Waldemar Liungman
Carl Gudmund Waldemar Liungman (* 27. Januar 1883 in Klara församling, Stockholms län, Schweden; † 31. Oktober 1978 in Danderyds församling, Stockholms län, Schweden) war ein schwedischer Folklorist.
Leben
Privates
Liungman war der Sohn des Hofpredigers Carl Gustaf Ljungman (1845–1886) und von Sophie Fredrika Malmberg. Am 12. Oktober 1911 heiratete er Annie Tyra Augusta Hasselblad (1887–1971). Sie war eine Nichte von Susen Hasselblad, der Ehefrau von Viktor Rydberg.[1]
Waldemar Liungmans älterer Bruder war der Offizier Carl Ernst Ljungman (1874–1938).[2]
Laufbahn
Nach der Schule besuchte Liungman zunächst die Infantiere-Frewilligenschule in Karlsborg und danach weitere militärische Bildungseinrichtungen. Zeitweise lebte er in Berlin und Moskau. Hauptberuflich war Liungman bis 1917 beim Militär tätig und arbeitete danach in der Wirtschaft, blieb aber Reservist.
Vermutlich durch die Familie seiner Ehefrau inspiriert begann Liungmans Interesse für Folklore und Religionswissenschaft. 1922 begann er ein Studium an der Universität Lund, wo Carl Wilhelm von Sydow als einziger Dozent in Schweden zu Folklore lehrte. Das Thema von Liungmans Dissertation im Jahr 1925 war die Prinzessin in der Erdkugel (Arne 1910, Nr. 870). Zu diesem Motiv stellte er selbst rund 20 verschiedene Variationen zusammen. In den späten 1930er Jahren war Liungman Gastdozent an der Universität Greifswald. Zwischen ihm und von Sydow kam es in den frühen 1940er Jahren zu wissenschaftlichen Konflikten, u. a. wegen Liungmans Forschungsmethode.[1]
In den Jahren 1925 und 1926 führte er per Zeitungsanzeigen eine Kampagne zur Sammlung von Märchen durch. Dadurch konnten etwa 700 Geschichten verzeichnet werden, die der Forschung bis dahin unbekannt waren. 1949 veröffentlichte Liungman eine zweibändige Sammlung, in der jeder in Schweden vorkommende Märchentyp mindestens einmal vertreten war. In deutscher Sprache verfasste er eine Abhandlung unter dem Titel Woher kommen unsere Märchen?, die von der Akademie der Wissenschaften der DDR 1961 als Die schwedischen Volksmärchen. Herkunft und Geschichte veröffentlicht wurde. Darin sind rund 2400 Märchentypen beschrieben.[3]
Über die Märchenforschung hinaus interessierte sich Liungman auch für andere Themen wie z. B. volkstümliche Bräuche. In den Jahren 1945 und 1946 gab er die Zeitschrift Bäckahästen heraus, die aktuelle Forschungsergebnisse enthielt. So wurde darin etwa die These vorgestellt, dass die Tradition des Julbock aus dem Nahen Osten stamme.[1]
Werke (Auswahl)
- Traditionswanderungen Euphrat-Rhein. Studien zur Geschichte der Volksbräuche I–II. Turku 1937–1938.
- Sveriges samtliga folksagor i ord och bild I–III. Djursholm 1949–1952 (dt.: Die schwedischen Volksmärchen. Herkunft u, Geschichte. Berlin 1961).
- Das wahrscheinliche Alter der Volksmärchen in Schweden. Helsinki 1955.[1][4]
Literatur
- Du alter Riesenhupf. Schwedische Märchen. (Übersetzung und Herausgabe: Hans-Jürgen Hube), Reclam Verlag, Leipzig 1989, ISBN 3-379-00417-0, S. 227 ff.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Sigfrid Svensson: C G Waldemar Liungman. Reichsarchiv, abgerufen am 2. Januar 2026.
- ↑ Ljungman, släkt. Reichsarchiv, abgerufen am 2. Januar 2026.
- ↑ Du alter Riesenhupf. Schwedische Märchen. (Übersetzung und Herausgabe: Hans-Jürgen Hube), Reclam Verlag, Leipzig 1989, ISBN 3-379-00417-0, S. 227.
- ↑ Du alter Riesenhupf. Schwedische Märchen. (Übersetzung und Herausgabe: Hans-Jürgen Hube), Reclam Verlag, Leipzig 1989, ISBN 3-379-00417-0, S. 238 ff.