Vogelberg (Mümliswil-Ramiswil)

Vogelberg
Vogelberg mit Blick zum Wasserfallengebiet
Höhe 1204 m ü. M.
Lage Kanton Solothurn, Schweiz
Gebirge Jura
Dominanz 8,25 km → Hohe Winde
Schartenhöhe 102 m ↓ Sunnenberg, Chratteneggli
Koordinaten 618433 / 246410

Der Vogelberg ist ein 1204 m ü. M. (gemäss der neuesten Landeskarte 1203 m ü. M.) hoher Berg im Kanton Solothurn im Schweizer Jura und die am weitesten im Osten und im Norden liegende Erhebung mit einer Höhe von über 1200 Metern im Juragebirge. Der höchste Berg im Passwangmassiv gilt dank seiner Dominanz als guter Aussichtspunkt.[1]

Geografie

Der Vogelberg bildet die höchste Stelle in der langgezogenen Passwang-Wasserfallen-Kette, einer markanten Bergreihe des Faltenjuras. Der Bergstock trennt die Einzugsgebiete der Dünnern und somit zugleich der Aare im Süden und der Birs und der Ergolz im Norden.

Die Gipfel und Bergrücken des Juragebirges weisen von Südwesten gegen Nordosten abnehmende Höhen auf. Der Vogelberg ist dabei die am weitesten im Osten und auch im Norden liegende Erhebung, die noch die Höhe von 1200 m ü. M. überragt. Der nächste höhere Berg des Faltenjuras ist das Hällchöpfli auf der südlichsten Jurakette, 2,5 Kilometer weiter westlich als der Vogelberg.

Die Dominanz des Berges innerhalb des Juramassivs ist nicht ganz eindeutig zu beschreiben, weil ein anderer Gipfel gut acht Kilometer südwestlich praktisch die gleiche Höhe hat: Die Graskuppe der Hohen Winde am westlichen Ende des Passwanggebiets ist wohl um wenige Dezimeter höher, der Höhenunterschied ist jedoch unbedeutend und wurde in der Geschichte der Landesvermessung unterschiedlich bestimmt: zeitweise wurden beide Berge als gleich hoch bestimmt. Nach den offiziellen neueren Höhenangaben der GPS-Landesvermessung gilt die Hohe Winde wieder als der ganz knapp höhere Berg und begrenzt somit die Dominanz des Vogelbergs.[2]

Mit dem Passwang befindet sich auch der Vogelberg im Gebiet der solothurnischen Gemeinde Mümliswil-Ramiswil. Die Grenze zwischen dem Kanton Solothurn und dem Kanton Basel-Landschaft überquert das Berggebiet allerdings nur knapp 400 Meter nördlich des Vogelberggipfels und durchschneidet die Bergweiden, die ebenfalls Vogelberg heissen. Die tiefe Runse im Tal auf der Nordseite des Berges mit dem Vogelbergbächli liegt im Kanton Basel-Landschaft. Der kleine Bergbach vereint sich 1,5 Kilometer nach seinem Quellgebiet im Bogental mit dem Bach aus dem Cholloch, woraus die Lüssel, ein Zufluss der Birs, entsteht. Der Sattel zwischen dem Bogental und dem Tal der Wasserfalle hat den Namen Vogelberghöhe.

Der steile Berghang auf der Südseite des Vogelbergs mit hohen Felswänden ist dicht bewaldet, und auch der nur sanft abfallende Nordwesthang trägt direkt unter dem Gipfel eine schmale Waldparzelle. Die im Westen und im Nordosten anschliessenden Zonen des Nordhangs sind gerodet und werden als Alpweiden genutzt; im Westen ist es das Gebiet der Oberen Barschwangweid und im Nordosten die Weide Vogelberg. Eine 2,2 Hektar grosse Bergwiese unter dem Gipfel ist als Reservat «Vogelberg» im Bundesinventar der Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung eingetragen.[3] Die Weideflächen und der Berggasthof Vogelberg sind mit einer Fahrstrasse erschlossen, die knapp 200 Meter unter dem Vogelberggipfel vorbeiführt, auf den ein Wanderweg führt.

Geologie

Die Vogelbergkette ist ein Teil der Passwang-Antiklinale des Faltenjuras, die sich bei der Gebirgsbildung des Juras wegen Querbrüchen und Überschiebungen in mehrere Teilformationen gliederte. Am Vogelberg bilden die von Nordwesten nach Südosten ansteigenden Kalkschichten den nördlichen Berghang, während die freistehenden Schichtköpfe auf der Südseite an hohen Felswänden sichtbar sind.[4]

