Vorfilm
Als Vorfilm bezeichnet man einen in der Regel kurzen Film, der im Kino vor dem eigentlichen Hauptfilm gezeigt wird.
Geschichte
Die Geschichte des Vorfilms reicht zurück bis in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Man nutzte die Zeit vor dem Hauptfilm, um Wochenschauen zu zeigen, die den Stellenwert heutiger Fernsehnachrichten hatten. Dazu kamen Kulturfilme, Trailershows und Kurzfilme. Es gehörte zum festen Rhythmus des Kinogangs, einen oder auch mehrere Vorfilme zu sehen.
Der Vorfilm bot Filmemachern die Möglichkeit, sich mit Kurzfilmen einem breiten Publikum zu präsentieren. Viele Filmproduzenten schickten ihren Filmen jedoch auch eigens produzierte Vorfilme voraus. So entstanden zum Beispiel in den Vereinigten Staaten der 1930er und 1940er Jahre die kurzen Cartoons von Disney, den Warner Brothers und MGM anfangs ausschließlich für die Verwendung als Vorfilm im Kino. Dazu gehörten auch die Kriegs-Cartoons, in denen bekannte Trickfilmfiguren Kriegspropaganda betrieben. Auch nach dem Krieg lebten Vorfilm und Wochenschau als ein fester Bestandteil der Kino-Kultur fort.
Der Vorfilm im Dritten Reich
Im nationalsozialistischen Deutschland wurden Vorfilme und insbesondere die Wochenschauen massiv zu Propaganda-Zwecken genutzt. Viele Menschen wehrten sich dagegen, indem sie im Kino-Foyer auf das Ende der Vorfilme warteten und erst zum Hauptfilm den Saal betraten. Um das zu unterbinden, machte das Reichs-Propaganda-Ministerium den Kinobesitzern die Vorschrift, die Türen des Saals schon zu Beginn des Vorfilms zu schließen und später Kommenden keinen Eintritt mehr zu gewähren.
Literatur
- Philipp Osten, Gabriele Moser, Christian Bonah, Alexandre Sumpf, Tricia Close-Koenig und Joël Danet (Hrsg.): Das Vorprogramm: Lehrfilm, Gebrauchsfilm, Propagandafilm, unveröffentlichter Film in Kinos und Archiven am Oberrhein 1900–1970; eine französisch-deutsche Vergleichsstudie. A25 Rhinfilm, Heidelberg/Strasbourg 2015, ISBN 978-3-00-049852-7; online