Waldbrand am Calanda
Der Waldbrand am Calanda war ein Brand, der vom 20. August bis etwa 12. September 1943 am Calanda-Bergmassiv zwischen den Gemeinden Felsberg und Haldenstein bei Chur wütete. Der Brand brach während einer Trockenperiode im Sommer 1943 aus und wurde durch eine militärische Schiessübung mit Leuchtspurmunition ausgelöst.[1][2][3]
Ausgangslage und Brandursache
Der Sommer 1943 war aussergewöhnlich heiss und trocken; wochenlange Trockenheit hatte das Gras auf den Wiesen verdorren lassen, der Boden war ausgetrocknet und rissig. Zusätzlich zur klimatischen Belastung sorgte der Zweite Weltkrieg für Unruhe im Land, da die Schweizer Armee im Aktivdienst stand.[2]
Am Morgen des 20. August führten Rekruten der Rekrutenschule für schwere Infanteriewaffen auf dem Schiessplatz Rossboden eine Übung mit Leuchtspurmunition durch. Gegen 11 Uhr wurde ein Geschoss am Fuss der Felswand von Malabiel abgelenkt und landete im ausgedörrten Gras des Zielgeländes auf dem Gemeindebann Felsberg. Die ersten Flammen konnten zunächst noch gelöscht werden, doch der Föhn sorgte dafür, dass sich innerhalb kürzester Zeit auf der gesamten Calandaflanke ein Feuer entfachte.[1][2]
Die numerisch zu schwachen ersten Einsatzkräfte konnten das Feuer nicht lokalisieren, und das steile Gelände erschwerte die Löscharbeiten erheblich. Zudem wurde im Anfangsstadium nicht mit Wasser gelöscht, sondern mit Ästen und Schanzwerkzeug versucht, dem Feuer beizukommen, was sich als unzureichend erwies.[2]
Brandverlauf und Löscheinsatz
Das Feuer breitete sich zunächst sprunghaft an den unteren Hängen dem Rheinufer entlang abwärts aus. Der Einsatz der gesamten Rekrutenschule sowie der Feuerwehr Felsberg blieb wirkungslos. Das Feuer wälzte sich gegen Haldenstein, dessen Feuerwehr bereits zum Schutz der zahlreichen Alphütten auf Foppa und Nesselboden ausgerückt war. Zur Verstärkung wurde am frühen Nachmittag eine Rekrutenkompanie nach Haldenstein beordert, und am Spätnachmittag wurde eine weitere Kompanie nach Haldenstein transportiert, welche dann die Abwehrstellungen im Brunstwald bezog.[2]
Am Samstag, dem 21. August, verschärfte sich die Situation weiter. Gegen 11 Uhr vormittags setzte starker Föhn ein, der das Feuer zu einem gefürchteten Gipfelfeuer eskalieren liess. Alle bisherigen Anstrengungen zur Lokalisierung des Feuers wurden zunichtegemacht, denn hohe Flammen schlugen überall aus dem Wald empor, dicke Rauchwolken verdeckten die Gipfel des Calanda und zeitweise sogar die Sonne. Ein Rauschen und Tosen, ähnlich vielen Wildbächen, war bis nach Chur zu hören. Die Einsatzkräfte mussten sich mehrfach zurückziehen, da das Feuer die Stellungen übersprang.[1][2]
Erst am 25. August, als der Wind nachliess und Regen einsetzte, trat eine Entspannung ein. Bis aber der letzte Brandherd erstickt war, dauerte es ganze dreieinhalb Wochen.[1]
Das Brandgebiet wurde in zwei Abschnitte unterteilt: Den Abschnitt Felsberg leitete der Schulkommandant der Rekrutenschule für schwere Infanteriewaffen, unterstützt vom Feuerwehrkommando Felsberg, während für den Abschnitt Haldenstein ein Bataillonskommandant verantwortlich zeichnete. Auf dem Höhepunkt der Katastrophe kämpften über 3600 Mann gegen die Flammen, darunter Truppen, Luftschutz und Feuerwehren aus der gesamten Region, die von 100 Pferden und 16 Motorfahrzeugen unterstützt wurden. Auch die aus Frauen bestehende Luftschutzsanität Chur war im Einsatz. Von Chur bis Maienfeld riefen die Sturmglocken die Feuerwehren zu Hilfe, woraufhin die Feuerwehr Chur, die Luftschutztruppe Chur sowie Zerstörungsdetachemente aus Chur und Umgebung ausrückten.[1][2]
Folgen
Um einen erneuten Brand wie 1943 zu verhindern, wurden verschiedene Massnahmen getroffen. Es wurde eine grosse Brandmauer errichtet, die den abgeholzten Zielhang vom Waldgebiet trennt. Vier Reservoire mit je 250 Kubikmetern Löschwasser wurden angelegt und Depots mit Löschmaterial eingerichtet, um eine rasche Ausbreitung künftiger Waldbrände zu verhindern.[1]
Die Armee stellte den Einsatz von Leuchtspurmunition ein, die 1943 zum Ausbruch des Feuers geführt hatte. Auch wurden ab dann vermehrt grossangelegte Übungen zur Bekämpfung von Waldbränden mit Einbezug der Feuerwehren und der Armee durchgeführt.[1]
Historische Einordnung
Mit etwa 477 Hektaren zerstörtem Wald gilt er als einer der grössten Waldbrände der Schweizer Geschichte.[2]
Am 21. August 1943 wurde in Basel mit 37,1 Grad die höchste Temperatur für die letzte Augustdekade gemessen, was die extreme Hitze jener Tage dokumentiert.[4]
In der Brandchronik der Stadt Chur wird der Calanda-Waldbrand als eines der bedeutendsten Brandereignisse des 20. Jahrhunderts aufgeführt. Die Stadt Chur hat in ihrer Geschichte zahlreiche Brände erlebt, darunter mehrere Stadtbrände im Mittelalter und der frühen Neuzeit.[3]
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g Als am Calanda ein Grossbrand tobte. In: Südostschweiz. 20. August 2018, abgerufen am 21. November 2025.
- ↑ a b c d e f g h H. Hemmi: Der Waldbrand am Felsberger Calanda. Referat anlässlich der Delegiertenversammlung des kantonalen Feuerwehrverbandes Graubünden. In: Schweizerische Feuerwehr-Zeitung, Bern, August 1953, S. 241–250.
- ↑ a b Brände in Chur. In: Stadt Chur. Abgerufen am 21. November 2025.
- ↑ Felix Blumer: Hitzewelle Ende August: Was soll das? In: SRF Meteo. 24. August 2016, abgerufen am 21. November 2025.
Koordinaten: 46° 51′ 22,9″ N, 9° 29′ 42,2″ O; CH1903: 756806 / 191524