Landesvermessung

Auf dem Gipfel des Vogelbergs besteht seit der Frühzeit der Landesvermessung der Schweiz ein Fixpunkt zweiter Ordnung für die topographische Triangulation. Die Lage der Station wurde von den Hauptfixpunkten auf der Rötifluh und dem Wisenberg aus bestimmt und danach in der Dufourkarte auf Blatt VII «Porrentruy Solothurn» mit dem Zeichen «Signal» eingetragen. Die im 19. Jahrhundert gemessene Höhe des Gipfels betrug 1207 m ü. M. Das Punktegerüst für die Vermessung in der Nordschweiz bestand aus der Messpunkte-Reihe Rämel-Chrischona-Vogelberg.[5]

Der Fixpunkt ermöglichte mit andern die genauere topographische Aufnahme und die Grundbuchvermessung in den nördlichen Juralandschaften. Auf dem höchsten Punkt des Berggipfels sind der Lochbolzen als historischer Standort für Vermessungsgeräte ebenso wie die zur Versicherung in den Felsen eingemeisselten Kreuze noch erhalten geblieben.[6] Der Punkt ist jedoch wegen des dichten Bergwaldes aus der Ferne nicht mehr zu sehen.

Beim neuen Präzisionsnivellement der Schweiz im 20. Jahrhundert wurde die Höhe des Vogelbergs auf 1204 m ü. M. korrigiert.

200 Meter südwestlich des höchsten Punktes ist auf dem rund sechs Meter weniger hohen Nebengipfel, der keinen Wald aufweist und eine gute Sicht in alle Richtungen erlaubt, ein zweites Vermessungssignal eingerichtet.[7] Im GPS-Landesnetz LV95 zählt das Signal an dieser Stelle zu den Hauptpunkten.[8][9]

Tourismus

Die leicht erreichbare Anhöhe ist ein geeigneter Standort für die Aussicht über die Berglandschaft des Juras und bei guter Fernsicht bis zu den Alpen im Südosten, den Schwarzwald im Norden und die Vogesen im Nordwesten. Als höchste Stelle im «Belchen-Passwang-Gebiet» erlaubt sie auch einen Rundblick über dieses Landschaftsschutzgebiet, das im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung aufgeführt ist.[10] Der gute Aussichtspunkt liegt allerdings nicht auf dem Berggipfel selbst, der ringsum dichten Wald aufweist, sondern etwa 200 Meter südwestlich davon auf dem langgezogenen Nebengipfel.

Strassen und öffentliche Verkehrsmittel führen bis in die Nähe des Berges. Im Südwesten überquert die Passwangstrasse die Bergkette; von der Postauto-Haltestelle «Passwang» ist der Weg auf den Vogelberg drei Kilometer weit. Ein Parkplatz für Privatautos steht noch etwas weiter oben in der Nähe des Bergbauernhofes Mittlere Barschwang zur Verfügung. Von Reigoldswil im Kanton Basel-Landschaft führt eine Luftseilbahn auf die Wasserfalle; von der Bergstation auf 928 m ü. M. aus gibt es einen gut ausgebauten, stellenweise etwas anspruchsvollen Bergwanderweg auf den Vogelberg. Im dichten Wanderwegnetz des Passwanggebiets erreicht die regionale Route 470 «Wasserfallen-Rundweg» den Vogelberg.[11]

Commons: Vogelberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Heinz Staffelbach: Der Vogelberg ist der vielleicht schönste Gipfel im Jura. In: Bellevue NZZ. 1. Februar 2025, abgerufen am 20. September 2025.
  2. Wenn für den Vogelberg und die Hohe Winde die gleiche Höhe angenommen wird, erweitert sich der Dominanzbezug des Vogelbergs auf 9,7 Kilometer bis zum Hällchöpfli (1232 m ü. M.) im Süden.
  3. Objektblatt «Vogelberg» (PDF; 610 kB) im Bundesinventar der Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung.
  4. August Buxtorf, Peter Christ: Geologischer Atlas der Schweiz 1.25000. Blätter 96 Laufen, 97 Bretzwil, 98 Erschwil, 99 Mümliswil. Bern 1936.
  5. Schweizerische Geodätische Kommission (Hrsg.): Die geodätischen Arbeiten im 20. Jahrhundert. S. 116.
  6. Fixpunkt LFP1 2. Ordnung Vogelberg. (PDF; 591 kB) Bundesamt für Landestopografie, 10. April 2018, abgerufen am 20. September 2025.
  7. Protokoll Vogelberg LV95-Hauptpunkt. Bundesamt für Landestopografie, 1. Juli 2024, abgerufen am 20. September 2025.
  8. Thomas Signer, Bruno Vogel: Aufbau der neuen Landesvermessung der Schweiz «LV95». Teil 9. GPS-Landesnetz. Verdichtung und Bezug zur bisherigen Landesvermessung, Transformation LV95-LV03. Hrsg.: Bundesamt für Landestopografie. Wabern 1999.
  9. Karte Vogelberg mit Fixpunkten. Bundesamt für Landestopografie.
  10. Beschreibung des BLN-Objekts 1012 Belchen-Passwang-Gebiet. Bundesamt für Umwelt.
  11. Wasserfallen-Rundweg. In: SchweizMobil. Abgerufen am 21. September 2025.