Villa Medici von Artimino
Die Villa Medici in Artimino (auch La Ferdinanda), Viale Papa Giovanni XXIII. 1, gehört zur Gemeinde Carmignano, Provinz Prato, Region Toskana, Italien.
Geschichte
Großherzog Ferdinando I. ließ die Villa ab dem Jahr 1594 von seinem bevorzugten Baumeister Bernardo Buontalenti auf dem Rücken des Monte Albano errichten. Für deren Ausschmückung malte Giusto Utens zwischen 1599 und 1602 seinen berühmten Zyklus der Darstellungen der Villen der Familie Medici.[1]
Mit dem Aussterben der Medici mit Gian Gastone im Jahre 1737 fiel der Besitz an das Haus Lothringen. Der Großherzog Pietro Leopoldo verkaufte 1781 die Villa an den Marchese Lorenzo Bartolomei, und dieser vererbte sie 1848 dem Conte Passerini. 1911 kaufte sie Graf Maraini und begann die verwahrloste Villa zu restaurieren. Im Jahr 1944 wurde sie während der Kampfhandlungen beschädigt. Nach neuerlicher Restaurierung ist sie heute im Besitz einer privaten Gesellschaft, die die Räumlichkeiten für Veranstaltungen vermietet.
Die Villa
Obwohl die Villa als Jagdsitz gedacht war, sollte sie dennoch groß genug sein, um den ganzen Hofstaat aufzunehmen. Daher schuf Buontalenti einen breiten rechteckigen Bau, dessen wuchtiger Eindruck durch die Eckbastionen noch verstärkt wird. Die ungegliederte Fassade wird in der Mitte durch eine Loggia aufgebrochen. Eine elegante, geschwungene Treppe, sie wurde nach den in den Uffizien gefundenen Originalplänen Buontalentis erst 1930 vom Architekten Enrico Lusini angefügt, führt hinauf ins Piano nobile. Im Tonnengewölbe der Loggia befinden sich Fresken Passignanos. Vom Eingangsbereich zweigt links und rechts je ein großer Saal ab. In der stanza delle ville befanden sich die 14 Lünettenbilder von Giusto Utens, bevor sie in das Museum Firenze com´era nach Florenz überstellt wurden.
56 Zimmer zählt die Villa, und darunter gibt es welche, mit so sonderbaren Namen wie das „Zimmer der Löwen“, „der Reitknechte“, „der Leibwache“ und „der Witwen“. Eine weitere Besonderheit sind auch die große Zahl an Kaminen, die alle in unterschiedlichen Rauchfängen enden. Trotz der ansehnlichen Anzahl an Zimmern wurde etwas abseits der Villa ein weiterer Bau, die Paggeria, errichtet, der zur Unterbringung des Dienstpersonals (Pagen) diente. Heute befindet sich darin ein Hotel.
Die Villa Artimino besaß nie einen nennenswerten Garten. Grund dafür ist der Mangel an Wasser auf dem Bergrücken.
Literatur
- Harold Acton: Villen der Toskana. Benteli, Bern 1984, ISBN 3-7165-0468-8.
- Gerda Bödefeld, Berthold Hinz: Die Villen der Toscana und ihre Gärten. Kunst- und kulturgeschichtliche Reisen durch die Landschaften um Florenz und Pistoia, Lucca und Siena. DuMont, Köln 1991, ISBN 3-7701-2275-5 (DuMont-Dokumente. DuMont-Kunstreiseführer).
- Carlo Cresti: Villen der Toskana. Aufnahmen von Massimo Listri. Hirmer, München 1992, ISBN 3-7774-5920-8.
- Gianni C. Sciolla: Die Medici-Villen in der Toskana. Atlantis-Verlag, Herrsching 1989, ISBN 3-88199-614-1.
Weblinks
- Offizieller Link der Villa Artimino
- Kultur in der Toskana
- Einige Fotos der Villa
- Institut IMSS
- Archäologisches Museum Artimino
Fußnoten
- ↑ Carl Friedrich Schröer: Gärten – Entwürfe einer besseren Welt. In: Torsten Olaf Enge, Carl Friedrich Schröer: Gartenkunst in Europa, 1450–1800. Vom Villengarten der italienischen Renaissance bis zum englischen Landschaftsgarten. Taschen, Köln 1990, ISBN 3-8228-0402-9, S. 9–29, hier S. 23.
Koordinaten: 43° 46′ 54,7″ N, 11° 2′ 39,5″ O