Vittorio Badini Confalonieri

Vittorio Badini Confalonieri (* 14. März 1914 in Turin; † 3. August 1993 in Bardonecchia, Provinz Turin) war ein italienischer Politiker des Partito Liberale Italiano (PLI), der unter anderem zwischen 1953 und 1976 Mitglied der Camera dei deputati, von 1967 bis 1972 Vorsitzender des PLI sowie zwischen 1972 und 1973 Minister für Tourismus und Veranstaltungen im Kabinett Andreotti II war. Als überzeugter Europäer war er zweimal Präsident der Westeuropäischen Union WEU (1959–1960 und 1966–1969).

Leben

Vittorio Badini Confalonieri absolvierte ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Turin, welches er mit einem „Laurea in giurisprudenza“ beendete, und war danach als Rechtsanwalt mit dem Schwerpunkt Strafrecht tätig. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war er zwischen dem 25. Juni 1946 und dem 31. Januar 1948 Mitglied der Verfassunggebenden Versammlung (Assemblea Costituente) und gehörte dort der Fraktion des liberalen Parteibündnisses Nationaldemokratische Union UDN (Unione Democratica Nazionale) als Mitglied an. Im Kabinett De Gasperi IV übernahm er erstmals ein Regierungsamt und fungierte zwischen dem 31. Mai 1947 und dem 23. Mai 1948 als Staatssekretär im Justizministerium (Sottosegretario di Stato a Grazia e Giustizia).[1] Für seine Verdienste wurde er am 30. Dezember 1952 zum Großoffizier des Verdienstordens der Italienischen Republik ernannt.

Bei den Parlamentswahlen am 7. Juni 1953 wurde er für die Liberale Partei PLI (Partito Liberale Italiano) erstmals zum Mitglied der Abgeordnetenkammer (Camera dei deputati) gewählt und gehörte dieser nach seinen Wiederwahlen am 25. Mai 1958, 28. April 1963, 19./20. Mai 1968 und am 7. Mai 1972 von der zweiten bis zum Ende der sechsten Legislaturperiode vom 25. Juni 1953 bis zum 4. Juli 1976 an. Während seiner 34-jährigen Parlamentszugehörigkeit gehörte er zahlreichen Ausschüssen an und war unter anderem Mitglied des Ausschusses für Verkehr, Kommunikation und Handelsmarine (1. Juli 1953 bis 11. Juni 1958), des Ausschusses für Bildung und Bildende Künste (12. Juni 1958 bis 15. Mai 1963), für Verteidigung (10. Juli 1968 bis 24. Mai 1972), des Ausschusses für öffentliche Arbeiten (25. Mai 1972 bis 10. Juli 1974) sowie zuletzt des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten und Auswanderung (11. Juli 1974 bis 4. Juli 1976). Nachdem er zwischen dem 26. Juni 1953 und dem 11. Februar 1954 stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses zur Prüfung von Anträgen auf Zulassung zur gerichtlichen Einleitung eines Verfahrens (Giunta per l'esame delle domande di autorizzazione a procedere in giudizio),[2] bekleidete er im Kabinett Scelba (11. Februar 1954 bis 6. Juli 1955) sowie im Kabinett Segni I (9. Juli 1955 bis 19. Mai 1957) als Staatssekretär im Außenministerium (Sottosegretario di Stato agli Affari Esteri).[3][4]

Als überzeugter Europäer war Badini Confalonieri zwischen dem 20. Mai 1954 und dem 14. Februar 1972 als Vertreter Italiens Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates[5] sowie von 1959 bis 1960 und erneut zwischen 1966 und 1969 zweimal Präsident der Westeuropäischen Union (WEU). Als Nachfolger von Gaetano Martino[6] übernahm er 1967 die Funktion als Vorsitzender der PLI und übte das Amt des Parteivorsitzenden bis 1972 aus, woraufhin Giovanni Malagodi[7] ihn ablöste. Im Kabinett Andreotti II fungierte er zwischen dem 26. Juni 1972 und dem 7. Juli 1973 als Minister für Tourismus und Veranstaltungen (Ministro del Turismo e Spettacolo).[8] Für seine Verdienste wurde ihm am 5. Juli 1976 nach seinem Ausscheiden aus der Abgeordnetenkammer auch das Großkreuz des Verdienstordens der Italienischen Republik verliehen.

Literatur

  • Luca Badini Confalonieri: Liberali piemontesi e altri profili, Turin 2020
Commons: Vittorio Badini Confalonieri – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. IV Governo De Gasperi. In: Camera dei deputati. Abgerufen am 1. November 2025 (italienisch).
  2. Giunta per l'esame delle domande di autorizzazione a procedere in giudizio. In: Camera dei deputati. Abgerufen am 1. November 2025 (italienisch).
  3. I Governo Scelba. In: Camera dei deputati. Abgerufen am 1. November 2025 (italienisch).
  4. I Governo Segni. In: Camera dei deputati. Abgerufen am 1. November 2025 (italienisch).
  5. Mr Vittorio BADINI CONFALONIERI (Italy). In: Parliamentary Assembly of the Council of Europe. Abgerufen am 1. November 2025 (englisch).
  6. Gaetano Martino. In: Camera dei deputati. Abgerufen am 1. November 2025 (italienisch).
  7. Giovanni Francesco Malagodi. In: Camera dei deputati. Abgerufen am 1. November 2025 (italienisch).
  8. II Governo Andreotti. In: Camera dei deputati. Abgerufen am 1. November 2025 (italienisch).