Vin Mariani

Vin Mariani (französisch), auch unter dem deutschen Namen Mariani-Wein bekannt, ist ein 1863 in Korsika von Angelo Mariani erstmals hergestelltes alkoholhaltiges Getränk aus Bordeauxwein und Extrakten des Cocastrauchs. Das Getränk wird auch als ein historischer Vorläufer von Coca-Cola betrachtet.[1][2]

Es enthält den Ethylester des Benzoylecgonins und damit eine dem Kokain (der Methylester des Benzoylecgonins) strukturell sehr ähnliche Substanz. Dieser Ester ist für die berauschende Wirkung verantwortlich. Das Ethanol im Wein diente als Lösungsmittel und extrahierte das Kokain aus den Kokablättern. Ursprünglich enthielt er 6 mg Kokain pro Unze Wein (211,2 mg/L), aber der Vin Mariani, der exportiert werden sollte, enthielt 7,2 mg pro Unze (243,5 mg/L), um mit dem höheren Kokaingehalt ähnlicher Getränke in den Vereinigten Staaten zu konkurrieren.[3]

Vin Mariani war zur damaligen Zeit ein sehr beliebtes Getränk. Königin Victoria von Großbritannien, Buffalo Bill, Papst Leo XIII. und Papst Pius X. sind einige der bekanntesten Konsumenten. Papst Leo XIII. verlieh dem Getränk eine Goldmedaille und erklärte sich einverstanden, auf einem Werbebild für das Getränk abgebildet zu sein.[1] In Frankreich wurde der Wein Musikern zur Stärkung ihrer Stimmbänder empfohlen, allen anderen empfahl man ihn gegen Blutarmut, Rachitis und Schwäche allgemein.[4]

In Deutschland wurde der freie Verkauf mit dem Opiumgesetz vom 20. Juli 1920 gestoppt.[5]

Einzelnachweise

  1. a b Annick Foucrier: La Prohibition : Interdire pour une Amérique meilleure ? Éditions Armand Colin, Malakoff 2025, ISBN 978-2-200-63259-5, S. 63.
  2. Mariani Wein Eintrag, Drogenkatalog, abgerufen am 28. April 2012.
  3. The Illustrious (& Outrageous) History of Vin Mariani. Proof Drinks [Internetseite eines Spirituosenhändlers], 14. März 2017, abgerufen am 3. März 2025.
  4. Alexandra Endres: Drogenpolitik: Milliarden für einen nutzlosen Krieg. In: zeit.de. 20. April 2016, abgerufen am 21. April 2016.
  5. Wolfgang U. Eckart: Die grüne Muse. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 96, vom 26/27. April 2003, S. 14.