Vinzenz Blum

Vinzenz Josef Thadäus Blum (* 7. April 1916 in Höchst, Vorarlberg; † 15. Oktober 2007 in Bregenz) war ein österreichischer Ornithologe.

Leben und Wirken

Vinzenz Blum wurde am 7. April 1916 als Sohn von Wilhelm Blum (* 4. April 1869 in Höchst; † unbekannt) und dessen Ehefrau Katharina (geborene Schneider; * 17. Februar 1873 in Höchst; † 3. April 1939)[1] in Höchst geboren und am selben Tag auf den Namen Vinzenz Josef Thadäus getauft.[2] Seine Eltern hatten am 26. Mai 1896 in Höchst geheiratet.[1][2] Seine Firmung erhielt er am 7. Juni 1925.[2]

Nach abgeschlossener Schulausbildung und dem Abschluss einer Lehrerbildungsanstalt mit der Lehrbefähigungsprüfung im Jahr 1940 war Blum nach seinem Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg jahrzehntelang als Hauptschullehrer tätig. Dabei war er Lehrer in den Fachgebieten Mathematik, Physik/Chemie, Biologie und Musik an der Knabenhauptschule Bregenz-Rieden, die er zusätzlich von 1970 bis zu seiner Pensionierung 1976 leitete.[3] Am 6. August 1941 heiratete Blum in erster Ehe.[2] 1974 wurde ihm der Titel Oberschulrat verliehen.[4]

Ab 1955 war er erstmals Mitglied des Vorarlberger Landesmuseumsvereins,[5] bei dem er in den 1960er Jahren auch Obmann des Fachausschusses Naturkunde war.[6] Im Jahr 1963 trat er der Österreichischen Gesellschaft für Vogelkunde bei und war über vier Jahrzehnte hinweg deren Mitglied. In dieser Zeit war er als Vogelschützer, fachkundiger Ornithologe, Autor und Mitglied in verschiedenen Gremien tätig und gab sein umfangreiches Wissen auch auf Exkursionen, Vorträgen und Kursen weiter. In den 1970er Jahren gab er etwa Vogelkundekurse im Rheindelta, bei denen stets über 100 Teilnehmer verzeichnet wurden. Besonders hervorzuheben ist hierbei der „Vogelkundekurs zur Förderung des Naturschutzes durch einen naturverträglichen Tourismus“ im Rheindelta in den Jahren 1972 bis 1981. Bis 1979 leitete Vinzenz Blum die Landestelle Vorarlberg der Österreichischen Gesellschaft für Vogelkunde und war bis Anfang der 1990er Jahre zudem Mitglied der Raritätenkommission in Wien. In den 1980er Jahren beteiligte er sich intensiv an der Datensammlung für den österreichischen Brutvogelatlas sowie insbesondere für den ersten Atlas der Brutvögel Vorarlbergs, den er 1991 in Zusammenarbeit mit Rita Kilzer (* 1938) veröffentlichte. Kilzer setzte das Werk Blums in weiterer Folge zusammen mit Georg Willi und ihrem Sohn Gerold Kilzer fort und brachte 20 Jahre später, im Jahr 2011, einen völlig überarbeiteten Atlas der Brutvögel Vorarlbergs heraus.

Unterstützt durch seine Kollegin Edith Winter, die unter anderem auch für die Egretta schrieb, untersuchte er insbesondere das untere Rheintal, den hinteren Bregenzerwald und das Kleinwalsertal. Die Ergebnisse seiner Arbeiten fanden Eingang in zahlreiche Bücher und Fachzeitschriften. Im Jahr 1977 veröffentlichte er das Büchlein Die Vögel des Vorarlberger Rheindeltas und im Jahr 1983 die Artenliste der Vögel Vorarlbergs. Zudem war er nicht nur Mitautor des bereits erwähnten Atlas der Brutvögel Vorarlbergs, sondern auch des Standardwerks Die Vögel des Bodenseegebietes. Zusammen mit Rita Kilzer brachte er 1993 auch die Rote Liste der gefährdeten Brutvögel Vorarlbergs heraus. Neben Beiträgen in der Egretta sind auch in anderen Fachzeitschriften und Naturschutzblättern des deutschsprachigen Raumes Beiträge Blums zu finden. Neben zahlreichen Erstnachweisen und Raritätenmeldungen aus dem Rheindelta veröffentlichte er 1978 die Ergebnisse seiner Bestandserhebung des Steinrötels in Vorarlberg sowie 1997 die Resultate seiner 15-jährigen wöchentlichen Limikolenzählung im Rheindelta. In den Jahren 1984 bis 1998 war er zudem Redaktionsmitglied des Ornithologischen Informationsdienstes für Vorarlberg. Als einer der Hauptverantwortlichen war Blum 1976 am Zustandekommen des Naturschutzgebietes Rheindelta (dem Vorläufer des 1995 eingerichteten Europaschutzgebietes Rheindelta) beteiligt.

