WITCH
WITCH (Akronym für We Intend To Cause Havoc) ist eine Musikgruppe aus Sambia und gilt als eine der bedeutendsten Formationen des Zamrock der 1970er-Jahre.[1] Die Gruppe wird von Emmanuel „Jagari“ Chanda angeführt, dessen Künstlername auf Mick Jagger verweist.[1] Nach der Wiederentdeckung in den 2010er-Jahren auf dem weltweiten Markt gelang der Gruppe mit den Alben Zango (2023) und Sogolo (2025) neue Erfolge.[2]
Geschichte
Die Gruppe entstand Anfang der 1970er-Jahre nach dem Ende der Unterdrückungen der Kolonialzeit im kulturell aufblühenden Sambia und war von wirtschaftlichem Optimismus und einer nationalistischen Kulturpolitik geprägt, die einen sehr hohen Anteil heimischer Musik im Radio vorschrieb.[1] WITCH bezog musikalische Einflüsse von westlichen Rock- und Soul-Künstlern wie Led Zeppelin, Deep Purple, Jimi Hendrix und James Brown und verband diese mit lokalen Idiomen.[1] Die Gruppe entwickelte sich schnell zu einem Live-Magneten mit langen, energiegeladenen Auftritten und ausverkauften Sälen.[1] Gegen Ende der 1970er-Jahre geriet die Szene durch den Einbruch des Kupferpreises, politische Einschränkungen und Piraterie unter Druck, und in den 1980er-Jahren forderte die HIV/AIDS-Krise zahlreiche Musikerleben, darunter das von fünf Gründungsmitgliedern von WITCH.[1]
Stil und Einfluss
Zamrock beschreibt eine Mixtur aus psychedelischem Rock, Garage- und Hardrock, Funk und afrikanischen Rhythmen; WITCH prägte diese Spielart stilbildend.[1] In jüngerer Zeit fanden Stil und Repertoire international Anklang: Interpreten wie Travis Scott, Yves Tumor und Tyler, the Creator griffen auf Zamrock-Samples zurück, und Serien wie Watchmen und Ted Lasso integrierten die Musik in ihre Soundtracks.[1] Der Titel des Albums Zango bedeutet in Sambia „Treffpunkt“ und verweist auf die Idee eines offenen, gemeinschaftlichen Klangs der Gruppe.[3]
Wiederentdeckung und Gegenwart
Ab den frühen 2010er-Jahren sorgte das US-Label Now-Again Records mit einer Wiederveröffentlichungs-Initiative und der Box We Intend to Cause Havoc! für internationale Aufmerksamkeit und legte den Grundstein der heutigen Popularität.[4] Die Gruppe formierte sich in neuer Besetzung um Jagari Chanda und den Keyboarder Patrick Mwondela, wurde dabei von jüngeren europäischen Musikern unterstützt und kehrte weltweit auf die Bühnen zurück.[3] Ihre Geschichte und die Wiedervereinigung wurden im Dokumentarfilm We Intend to Cause Havoc erzählt.[5] Mit Zango meldete sich WITCH im Jahr 2023 im Studio zurück; Sogolo folgte 2025 und bestätigte den erneuten Erfolg der Gruppe.[2] Auf Tour trat die Band beim Glastonbury Festival auf und spielte außerhalb Afrikas vor gemischtem, auch jungem Publikum.[1]
Ausgewählte Diskografie
Zu den bedeutendsten Alben der Frühphase zählen Introduction, Lazy Bones!! und Lukombo Vibes.[6][7][8] In der späteren Phase veröffentlichte die Gruppe Movin’ On und Kuomboka.[9] Die jüngsten Studioalben sind Zango und Sogolo.[2]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i 'Very cool': The 70s Afro-rock genre enjoying a rebirth. In: BBC News. 20. Dezember 2025, abgerufen am 20. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ a b c Witch: Sogolo review – Zamrock originators in joyously punchy form. In: theguardian.com. 6. Juni 2025, abgerufen am 20. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ a b Witch Announce Tour and First New Album in 39 Years, Share New Song Featuring Sampa the Great. In: pitchfork.com. 4. April 2023, abgerufen am 20. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Out Now – WITCH: We Intend To Cause Havoc! 4 CD/6LP Box Set Of Heavy Zambian Psych. In: nowagainrecords.com. 22. Mai 2012, abgerufen am 20. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ WITCH – WE INTEND TO CAUSE HAVOC • Musik-Dokumentarfilm. In: mindjazz-pictures.de. Abgerufen am 20. Dezember 2025.
- ↑ WITCH – Introduction. In: nowagainrecords.com. Abgerufen am 20. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ WITCH – Lazy Bones!! In: nowagainrecords.com. Abgerufen am 20. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Lukombo Vibes. In: Bandcamp. 12. Dezember 2012, abgerufen am 20. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Moving’ On & Kuomboka. In: Bandcamp. Abgerufen am 20. Dezember 2025 (englisch).