Wajib – Hochzeit in Nazareth

Wajib – Hochzeit in Nazareth (arabisch واجب, DMG Wāǧib ‚Verpflichtung‘) ist ein Roadmovie aus dem Jahre 2017 von Annemarie Jacir. Sie schrieb das Drehbuch und führte Regie. Die Hauptrollen haben Mohammad Bakri und Saleh Bakri. Sie sind Vater und Sohn und spielen diese Rollen auch im Film.

Film
Titel Wajib – Hochzeit in Nazareth
Originaltitel Wajib
Produktionsland Palästina, Norwegen, Kolumbien, Deutschland, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Katar, Libanon
Originalsprache Arabisch
Erscheinungsjahr 2017
Länge 96 Minuten
Stab
Regie Annemarie Jacir
Drehbuch Annemarie Jacir
Produktion Ossama Bawardi
Musik Koo Abouali
Kamera Antoine Héberlé
Schnitt Jacques Comets
Besetzung
  • Mohammad Bakri: Abu Shadi
  • Saleh Bakri: Shadi
  • Maria Zreik: Amal
  • Tarik Kopty: Abu Murad
  • Monera Shehadeh: Um Murad
  • Lama Matour: Maria
  • Ossama Bawardi: Karam
  • Henry Andrawes: Rami
  • Ruba Blal: Ramis Ehefrau
  • Violette Khoury: Großmutter

Handlung

Der Film begleitet den christlichen Araber Abu Shadi und dessen Sohn Shadi beim Verteilen von Einladungen zur Hochzeitsfeier seiner Tochter Amal in der Weihnachtszeit an die Verwandten, Freunde, Bekannten in Nazareth. Das ist ihre Wajib, soziale Verpflichtung. Ein unpersönliches Verschicken solcher Einladungen gilt als Affront, nur die persönliche Übergabe durch Vater und Bruder der Braut zählt. Es sind Hunderte von Einladungen zu bewältigen. Abu Shadi ist ein Lehrer, der die Beförderung zum Schulleiter erwartet. Aber seine Gesundheit ist angeschlagen. Er hat eine Herzoperation hinter sich und soll deshalb nicht mehr rauchen. Er ist geschieden. Seine Frau hatte ihn mit seinen beiden kleinen Kindern allein gelassen und die Bekanntschaft mit einem Amerikaner genutzt, um Nazareth verlassen zu können. Abu Shadi musste seine Kinder allein großziehen. Sein Sohn Shadi lebt nun als Architekt auch im Ausland (in der englisch synchronisierten Fassung in Italien, in der deutsch synchronisierten Fassung in Hamburg). Er lebt dort zusammen mit der Tochter eines PLO-Funktionärs, der keine Einreise nach Israel bekommt. Für die Hochzeit seiner Schwester ist er für kurze Zeit zurück nach Nazareth gekommen. Abu Shadi hätte es wohl gern, wenn sein Sohn zurückkäme und hier in Nazareth eine Frau nähme. Nur zu gern weist er auf schöne Mädchen in Nazareth hin und organisiert sogar ein gemeinsames Mittagessen mit Shadis Cousine, einer weltoffenen Anwältin. Er hat Schwierigkeiten, das Zusammenleben mit einer Frau ohne Eheschließung zu akzeptieren, noch dazu mit der Tochter eines PLO-Funktionärs. Auch die Kleidung von Shadi hält er für anstößig.

In einem nicht mehr neuen Auto fahren beide durch Nazareth und haben viele Begegnungen mit Verwandten, Freunden und Bekannten der Familie. Dabei zeigen sich auch die Probleme der Stadt: viel nicht abgeholter Müll, Verkehrsstaus, Vorfahrtprobleme im Straßenverkehr werden durch Schlägereien gelöst, Engstirnigkeit u. a. m. Das fällt besonders Shadi auf. Und er muss erfahren, dass Probleme nicht durch das Bestehen auf seinem Recht, sondern durch Kompromisse gelöst werden. Schwierig wird es für ihn, als der Vater auch den jüdischen Israeli Ronni einladen will. Da verweigert er sich. Er hält Ronni für einen Agenten des israelischen Geheimdienstes, der ihn als Jugendlicher nach Demonstrationen drangsalierte. Aber der Vater besteht darauf. Er bezeichnet Ronni als Freund. Aber es wird klar, dass der ein Wort bei der zukünftigen Beförderung von Abu Shadi zum Schulleiter mitreden wird.

