Villa Curt Thorer

Die Villa Curt Thorer ist ein ehemals für den Leipziger Rauchwarenhändler Curt Thorer (1856–1918) errichtetes herrschaftliches Wohngebäude im Leipziger Stadtteil Leutzsch. Der repräsentative Bau im Stil des Historismus steht zusammen mit dem Villengarten, der schmiedeeisernen Einfriedung und einem Nebengebäude unter Denkmalschutz.[1]

Lage und Beschreibung

Die Villa steht auf dem Grundstück Rathenaustraße 40 inmitten des Leutzscher Villenviertels. Mit einer Fläche von knapp einem Hektar ist es mit Abstand das größte Grundstück der Umgebung.[2] Es ist zum Großteil von Bäumen bestanden und besitzt auch eine Zufahrt von der Otto-Schmiedt-Straße aus. In der Nordostecke steht ein eingeschossiges L-förmiges Nebengebäude.

Das Haus ist etwa 30 Meter von der Straße zurückgesetzt. Es erhebt sich zweigeschossig mit teilweise ausgebautem Dachgeschoss auf einer Grundfläche von circa 30×20 Metern. Über dem flachen Sockelgeschoss in Zyklopenmauerwerk aus Granit folgt die ockerfarbene Putzfassade mit zahlreichen Gliederungen aus Rochlitzer Porphyr, wie die Einfassung der zweiflügeligen Eingangstür mit zwei Löwenköpfen. Die Tür befindet sich in einem flachen, reich geschmückten Giebelrisalit, der in einem bis zum First des Walmdaches reichenden Zwerchhaus endet. Über einem dreigliedrigen Bogenfenster steht in einem Porphyrrelief von Arabesken umgeben das Jahr des Baubeginns in römischen Ziffern. An der Südseite des Gebäudes erhebt sich ein quadratischer Turm mit Haube und Laterne. Sein oberes Stockwerk wird an den Ecken von vier kleinen Rundtürmen flankiert. Die Gartenseite weist ebenfalls einen Giebelrisalit mit Zwerchhaus auf, aber schlichter als jener an der Frontseite.

Geschichte

Ab 1880 kaufte Theodor Thorer (1828–1894), der Gründer der gleichnamigen Rauchwarengroßhandlung, Im Dorfe Leutzsch bei Leipzig mehrere Grundstücke in der entstehenden Villensiedlung, auch jenes in der Bahnhofstraße 40 (seit 1925 Rathenaustraße). 1892 ließ sein Sohn Curt Thorer (1856–1918)[3] in der Nordwestecke des Grundstücks nach Plänen des Leipziger Architekten Bruno Richter ein kleines Landhaus errichten, das spätere Nebengebäude. Es diente bis zur Errichtung des Hauptgebäudes als eine Art Landsitz.[4] 1897–1899 erfolgte der Bau des Hauptgebäudes. Die Planung stammte vom Leipziger Architekten Gottlieb Bock. Thorer bewohnte das Haus mit seiner Ehefrau und drei Kindern. Das Nebengebäude diente als Wohnung für das Personal.

Nach dem Tod des Hausherren (1918) kam es zu Einschränkungen. Das Personal wurde auf zwei Personen reduziert, in die Diele zog ein Kindergarten ein, das Dachgeschoss wurde vermietet und im ersten Stock eine Wohnung für eine verheiratete Tochter mit 5 Kindern abgeteilt. Nach dem Tod der Hausfrau (1933) wechselten die Mieter bei weiterer Aufteilung der Wohnbereiche. Nach dem Krieg verstaatlicht, wurde schließlich zum 1. Januar 1953 das gesamte Gebäude geräumt, und die Fachschule für Bibliothekare „Erich Weinert“ nutzte das Gebäude bis 1985.[5] Anschließend folgte die Verwaltungsakademie des Rates des Bezirks Leipzig.

Im Juli 1992 bezog das Verwaltungsgericht Leipzig die Villa, die auch einen Raum im Nebengebäude als Verhandlungssaal nutzte. 1997 reichten die Nachkommen der Alteigentümer der Villa eine Klage auf Rückübertragung ein, der eben dieses Gericht stattgab, weshalb fortan das Gebäude bei den Thorer-Erben angemietet ist. Im Juni 2025 wurde der Sitz des Gerichts in die Kohlgartenstraße 13 verlegt. Seitdem steht die Villa leer.[6]

Literatur

  • Villa Thorer – Das Neorenaissanceschlösschen eines Pelzkaufmanns. In: Wolfgang Hocquél, Richard Hüttel: Die Villen des Leipziger Bürgertums. Passage Verlag, Leipzig 2024, ISBN 978-3-95415-157-8, S. 111–114.
Commons: Villa Curt Thorer – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Eintrag in der Denkmaldatenbank des Landes Sachsen zur Denkmal-ID 09292100 (PDF, inklusive Kartenausschnitt). Abgerufen am 15. Januar 2026.
  2. Stadtplan Leipzig. In: Website der Stadt Leipzig. Abgerufen am 15. Januar 2026 (Ebene Flurstück aufrufen).
  3. 325 Jahre Familie Thorer – 75 Jahre Theodor Thorer. Selbstverlag Firma Theodor Thorer, 1975, S. 12/13 (Stammbaum).
  4. Wolfgang Hocquél, Richard Hüttel:, S. 111
  5. Bürgerverein Leutzsch (Hrsg.): Umnutzungen und sozialer Wandel nach 1945. In: Blicke auf Leutzsch. Abgerufen am 15. Januar 2026 (S. 79/80).
  6. Verwaltungsgericht Leipzig zieht aus: Mietvertrag für Villa in Leutzsch läuft weiter. In: LVZ. Abgerufen am 15. Januar 2026.

Koordinaten: 51° 21′ 14,2″ N, 12° 18′ 56,3″ O