Villemaur-sur-Vanne

Villemaur-sur-Vanne
Staat Frankreich
Region Grand Est
Département Aube
Arrondissement Troyes
Gemeinde Aix-Villemaur-Pâlis
Koordinaten 48° 15′ N, 3° 44′ O
Postleitzahl 10190
Ehemaliger INSEE-Code 10415
Eingemeindung 1. Januar 2016
Status Commune déléguée

Kirche von Villemaur-sur-Vanne

Villemaur-sur-Vanne ist eine Ortschaft und eine ehemalige französische Gemeinde mit 436 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) im Département Aube in der Region Grand Est.

Sie wurde mit Wirkung vom 1. Januar 2016 mit den früheren Gemeinden Palis und Aix-en-Othe zu einer Commune nouvelle mit der Bezeichnung Aix-Villemaur-Pâlis zusammengelegt und hat in der neuen Gemeinde den Status einer Commune déléguée inne.

Geographie

Der Ort wird vom Fluss Vanne durchquert.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2008 2013
Einwohner 506 408 442 384 381 424 490 502
Quellen: Cassini und INSEE

Sehenswürdigkeiten

Der Pierre aux dix doigts (deutsch „Zehnfingerstein“) ist ein Wetzrillenstein an einem Luteau genannten Platz, am Waldrand westlich von Villemaur-sur-Vanne.

Kirche „La Collegiale Notre Dame de l’Assomption“

Notre Dame de l’Assomption bedeutet Himmelfahrt Mariens. Die ehemalige Stiftskirche des 12. und 13. Jahrhunderts, die nach einem Brand im 16. und 17. Jahrhundert wiedererrichtet wurde, ist kunstgeschichtlich interessant: Zum einen weist sie einen vierstufigen, von der Kirche getrennten Glockenturm auf, der 1551 aus Holz gebaut wurde und gänzlich mit Kastanienschindeln verblendet ist; zum anderen birgt die Kirche einen Holzlettner zwischen Chor und Langhaus. In der Kirche finden sich weitere Kunstwerke, so eine Rosenzweigmadonna (um 1490–1510) und eine Figur des hl. Flavit von Marcilly (um 1515–30), beides Steinskulpturen.

Der hölzerne Lettner der Stiftskirche

Dieser Lettner ist der einzig erhaltene seiner Art in Frankreich. Er besitzt die Maße von 8,20 m in der Breite, 5,25 m in der Höhe und etwa 3 Meter in der Tiefe,[1] geschaffen 1521 von den Holzschnitzerbrüdern Thomas und Jacques Guyon. Das Jahr und die Autorenschaft werden belegt durch eine Inschrift im Inneren der Wendeltreppe des Aufgangs:

„Ce fut faict l'an de grace mil Vc et vingt et ung th(o)mas guyon Jaquez guyon me Menuisiez“ (Dieses Werk wurde angefertigt im Jahr des Heils Tausend Fünfhundertundeinundzwanzig Th(o)mas Guyon, Jaques Guyon, Meistertischler).[2]

Die Balustrade der auf schmalen, durchbrochenen Pilastern ruhenden Tribüne, auf der früher Kleriker liturgische Gesänge verrichteten, ist mit 26 Hochrelieftafeln geschmückt, die auf der Westseite zum Langhaus hin auf 15 Tafeln Passion und Auferstehung Jesu und auf der Ostseite zum Chor hin auf 11 Tafeln das Leben Mariens zeigen. Die beiden Brüder teilten sich die Arbeit in der Weise auf, dass Thomas, der ältere der beiden, die noch mittelalterlich anmutenden Szenen des Marienlebens auf der Ostseite gestaltete, während der jüngere Jacques, als Lehrling schon mehr den italienischen Einflüssen ausgesetzt, für die Tafeln der Passion auf der Westseite verantwortlich war.[3] Der Lettner steht damit am direkten Übergang von der Flamboyantgotik zur Renaissance, da die Umrahmungen der chorseitigen Reliefs noch Motive der spätesten Gotik (spiralenförmig verdrehte Säulen, die einen Aufbau aus Fialen, Wimperg und bekrönenden Kreuzblumen tragen) aufweisen, während die dem Langhaus zugewandten schon charakteristische Renaissancemerkmale (übereinandergestellte Pilaster und Säulchen, die auf deren Kapitellen stehen und das Gebälk des Architravs tragen, worauf Dreiecksgiebel oder flache Rundbogen ruhen) aufweisen.[2]

Die dargestellten Szenen sind z. T. unmittelbar nach graphischen Vorlagen von Martin Schongauer und Albrecht Dürer geschaffen, z. T. solchen nachempfunden. Besonders nahe an Schongauer ist dabei das Relief, das Christus in der Vorhölle darstellt. Die Körperhaltung Christi sowie die Figuren der Vorhölle von Schongauers „Christus in Limbo“ (ca. 1480) wurden getreu ins Relief in Villemaur übertragen, wobei auch die perspektivischen Schrägen beachtet wurden. Die Szene der Gefangennahme Christi wurde recht getreu nach Dürers 1511 fertiggestellter Großen Passion angefertigt.[2] Eine Kreuzigungsgruppe in vollrunder Ausführung ergänzt die Anlage.

Persönlichkeiten

Abbé George de Nantes (* 1924), ein Gegner des 2. Vatikanischen Konzils der katholischen Kirche und Papstkritiker, war hier ab 1958 Pfarrer und gründete als solcher die Gemeinschaft der Kleinen Brüder zum Heiligen Herzen von Villemaur.

Commons: Villemaur-sur-Vanne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Un géant de bois : Le jubé de Villemaur-sur-Vanne. In: voyage.aprr.fr. Groupe Autoroutes Paris-Rhin-Rhône, 18. Dezember 2024, abgerufen am 21. Oktober 2025 (französisch).
  2. a b c Heinz-Hermann Arnhold: Die Skulptur in Troyes und in der südlichen Champagne zwischen 1480 und 1540: Stilkritische Beobachtungen zum Meister von Chaource und seinem Umkreis – Dissertation. Philosophische Fakultät, Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg 1992, S. 362–368 (uni-freiburg.de).
  3. Le jubé de Villemaur-sur-Vanne fête ses 500 ans. In: aube-champagne.com. Aube en Champagne Tourisme, 2021, abgerufen am 21. Oktober 2025 (französisch).