Trotz des Aufflammens von unlösbaren Konflikten zwischen Vater und Sohn sitzen sie am Ende des ersten Tages des Ausfahrens der Einladungen zusammen, trinken Kaffee und rauchen. Dabei hatten doch beide während des ganzen Tages behauptet, nicht mehr zu rauchen, und der Vater hatte versucht, sein heimliches Rauchen vor seinem Sohn zu verstecken. Auch die Mutter würde wohl nach dem Ableben ihres Ehemanns zur Hochzeit kommen, was beide Kinder sehr gewünscht hatten.

Produktion

Der Film wurde von der Firma Philistine Films (Palästina, Jordanien) in Coproduktion mit den Firmen Ape&Bjørn (Oslo), Ciudad Lunar Producciones (Kolumbien), klinkerfilm (Hamburg), Snow Globe (Kopenhagen), JBA Productions S.a.r.l. (Paris), Cactus World Films (London), Metafora Production (Doha), Schortcut Films (Beirut) und dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) (Hamburg) produziert.

Rezeption

Wolfgang Hamdorf meint: „‚Wajib‘ ist ein sehr menschliches, so subtiles wie vielschichtiges Road Movie, das sich in konzentrischen Kreisen, durch verstopfte Straßen bewegt, von Tür zu Tür und Haus zu Haus. Der Film kreist um die Feier einer Familie, die längst zerbrochen ist, und porträtiert dabei den Mikrokosmos christlicher Palästinenser in Nazareth, eine kleine Welt mit vielen Traditionen und wenigen Bewegungsmöglichkeiten. Die anrührende Vater-Sohn-Geschichte der palästinensischen Regisseurin Annemarie Jacir wahrt die Balance zwischen der Tragödie menschlicher Einsamkeit und feiner Situationskomik, zwischen politischer Bestandsaufnahme, ethnographischer Studie und dem kulturübergreifenden Konflikt zwischen Söhnen und Vätern.“[1]

„Der Film nähert sich so einem Grundproblem der Menschen vor Ort: Im Land bleiben, Kompromisse eingehen, resignieren oder auswandern, im Ausland neu anfangen, seine Heimat verlieren? Er erzählt unterhaltsam und aufschlussreich vom Alltag, wie er sich abspielt, verkörpert vom überzeugenden Darstellerpaar Saleh und Mohammad Bakri, auch im realen Leben Vater und Sohn, und flankiert vom authentischen Spiel der Nebenfiguren, diskret angedeutet über Mimik und Gestik, Architektur und Dekor sowie einigen Klängen. «Wajib» ist ein Film, der bescheiden daherkommt, sich langsam entfaltet und schließlich das schildert, was die Palästinenserinnen und Palästinenser bewegt. Annemarie Jacir zeigt – und das ist ihr Verdienst – das bei uns wenig bekannte Israel-Palästina, so wie sie es erlebt.“[2]

Auszeichnungen

  • 2017: Muhr Awards als Bester Spielfilm, Beste Darsteller (Mohammad & Saleh Bakri), Dubai International Film Festival[3]
  • 2017: Goldener Pfau – Bester Film, International Film Festival of Kerala[4]
  • 2017: Golden Astor für den besten Film und besten Schauspieler (Mohammad Bakri), Mar del Plata International Film Festival[5]
  • 2018: Arab Critics Awards für den besten Film, bestes Drehbuch und besten Schauspieler Actor (Mohammad Bakri), Cannes Film Festival[6]

Einzelnachweise

  1. Wolfgang Hamdorf: Wajib. In: filmdienst.de. 19. Dezember 2019, abgerufen am 10. Oktober 2025.
  2. Wajib. In: der-andere-film.ch. Abgerufen am 10. Oktober 2025.
  3. Alissa Simon: Palestinian Annemarie Jacir's 'Wajib' Wins Big at Dubai Festival In: Variety, Penske Business Media, 13. Dezember 2017. Abgerufen am 12. Oktober 2025 
  4. Staff Reporter: Wajib wins Suvarna Chakoram In: The Hindu, 15. Dezember 2017. Abgerufen am 12. Oktober 2025 
  5. Festival Internacional de Cine de Mar del Plata: ¡Todos los ganadores! - Festival Internacional de Cine de Mar del Plata. In: www.mardelplatafilmfest.com. Archiviert vom Original am 14. August 2018; abgerufen am 12. Oktober 2025 (spanisch).
  6. Melanie Goodfellow: Annemarie Jacir's 'Wajib' triumphs at Arab Critics Awards In: Screen Daily, Screen International, 13. Mai 2018. Abgerufen am 12. Oktober 2025