Four Saints in Three Acts
| Operndaten | |
|---|---|
| Titel: | Vier Heilige in drei Akten |
| Originaltitel: | Four Saints in Three Acts |
| Form: | Oper in einem Prolog und vier Akten |
| Originalsprache: | Englisch |
| Musik: | Virgil Thomson |
| Libretto: | Gertrude Stein |
| Uraufführung: | 7. oder 8. Februar 1934 |
| Ort der Uraufführung: | Wadsworth Atheneum, Hartford (Connecticut) |
| Spieldauer: | ca. 1 ½ Stunden[1] |
| Ort und Zeit der Handlung: | Spanien im 16. Jahrhundert |
| Personen | |
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Four Saints in Three Acts (deutsch: Vier Heilige in drei Akten) ist eine 1928 von Virgil Thomson komponierte Oper mit einem Libretto von Gertrude Stein aus dem Jahr 1927. In der Oper treten etwa zwanzig Heilige auf. Sie besteht aus einem Prolog und vier Akten. Die Uraufführung am 7. oder 8. Februar 1934 im Wadsworth Atheneum in Hartford, Connecticut, war in Form, Inhalt und aufgrund der ausschließlich schwarzen Besetzung bahnbrechend.
Handlung
In der Oper geht es um zwei spanische Heilige aus dem 16. Jahrhundert – den ehemaligen Söldner Ignatius von Loyola und die Mystikerin Teresa von Ávila – sowie ihre jeweiligen Vertrauten St. Settlement und St. Chavez. Die beiden letzteren haben keine historische Entsprechung.[2] Hinzu kommen viele weitere reale und imaginäre Heilige sowie der Zeremonienmeister Compère und die Zeremonienmeisterin Commère. Die Rolle der heiligen Teresa teilte Thomson auf zwei Sänger auf: „St. Teresa I“ und „St. Teresa II“.
Die folgende Inhaltsangabe basiert auf dem Szenarium, das Maurice Grosser für die Uraufführungsproduktion erstellte, aber nicht als verbindlich verstand. Das Libretto selbst besitzt keine szenisch nachvollziehbare Handlung.[1]
Prolog: „A narrative of prepare for saints“ – ‚Eine Vorbereitungs-Erzählung für Heilige‘
Vor der Kathedrale von Ávila
Vor dem Portal der Kathedrale laufen unter Mitwirkung eines Chores aus Heiligen die Vorbereitungen für ein Historienspiel mit Szenen aus dem Leben der Teresa von Ávila. Die beiden Moderatoren Compère und Commère begrüßen das eintreffende Publikum.
Erster Akt: „Ávila. Saint Teresa half indoors and half out of doors“ – ‚St. Teresa halb drinnen und halb draußen‘
Erstes Bild. Es ist Frühlingsbeginn. Teresa II sitzt im Garten unter einem Baum und malt Blumen auf übergroße Eier. Der Chor und die beiden Erzähler berichten, dass sie viel Besuch erhält. Teresa II begrüßt die eintreffende Teresa I. St. Ignatius kommt hinzu.
Zweites Bild. St. Settlement fotografiert Teresa II mit einer Taube in der Hand.
Drittes Bild. Ignatius trägt kniend der vor ihm sitzenden Teresa II mit seiner Gitarre eine Serenade vor. Teresa I und II fragen sich, ob Frauen Wünsche haben können (eine Andeutung an Gertrude Steins feministische Haltung).[3]
Viertes Bild. Ignatius überreicht Teresa II einen Blumenstrauß.
Fünftes Bild. Ignatius zeigt Teresa II das Modell eines „Himmlischen Hauses“. Er steht, sie sitzt.
Sechstes Bild. Teresa II gerät in Ekstase. Sie sitzt. Über ihr schwebt ein Engel.
Siebentes Bild. Die von einem Heiligenschein umgebene Teresa II gibt vor, ein Kind in den Armen zu halten. Der Chor kommentiert das Geschehen wohlwollend.
