Volkssternwarte Drebach
Die Volkssternwarte Drebach, besteht aus der Sternwarte, im Jahr 1969 als Schulsternwarte gegründet, und dem in den 1980er Jahren hinzugefügten Planetarium. Die Einrichtung ist eine gemeinnützige Kultur- und Bildungseinrichtung der Gemeinde Drebach und wird in ihrer Arbeit von einem Förderverein unterstützt.
Die Sternwarte wird bei der Internationalen Astronomischen Union (IAU) unter dem Stationscode 113 geführt.
Lage
Der Komplex befindet sich in der Mitte des Ortes Drebach, an der früheren Straße der Jugend 14. Die Straße wurde in den 1990er Jahren in Milchstraße umbenannt. Die Volkssternwarte erhielt die neue Hausnummer 1.[1] In unmittelbarer Nähe zur Einrichtung steht die Grundschule David Rebentrost und liegt ein Sportplatz.
Geschichte
1960er Jahre bis 1990
Die Volkssternwarte Drebach ging aus einer Schulsternwarte hervor, die am 3. Juli 1969 im Gelände der Oberschule Drebach eröffnet wurde. Der Sternwartengründer Karlheinz Müller leitete diese Einrichtung von 1969 bis 1984 in ehrenamtlicher Tätigkeit. Im Jahre 1974 wurde die Schulsternwarte um eine zweite Beobachtungsstation erweitert. Neben der Nutzung als Schulsternwarte fanden regelmäßige Beobachtungsabende, Vorträge und astronomische Jugendlager statt.
In den Jahren von 1984 bis 1986 errichteten Freiwillige in Feierabendtätigkeit ein neues Sternwartengebäude mit Planetarium. Am 1. Juni 1986 fand die feierliche Einweihung dieser neuen Einrichtung statt. Im Mittelpunkt der zukünftigen Arbeit stand die Öffentlichkeitsarbeit durch wetterunabhängige Veranstaltungen im Planetarium. Jährlich zählte die Einrichtung 10.000 bis 12.000 Besucher. In einer 8-m-Projektionskuppel war ein Zeiss-Planetarium vom Typ ZKP-1 im Einsatz, das 1989 durch einen ZKP-2-Projektor ersetzt wurde.
Seit 1990
Nach der deutschen Wiedervereinigung und etlichen organisatorischen und Eigentumsänderungen konnte die Einrichtung erhalten werden und wurde teilweise mit modernerer Technik ausgestattet. Dazu gehörte die im Jahre 1992 installierte Wettersatelliten-Empfangsanlage, um zusätzlich aktuelle Wetterbilder aus dem Weltall zu empfangen. Im Jahr 1997 kam eine Erweiterung mit einem 50-cm-Spiegelteleskop hinzu, das in einer neu errichteten Beobachtungskuppel steht.
Im Zeitraum 2000 bis 2001 erfolgte der Neubau eines größeren Planetariums mit einer 11-m-Projektionskuppel, das am 11. August 2001 feierlich eröffnet wurde. Seitdem haben sich die Besucherzahlen der Einrichtung verdoppelt. Im Dezember 2003 verlieh die Firma Carl Zeiss Jena der Volkssternwarte den Ehrentitel Zeiss-Planetarium, den weltweit nur wenige Einrichtungen tragen dürfen.
Im Herbst 2014 konnte die Einrichtung mit einer digitalen Velvet-FullDome-Projektionsanlage von Zeiss ausgestattet werden, wozu ein dreiwöchiger Umbau erforderlich war. Die Wiedereröffnung erfolgte am 15. November 2014. Es ist deutschlandweit das zweite Kleinplanetarium mit VELVET-Projektoren, die sonst nur in Großplanetarien zum Einsatz kommen.
Zeiss-Planetarium
Das Zeiss-Planetarium Drebach bietet unterschiedliche Programme für kleine und große Sterngucker an. Astronomieinteressierte ab vier Jahre können im Sternenmärchen Peterchens Mondfahrt zum Mond reisen. Für größere Sterngucker gibt es Familienveranstaltungen, die für Erwachsene und Kinder ab neun Jahre geeignet sind.
Als Sternenprojektor wird ein Zeiss-Planetarium vom Typ ZKP-3 Skymaster eingesetzt. Verschiedene Zusatzprojektoren sorgen u. a. für 360-Grad-Panoramen und 190 Quadratmeter große Ganzkuppelbilder.
