16. November 2025, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Jugendstil und Historismus, Bahnhofstraße 1. In: edenkoben.de. 16. November 2025, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Waldhaus Edenkoben, HJ-Übungslager. In: neustadt-und-nationalsozialismus.uni-mainz.de. 16. November 2025, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ In: Landesversicherungsanstalt Pfalz, Verwaltungsbericht für das Jahr 1937, S. 42.
- ↑ Vgl. Beddies Thomas: „Du hast die Pflicht gesund zu sein.“ Der Gesundheitsdienst der Hitler-Jugend 1933 bis 1945, Habilitationsschrift 2008, S. 159.
- ↑ In: Amtliche Nachrichten für Reichsversicherung, NR 4, 1938, S. 135.
- ↑ Vgl. Hartkopf Heribert: Die Waldhaus-Saga.
- ↑ Vgl. LVA Rheinland-Pfalz (1987), S. 111f.
- ↑ Vgl. Hartkopf Heribert: Die Waldhaus-Saga.
- ↑ 506 Edenkoben - Villa Ludwigshöhe/Sesselbahn - Amicitia Hütte und zurück. 7. April 2022, abgerufen am 16. November 2025.
Koordinaten: 49° 16′ 58,9″ N, 8° 5′ 15″ O