Zweiter Akt: „Might it be mountains if it were not Barcelona“ – ‚Könnten es Berge sein, wenn es nicht Barcelona wäre‘
Auf dem Land außerhalb der Tore
In einem Garten mit Blick auf die Stadt Barcelona feiern Teresa I und II mit dem Chor ein Fest. Compère, Commère beobachten die Vorgänge von der Seite. Es gibt ein Zelt, in dem Teresa ruhen kann, und einen Tisch mit Erfrischungen. Engel tanzen („Dance of the Angels“). St. Chavez lädt zu einem Spiel ein („Game“). Commère und Compère entdecken ihre gegenseitige Liebe („Love Scene“). Die beiden Teresas beobachten das erfreut. Man trinkt auf das Glück des Paares („Drinking Song“). St. Plan bringt ein Fernrohr, durch das im Himmel die Vision eines Hauses zu sehen ist („Vision of a Heavenly Mansion“). Als sich alle zum Aufbruch bereit machen, streiten Teresa I und Ignatius um das Teleskop, bis Chavez den Frieden wiederherstellt.
Dritter Akt
Klostergarten mit niedrigen Bäumen und einer Mauer; hinter der Mauer ein kahler spanischer Horizont und ein leerer Himmel
Die männlichen Heiligen sitzen im Kreis und flicken ein Fischernetz. Ignatius, Teresa I und II und Settlement sprechen über das Leben im Kloster („Barcelona. Saint Ignatius and one of two literally“). Ignatius beschreibt den anderen eine Vision von Tauben im Gras und einer Elster im Himmel („Vision of Holy Ghost“; Arie „Pigeons on the grass alas“). Er hält das für eine Erscheinung des Heiligen Geistes. Die Heiligen zweifeln zunächst, bis ein himmlischer Chor seine Darstellung bestätigt. Chavez erklärt, warum Ignatius recht haben könnte. Durchziehende Matrosen und Frauen zeigen einen spanischen Tanz („Ballet: Tempo di Tango“). Die weiblichen Heiligen treffen ein und werden von Ignatius von der Wahrheit seiner Vision überzeugt. Anschließend erzählt er vom bevorstehenden Jüngsten Gericht. Ein kurzer regenloser Sturm zieht durch. Es wird dunkel. Beim Aufbruch bilden alle zusammen eine Prozession und singen Lieder über ihr künftiges himmlisches Leben („Saints’ Procession“). Als letzte verabschieden sich Settlement und St. Stephen.
Intermezzo. Prolog zum vierten Akt
Compère und Commère treten vor den Vorhang und diskutieren darüber, ob es einen vierten Akt geben wird.
Vierter Akt
Keine Szenerie, aber mit stürmischen Wolken und plötzlichem Sonnenschein
Alle Heiligen haben sich im Himmel versammelt. Sie besingen ihre glücklichen Erlebnisse auf der Erde und vereinen sich abschließend zur Hymne „When this you see remember me“. Die Oper endet mit Compères Verkündung „Letzter Akt“ („Last act“) und dem gemeinsamen Ausruf „Das ist eine Tatsache“ („Which is a fact“).
Orchester
Die Orchesterbesetzung der Oper umfasst die folgenden Instrumente:[1]
- Holzbläser: Flöte (auch Piccolo), Oboe (auch Englischhorn), zwei Klarinetten, Fagott
- Blechbläser: zwei Hörner, Trompete, Posaune
- Pauken, Schlagwerk: kleine Trommel, Becken, Glocken
- Akkordeon
- Harmonium
- Streicher
Werkgeschichte
Virgil Thomson kam 1921 nach Paris, um dort bei Nadia Boulanger Komposition zu studiere. Dort freundete er sich mit mehreren Künstlern an, darunter der Schriftstellerin Gertrude Stein, von der er mehrere Texte vertonte. Im Anschluss an eine Aufführung von Erik Saties „drame symphonique“ Socrate unter Thomsons Leitung im Jahr 1925 beschlossen die beiden, eine gemeinsame Oper zu schreiben. Die Wahl des Sujets zog sich einige Zeit hin. Anfang 1927 legten sie sich auf Szenen aus dem Leben verschiedener spanischer Heiliger fest. Mit diesem Thema hatte sich Stein bereits mehrfach auseinandergesetzt. Das Libretto stellte sie im Juni 1927 fertig. Thomson arbeitete bis November desselben Jahres am Klavier-Particell und vollendete die Partitur 1933. Seine Bemühungen, die Oper am Landestheater Darmstadt unterzubringen, scheiterten.[1] Eine erste konzertante Aufführung gab es 1933 in Ann Arbor.[4] Die szenische Uraufführung fand erst im Folgejahr mit Unterstützung der Gesellschaft „Friends and Enemies of Modern Music“ statt.[1]
