Vorgestreckte Kopfhaltung
Bei einer vorgestreckten Kopfhaltung befindet sich der Schwerpunkt des Kopfes nicht mehr über Wirbelsäule. Dabei handelt es sich um eine Fehlhaltung, bestehend aus einem Buckel (Kyphose) in der Brustwirbelsäule und einer übermäßig nach hinten gekrümmten Halswirbelsäule. Das belastet die Wirbelsäule stark und führt etwa zu Rückenschmerzen.
Umgangssprachlich wird auch vom Handynacken gesprochen, denn nach dem ständigen Blick nach unten auf das Handy in der Hand oder nach langem vorgebeugtem Sitzen am Computer fällt es leichter, nur den Hals nach oben zu krümmen als den ganzen Rücken aufzurichten. Geringe körperliche Fitness durch Bewegungsmangel begünstigt die Entwicklung dieser Fehlhaltung. Ansonsten sind berufsbedingt Zahnärzte und Chirurgen häufig betroffen.
Zudem können krankhafte Veränderungen der Wirbelsäule, etwa Verschleiß, Alterung, Kraniomandibuläre Dysfunktion[1] oder Rheumatoide Erkrankungen, die Ursache sein.
Messgröße für die vorgestreckte Kopfhaltung ist der Craniovertebral-Winkel, der Winkel zwischen der Vertebra prominens (C7 Dornspitze, etwa dem äußersten Punkt des Nackens direkt über der Schulter) und dem Tragus (etwa Gehörgang) und der Horizontallinie.[2]
Die muskuläre Dysbalance, die mit einer vorgestreckten Kopfhaltung einhergeht, nennt man Upper Crossed Syndrom, denn die betroffenen Muskelgruppen in der Linie zwischen Kinn und unterer Brustwirbelsäule sind schlaff und in der Linie zwischen Nacken und Brust verspannt und bilden ein Kreuz.[3] Bedingt durch langes Sitzen kann gleichzeitig ein Lower Crossed Syndrom vorliegen.
Langzeitfolgen
- Fortschreitende unästhetische Körperhaltung
- Muskeldysbalancen
- Schmerzen im Kopf, Rücken, Nacken und in den Schultern
- Vorzeitiger Verschleiß der Halswirbelsäule mit:
- Eingeklemmten Nerven
- Bandscheibenvorfällen
- Unkarthrosen
Behandlung
Der Kopf auf der Wirbelsäule bildet ein inverses Pendel, das der Körper im Stehen, im Gehen und auch im Sitzen immer ausbalancieren muss und das die effizienteste Haltung darstellt.[4] Besonders spürbar macht sich diese Mechanik, wenn man versucht, auch über längere Zeit, einen Stapel Bücher auf dem Kopf zu balancieren. Ansonsten sollte nur zum Ausruhen und bei Inaktivität eine nennenswerte Abstützung erfolgen. Das Zahnradmodell nach Brügger[5] veranschaulicht dabei die mechanischen Zusammenhänge, und Übungen wie der „goldene Faden“ stärken das Haltungsbewusstsein. Daraus lässt sich ableiten:
- Bewusste Haltungsverbesserung und ergonomische Büroeinrichtung
- „Aktives Sitzen“, mehr Pausen und Dehnen der betroffenen Muskeln
- Trainieren der betroffenen Muskeln (Physiotherapie)
- Tägliche Bewegung und Sport allgemein
- Rückenmassage
- Schmerzmittel
Manche Menschen sind anfälliger für diese Fehlhaltung und müssen mehr Anstrengungen unternehmen, damit ihre Gesundheit erhalten bleibt.
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ B. Solow: Cranio-cervical posture: a factor in the development and function of the dentofacial structures. In: The European Journal of Orthodontics. Band 24, Nr. 5, 1. Oktober 2002, ISSN 0141-5387, S. 447–456, doi:10.1093/ejo/24.5.447 (oup.com [abgerufen am 26. Oktober 2025]).
- ↑ B. Shaghayeghfard, Amir Ahmadi, N. Maroufi, J. Sarrafzadeh: Evaluation of forward head posture in sitting and standing positions. In: European Spine Journal. Band 25, Nr. 11, November 2016, ISSN 0940-6719, S. 3577–3582, doi:10.1007/s00586-015-4254-x.
- ↑ Effectiveness of Active Release Technique verses Conventional Physiotherapy in Management of Upper Cross Syndrome. In: Indian Journal of Forensic Medicine & Toxicology. 7. Januar 2021, ISSN 0973-9122, doi:10.37506/ijfmt.v15i1.13413.
- ↑ David A. Winter: Biomechanics and motor control of human movement. 4th ed Auflage. Wiley, Hoboken, N.J 2009, ISBN 978-0-470-39818-0.
- ↑ Michael Ehlers: Richtig Sitzen. 10. März 2016, abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).