Volker Wangenheim
Volker Wangenheim (* 1. Juli 1928 in Berlin; † 23. April 2014 in Altenkirchen[1]) war ein deutscher Dirigent, Arrangeur und Komponist. Er wirkte zudem als Generalmusikdirektor (1963 bis 1978) und ab 1972 als Hochschullehrer.
Leben
Berlin
Volker Wangenheim, Sohn des Kaufmanns Herbert Wangenheim, wuchs in Berlin auf, besuchte eine Oberrealschule und studierte an der Musikhochschule Berlin Violine, Oboe, Klavier, Komposition und Dirigieren.[2] 1951 und 1952 war er Korrepetitor und Kapellmeister am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin.[3] Zwischen 1951 und 1956 wirkte er als künstlerischer Leiter im Orchester Berliner Musikfreunde. Von 1953 bis 1959 leitete er als Chefdirigent das Berliner Mozart-Orchester, das er 1952 selbst gegründet hatte.[3] Von 1954 bis 1957 dirigierte er auch das Akademische Orchester Berlin[4][3] und gab am 22. Juni 1954 sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern.[5]
Köln / Bonn
Im Jahr 1957 gründete er das von ihm als Musikdirektor geleitete Städtische Orchester in Bonn, dem er von 1963 bis 1978 als Generalmusikdirektor vorstand, das in Orchester der Beethovenhalle Bonn umbenannt wurde und das heute Beethoven Orchester Bonn heißt.[6][3] In dieser Funktion leitete er unter anderem im November 1969 die Uraufführung von Karlheinz Stockhausens Fresco für vier Orchestergruppen.[7] Von 1957 bis 1979 wirkte er zudem als künstlerischer Leiter des Philharmonischen Chores der Stadt Bonn.
1969 war er Mitbegründer des Bundesjugendorchesters, das er mehrere Jahre lang als alleiniger Dirigent aufbaute, bis 1984 künstlerisch leitete und mit dem er bis 1982 zahlreiche Konzerte gestaltete.[6][8]
1972 wurde er zum Professor an der Musikhochschule Köln ernannt und in den Deutschen Musikrat berufen,[3] dem er bis 1980 angehörte und der ihn schließlich als Ehrenmitglied aufnahm.[9]
Volker Wangenheim lebte in Sankt Augustin, hatte eine Tochter (Andrea) und fand seinen Ruhesitz zusammen mit seiner Frau in Altenkirchen im Westerwald. Er starb 2014.[6]
Wirken
Von 1954 bis 1960 leitete Wangenheim Dirigentenkurse in Lindau (Bodensee), am Mozarteum Salzburg, in Valencia und Mexico City. Als Professor leitete er die Dirigentenklasse und das Hochschulorchester in Köln. Zudem war er als Gastdirigent in Städten des In- und Auslands und nahm auch Schallplatten für EMI auf. Er komponierte Sinfonien, Kammermusik, Kirchenmusik und Volkslied-Motetten. Einige seiner Chorwerke wurden unter der Leitung seines Schülers Volkher Häusler vom MendelssohnKammerChor Berlin uraufgeführt.[10][11]
Seinen Schwerpunkt bildeten Kompositionen geistlicher Chormusik ohne Instrumentalbegleitung und in lateinischer Sprache, wozu er schon in seiner Berliner Jugend beim Anhören des Gregorianischen Chorals in einer katholischen Kirche angeregt wurde.[6] Zu der Chorausgabe vom neuen Gotteslob von 2013 steuerte Wangenheim den Chorsatz des Osterliedes Das ist der Tag, den Gott gemacht bei.[12]
Schüler (Auswahl)
- Dirk Brossé
- Rüdiger Bohn
- Martin Fratz
- Volkmar Fritsche
- Volkher Häusler
- Esther Hilsberg
- Inga Hilsberg
- Michael Luig
- Thomas Neuhoff
- Ingo Metzmacher
- Andreas Rothkopf
- Karsten Scholz
- Andrés Spiller
- Markus Stenz
- Roland Vossebrecker
- Ulrich Windfuhr
- Thomas Jung
Ehrungen
- Erster Preis Musik beim Wettbewerb für Komposition (1944)
- Kunstpreis Berlin (1954)
- Bundesverdienstkreuz am Bande (1972)
- Staatlicher Verdienstorden für polnische Kultur (1978)[3]
- Ehrenmitglied des Deutschen Musikrats[9]
Kompositionen (Auswahl)
- Sonatina per orchestra
- Sinfonietta concertante
- Sinfonia notturna
- Concerto per archi
- Stabat mater
- Hymnus choralis
- 150. Psalm
- Sinfonie 1966
- Messe für gemischten Chor a capella
- Nicodemos Iesum nocte visitat
- Klangspiel I und II.
- Psalm 70, 123 und 130
- Deutsche Volkslieder in Bearbeitung für gemischten Chor
Literatur
- Wangenheim, Volker. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1304.
Weblink
Einzelnachweise
- ↑ Traueranzeige Volker Wangenheim, sueddeutsche.de, abgerufen am 29. April 2014
- ↑ Volker Wangenheim ( vom 26. April 2014 im Internet Archive), schott-music.com, abgerufen am 25. April 2014
- ↑ a b c d e f Volker Wangenheim bei Who’s Who Germany, The People-Lexicon, abgerufen am 12. Februar 2024.
- ↑ Aus der Geschichte des AOB ( vom 26. April 2014 im Internet Archive), Akademisches Orchester Berlin, abgerufen am 25. April 2014
- ↑ Berliner Philharmoniker – Spielplan 1953/1954 – Volker Wangenheim ( vom 27. April 2014 im Internet Archive), berliner-philharmoniker.de, abgerufen am 27. April 2014.
- ↑ a b c d Bernhard Hartmann: Volker Wangenheim: Geistliche Chormusik ist sein Zuhause, 29. September 2007, general-anzeiger-bonn.de, abgerufen am 25. April 2014
- ↑ Angaben der Universaledition zu Stockhausens „Fresco“.
- ↑ Bundesjugendorchester – Repertoire, abgerufen am 25. April 2014
- ↑ a b Ehrenmitglieder, Deutscher Musikrat, Deutscher Musikrat
- ↑ Der 111. Psalm (Uraufführung), tagesspiegel.de, 11. September 2008, abgerufen am 17. Februar 2014
- ↑ Konzerte 2008, MendelssohnKammerChor Berlin, abgerufen am 25. April 2014
- ↑ Chorbuch zum Gotteslob – Ausgabe für Chor SATB , orgelsolo-noten.com, abgerufen am 25. April 2014