Vituskapelle (Gruol)
Die Vituskapelle ist ein denkmalgeschütztes Kirchengebäude in Gruol, einem Stadtteil von Haigerloch im Zollernalbkreis in Baden-Württemberg. Sie ist dem Heiligen Vitus geweiht. Die Kapelle wurde von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg im November 2022 zum Denkmal des Monats ernannt.[1]
Die Kapelle gehört zur römisch-katholischen Kirchengemeinde St. Clemens Gruol in der Seelsorgeeinheit Eyachtal-Haigerloch-St. Anna im Dekanat Zollern des Erzbistums Freiburg. Sie steht auf dem Friedhof von Gruol westlich des Ortes.
Geschichte
Das gotische Bauwerk wurde im Jahr 1323 als Ersatzbau für eine romanische Vorgängerkirche als „Kapelle Unserer Lieben Frau“ errichtet. St. Vitus wurde erst im 17. Jahrhundert als Patron genannt.[2] Der Turm wurde in einer zweiten Bauphase in der Mitte des 15. Jahrhunderts ergänzt. Zu dieser Zeit wurde die Kapelle im spätgotischen Stil umgebaut. Der Umbau wurde vermutlich von der Erzherzogin Mechthild von der Pfalz gestiftet. Durch Gräfin Katharina von Hohenzollern-Haigerloch wurde der Chor um 1600 im Stil der Spätrenaissance umgestaltet. Aus dieser Zeit stammt auch der Hochaltar.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts sollte die Kirche, ebenso wie das Dominikaner-Terziarinnen-Kloster in Gruol, abgerissen werden. Auf Initiative der Gruoler Bürger wurde die Veitskapelle aber erhalten und dient seit der Verlegung des Friedhofs im Jahr 1836 als Friedhofskapelle. Ein früher vorhandenes zur Kirche gehöriges Kaplanei- und Mesnerhaus ist im Zuge der Friedhofsverlegung abgegangen.[2]
Um 1880 erfolgte eine weitere Umgestaltung des Innenraums im neugotischen Stil. Umfangreichere Instandsetzungsmaßnahmen wurden ab 1926, in den 1970er Jahren und zuletzt von 2019 bis 2021 vorgenommen.
Architektur
Die kleine Kirche verfügt über einen Chor mit quadratischem Grundriss und ein in gleicher Breite anschließendes Langhaus. Der östlich an den Chor angebaute Turm hat einen sehr steilen, oktogonalen Spitzhelm und eine in Sichtfachwerk ausgeführte Glockenstube. Das Dach des Turms ist mit Ziegeln in fünf Farbtönen gedeckt. Das dreiteilige Maßwerkfenster im Chor stammt aus dem 15. Jahrhundert.
Im Inneren weist die Kirche im Langhaus ein hölzernes Tonnengewölbe auf, das mit einer mehrfarbigen Schablonenmalerei verziert ist und die auf die Bauphase in der Mitte des 15. Jahrhunderts zurückgeht. Das Tonnengewölbe des Chorraums hingegen stammt aus der Zeit um 1605.[3]
Denkmalschutz
Die Kirche ist nach § 12 des baden-württembergischen Denkmalschutzgesetzes geschützt. Das Landesamt für Denkmalpflege schreibt dem „kleinen Sakralbau“ einen besonderen „bau- und ortsgeschichtlichen Zeugnischarakter“ zu. „Mit ihrer qualitätvollen Ausstattung, v. a. renaissancezeitlichen und barocken Stücken (u. a. eine Joachim Taubenschmid zugeschriebene Skulptur und ein Johann Georg Bergmüller zugeschriebenes Altarblatt), verdeutlicht die Kirche zudem hochwertiges Kunstschaffen in der Blütezeit hohenzollernscher Herrschaft.“[3]
Zum Kulturdenkmal gehören auch das Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten und des Zweiten Weltkriegs am Kapellenturm, die Einzelgrabmale an der Außenfassade und das Friedhofsportal am Osteingang des Friedhofs.[3] Der gesamte Friedhofsbereich ist zudem als archäologisches Kulturdenkmal geschützt.[2]
Literatur
- Timo Raible: Denkmalpflege mit nachhaltiger Wirkung. Die Instandsetzung der Vituskapelle in Gruol (Haigerloch) in Anknüpfung an konservatorische Maßnahmen von 1926. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg. Nr. 4, 2025, S. 234–241.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Gotische Friedhofskirche nach Sanierung besser geschützt: Vituskapelle von Haigerloch-Gruol ist Denkmal des Monats November 2022. Abgerufen am 25. November 2025.
- ↑ a b c Geoportal Baden-Württemberg, Layer WMS LAD Archäologische Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Informationen zum Objekt Nr. 101564776. Abgerufen am 27. November 2025.
- ↑ a b c Geoportal Baden-Württemberg, Layer WMS LAD Kulturdenkmale der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg, Informationen zum Objekt Nr. 98785564. Abgerufen am 27. November 2025.
Koordinaten: 48° 20′ 44,6″ N, 8° 45′ 56,4″ O