Virgílio de Lemos

Virgílio Diogo de Lemos (* 29. November 1929 auf der Insel Ibo, nach anderen Quellen in Lourenço Marques, (heute Maputo), Mosambik; † 6. Dezember 2013 in Pornic, Frankreich, nach anderen Quellen Nantes) war ein mosambikanischer Schriftsteller, Lyriker und Journalist.

Er gilt als eine der wichtigsten Stimmen der mosambikanischen Lyrik.

Leben und Wirken

Virgílio de Lemos wurde als Sohn in der damaligen portugiesischen Kolonie Portugiesisch-Ostafrika lebender Portugiesen geboren. Er wuchs zwischen Lourenço Marques und Johannesburg auf, wo er auch studierte. Bereits 1944 entstanden erste Gedichte.

Er schrieb für das Jornal da Mocidade Portuguesa de Moçambique, dem Magazin der mosambikanischen Abteilung der Jugendorganisation Mocidade Portuguesa der portugiesischen Diktatur, wo er auch bis 1949 Chefredakteur war. Das Magazin, das sich literarisch an vierzehn- bis zweiundzwanzigjährige Jugendliche und junge Erwachsene richtete, versuchte neue und andere Impulse zu setzen, sich vom portugiesischen Vorbild zu lösen und eine eigene, mosambikanische Stimme in der Lyrik zu finden. Zu den weiteren Mitstreitern de Lemos’ zählten Rui Knopfli und Noémia de Sousa. 1952 war er Mitbegründer des Literaturmagazins Mshao, das einen ähnlichen Weg wie das Mocidade Portuguesa de Moçambique vertrat, um Mosambiks Lyrik eine größere Bedeutung zu geben.

1954 erschien unter dem Heteronym Duarte Galvão ein Gedicht, in dem er die portugiesische Flagge diffamierte. Dafür wurde er später verurteilt und kam von 1961 bis 1962 ins Gefängnis. Von 1954 bis 1961 war er im mosambikanischen Widerstand tätig und wurde deshalb von der portugiesischen Geheimpolizei PIDE verfolgt, was ihn zur Flucht nach Paris zwang. Er hatte sich stets für die Unabhängigkeit Mosambiks von Portugal eingesetzt. Dort war er als Journalist für den Sender TF1 tätig und schrieb auch für die Zeitung Le Monde. Viele Werke von ihm wurden in Portugal und den portugiesischen Kolonien verboten. Als junger Mann hatte er Griechenland, die Inseln des Indischen Ozeans und Mittelamerika bereist.

Am 6. Dezember 2013 starb er im Alter von 84 Jahren in Pornic.

Literarisches und journalistisches Schaffen

Virgilio de Lemos gilt neben José Craveirinha und Rui Knopfli als einer der Großen der mosambikanischen Lyrik.

Als Journalist schrieb er auch Beiträge für Radiofeatures und Zeitschriften und Zeitungen in Belgien und Schweden. Ebenso gehörten O Brado africano, A voz de Moçambique, Tribuna, Noticias, Jornal de Letras und Expresso zu den Zeitungen und Zeitschriften, für die er schrieb. Neben Portugiesisch schrieb er auch auf Französisch.

Als Schriftsteller hinterließ er auch Kurzgeschichten, war aber hauptsächlich Lyriker.

Ähnlich wie der Dichter Fernando Pessoa nutzte er Heteronyme für sein Werk, so Lee-Li für die erotische Lyrik, Duarte Galvão für die politische und engagierte Lyrik und Bruno dos Reis für die Generationenlyrik.

Beeinflusst hatten ihn Walt Whitman, William Shakespeare, John Osborne, Arthur Rimbaud, Charles Baudelaire, Paul Verlaine, Michel Leiris und Saint-John Perse.

In seinem Werk spielen Freiheit, Träume, Erotik, problematische Existenzen, die soziale Gerechtigkeit und der Kolonialismus eine tragende Rolle.

Werk (Auswahl)

  • Tempo Presente, 1960, Gedichte
  • L’Obscene Pensée d’Alice, 1989
  • Ilha de Moçambique: a língua é o exílio do que sonhas, 1999
  • Negra Azul, 1999
  • Eroticus Mozambicanus, 1999
  • Para fazer um mar, 2001, Gedichte
  • A dimensão do desejo, 2012, Gedichte

Quellen