Beschreibung
Bauliches
Der Baukomplex ist ein Flachbau auf einem flachen angeschütteten Hügel, der von drei halbkreisförmigen Kuppeln verschiedener Höhe bzw. Durchmesser überragt wird. Der Flachbau ist zu großen Teilen mit Solarpaneelen ausgestattet.
Sternwarte
Das Hauptinstrument ist ein 50-cm-Cassegrain-Spiegelteleskop in einer 4 m großen Kuppel. In zwei anderen Beobachtungsstationen sind weitere Linsen- und Spiegelteleskope fest installiert.
Förderverein
Astronomiebegeisterte gründeten im Jahr 1993 einen Förderverein, deren erste Mitglieder aus der näheren und weiteren Umgebung kamen. Inzwischen sind hier Personen aus ganz Deutschland vertreten, die teilweise bundesweit vernetzt sind, um die Arbeit der Volkssternwarte zu unterstützen. Der Verein zählt etwa 175 Mitglieder (Stand: 12/2025) aller Altersgruppen.[2] Die Mitglieder des Vereins führen die regelmäßigen öffentlichen Beobachtungsabende durch und unterstützen besondere Veranstaltungen der Einrichtung, wie das jährliche Sternwartenfest im September. Spenden und Sponsoren finanzieren die Arbeit des Vereins.[3]
Forschungsarbeit
Neben den öffentlichen Beobachtungsabenden nutzen Mitglieder des Fördervereins die Teleskope intensiv für Beobachtertätigkeiten zu Kleinplaneten; so konnten hier bereits 136 Kleinplaneten (Stand: 12/2025) entdeckt werden. Einige dieser Drebacher Kleinplaneten erhielten offizielle IAU-Namen nach Personen oder bekannten geografischen Objekten aus der Erzgebirgsregion, dazu gehören beispielsweise:[4][5]
- (13816) Stülpner (nach dem Volkshelden Karl Stülpner),
- (16438) Knoefel, am 11. Oktober 1988 hier entdeckt (nach André Knöfel, einem deutschen Amateurastronomen und Meteoritenforscher)
- (17737) SigmundJähn (nach Sigmund Jähn, dem ersten Deutschen im All),
- (22168) Weissflog (nach dem Skispringer Jens Weißflog),
- (29736) Fichtelberg (nach dem höchsten Berg der Region, dem Fichtelberg),
- (31147) Miriquidi (nach dem alten Namen des Erzgebirgswaldes),
- (36800) KatarinaWitt (nach der Eiskunstläuferin Katharina Witt),
- (62190) AugustHorch (nach dem Autokonstrukteur August Horch),
- (79647) Ballack (nach dem Fußballer Michael Ballack),
- (103460) DieterHerrmann (nach dem Astronomen Dieter B. Herrmann).
Anmerkung: Die Nummern der IAU bedeuten, dass ihre Umlaufbahnen präzise bestimmt wurden.
Nationaler und internationaler Treffpunkt
Die Volkssternwarte Drebach war bereits mehrmals Tagungsort der Fachgruppe Kleinplaneten der Vereinigung der Sternfreunde e. V. mit Teilnehmern aus verschiedenen europäischen Ländern. Im Jahr 2008 wurde hier das internationale Symposium ESOP (European Symposium on Occultation Projects) über Sternbedeckungen durchgeführt. Im Jahr 2011 tagte die Fachgruppe Spektroskopie der Vereinigung der Sternfreunde e. V. in den Räumlichkeiten der Einrichtung. Eine internationale Tagung der Planetariumsmitarbeiter von Kleinplanetarien – die Planetaria – fand im September 2014 mit mehr als 50 Teilnehmern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz statt.
Siehe auch
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Programmflyer des Zeiss-Planetariums und Volkssternwarte Drebach, Oktober–Dezember 2025.
- ↑ Website Förderverein. Abgerufen am 17. Dezember 2025.
- ↑ Förderverein Volkssternwarte Drebah. Abgerufen am 17. Dezember 2025.
- ↑ Kleinplanetenseite mit den Entdeckungen aus Drebach, abgerufen am 21. Dezember 2025.
- ↑ Website der Internationalen Astronomischen Union (IAU). Abgerufen am 17. Dezember 2025.
Koordinaten: 50° 40′ 25,9″ N, 13° 0′ 45,9″ O