Über Jahrzehnte zählten die Wasservogel- und Limikolenzählungen im Rheindelta sowie die regelmäßigen Bestandsaufnahmen der Riedvögel zu seinen zentralen Aufgaben. Obwohl sich die Bestände zunächst positiv entwickelten, wies er bereits Anfang der 1990er Jahre in Interviews und Vorträgen auf den deutlichen Rückgang der Bodenbrüter im Rheindelta infolge der gezielten Entwässerung durch das Pumpwerk Fußach hin. Dies nahm Blum auch zum Anlass, um im Jahre 1995 im Rheticus die Ergebnisse seiner langjährigen Bestandserhebungen unter dem Titel Die Wiesenvögel im Rheindelta sterben aus zu veröffentlichen. Erst zehn Jahre später wurde seine Einschätzung des fortschreitenden Niedergangs des Vogelschutzgebietes allgemein bestätigt.

Für sein vielfältiges Wirken wurde Blum 1984 mit dem Natur- und Umweltschutzpreis des Vorarlberger Landschaftspflegefonds ausgezeichnet. In den frühen 1990er Jahren war er Mitbegründer des Vereins Birdlife Vorarlberg, deren erste Leiterin Rita Kilzer wurde. Blum selbst fungierte im Vorstand und war später Ehrenmitglied des Vereins. Auch von BirdLife Österreich, das aus der einstigen Österreichischen Gesellschaft für Vogelkunde hervorgegangen war, wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

Nachdem sein Seh- und Hörvermögen in den letzten Jahren stark beeinträchtigt gewesen war, verstarb Blum am 15. Oktober 2007 im Alter von 91 Jahren in Bregenz, wo er die letzten Jahrzehnte gelebt und gewirkt hatte.[7]

Werke (Auswahl)

  • Beiträge im Magazin Egretta und anderen Fachzeitschriften und Naturschutzblättern
  • Mitwirkung an Harald Jacoby, Gerhard Knötzsch und Siegfried Schuster: Die Vögel des Bodenseegebietes. Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee, 1970. (Neuauflagen teilweise unter Beteiligung anderer Personen: u. a. 1983 oder 1999)
  • Die Vögel des Vorarlberger Rheindeltas. Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee, Konstanz 1977.
  • Artenliste der Vögel Vorarlbergs. Im Auftrag der Landesstelle Vorarlberg der Österreichischen Gesellschaft für Vogelkunde, 1983.
  • (zusammen mit Rita Kilzer) Atlas der Brutvögel Vorarlbergs. Bucher, Hohenems 1991, ISBN 978-3-902-67934-5.
  • (zusammen mit Rita Kilzer) Rote Liste der gefährdeten Brutvögel Vorarlbergs, 1993.

Literatur

  • Herzlichen Glückwunsch, lieber Vinzenz! In: Ornithologischer Rundbrief für das Bodenseegebiet. Nr. 140, April 1996, S. 1 (zobodat.at [PDF])
  • Herzlichen Glückwunsch zum 90. Geburtstag, lieber Vinzenz! In: Ornithologischer Rundbrief für das Bodenseegebiet. Nr. 180, April 2006, S. 1 (zobodat.at [PDF]).
  • Rita Kilzer: Nachruf • Obituary – SR Vinzenz Blum (1916–2007). In: Egretta. Nr. 39, 2008, S. 63 (zobodat.at [PDF])
  • Rita Kilzer: Zum Gedenken Vinzenz Blum. In: BirdLife, Oktober 2007, S. 1–2 (zobodat.at [PDF])

Einzelnachweise

  1. a b Trauungsbuch Höchst, tom. ?, fol. 109 (Faksimile), abgerufen am 29. September 2025
  2. a b c d Taufbuch Höchst, tom. 9, fol. 99 (Faksimile), abgerufen am 29. September 2025
  3. 15 Jahre Limikolenzählung im Vorarlberger Rheindelta. In: Vorarlberger Naturschau 3, Dornbirn 1997, S. 119–150 (zobodat.at [PDF])
  4. Titelverleihung "Schulrat": 07) Vinzenz Blum, Hauptschulhauptlehrer, Bregenz, abgerufen am 29. September 2025
  5. Verzeichnis der Vereinsmitglieder 1960/61. In: Jahrbuch des Vorarlberger Landesmuseumsvereins, Jahrgang 1960, S. 214 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/vlm
  6. Vereinsleitung (Stand 1. September 1963). In: Jahrbuch des Vorarlberger Landesmuseumsvereins, Jahrgang 1964, S. 184 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/vlm
  7. Todesanzeige von Vinzenz Blum auf der offiziellen Webpräsenz der Vorarlberger Nachrichten, abgerufen am 29. September 2025