Die Premiere am 7.[5][6] oder 8. Februar 1934[1][3] im Wadsworth Atheneum in Hartford, Connecticut[7] dirigierte Alexander Smallens. Frederick Ashton war für Regie und Choreografie zuständig. Die Ausstattung stammte von Florine Stettheimer. Die Inszenierung nach einem Szenarium von Maurice Grosser war für die damalige Zeit ungewöhnlich. Den Bühnenraum umgab ein Dekor aus Zellophan. Die Requisiten erinnerten an die damaligen Revuen. Die Besetzung bestand, wie vom Komponisten vorgegeben,[4] ausschließlich aus schwarzen Sängern, darunter Abner Dorsey als Compère und Altonell Hines als Commère. Die Produktion war ein gewaltiger Erfolg, der den bis dahin noch weitgehend unbekannten Thomson unmittelbar berühmt machte.[1]
Schon kurz nach der Uraufführung wanderte das Stück an den Broadway in das 44th Street Theatre in New York, wo es ab dem 20. Februar 1934[8] einen Reihenerfolg erzielte.[1] Die Produktion gilt als „der größte Triumph des Avantgarde-Theaters seiner Zeit“.[9] Innerhalb eines Jahres gab es dort und in Chicago mehr als 60 Aufführungen. Es folgten konzertante Aufführungen und Rundfunkübertragungen.[4] Fotografen wie Lee Miller, Carl Van Vechten und George Platt Lynes dokumentierten die Produktion. Ihre Fotografien und Ephemera wurden im Oktober 2017 in der Photographers’ Gallery in London ausgestellt. Außerdem erschien ein Begleitbuch mit Kritiken.[10]
Weitere nachweisbare Produktionen waren:
- 1952: Paris – Gastspiel des American National Theater beim Festival für Kunst des 20. Jahrhunderts; Dirigent: Virgil Thomson; mit einem rein schwarzen Ensemble.[1][4]
- 1973: Mini-Met der Metropolitan Opera, New York – mit Benjamin Matthews (Compère), Betty Allen (Commère), Arthur Thompson (St. Ignatius), Clamma Dale (St. Teresa I), Hilda Harris (St. Teresa II), und Barbara Hendricks (St. Settlement).[4][11]
- 1981: Carnegie Hall, New York – konzertant.[1]
- 1994: Friedenskirche, Stuttgart – Studentenaufführung.[4]
- 1996: Houston – Regie und Ausstattung: Robert Wilson; Koproduktion mit Festivals in New York und Edinburgh; Gastspiel in Lissabon 2002.[1][4]
Der Choreograph Mark Morris führte im Jahr 2000 ein von der Oper abgeleitetes Tanzstück in England und den USA auf.[12] Im Jahr 2022 inszenierte das Doxsee Theater in New York Steins Text als gesprochene Ein-Mann-Show.[13][14]
Aufnahmen
- 1947 – Virgil Thompson (Dirigent).
Abner Dorsey (Compère), Altonell Hines (Commère), Edward Matthews (St. Ignatius), Beatrice Robinson-Wayne (St. Teresa I), Ruby Greene (St. Teresa II), Charles Holland (St. Chavez), Ines Matthews (St. Settlement), Randolph Robinson (St. Plan), David Bethea (St. Stephen).
Studioaufnahme; Kurzfassung des Komponisten.
RCA Victor Red Seal LCT 1139 (1 LP), RCA 0926-68163-2 (1 CD), BMG Classics 09206-68163-2 (1 CD).[15][16][17.1] - 1982 – Joel Thome (Dirigent), Orchestra of Our Time.
Benjamin Matthews (Compère), Betty Allen (Commère), Arthur Thompson (St. Ignatius), Clamma Dale (St. Teresa I), Florence Quivar (St. Teresa II), William Brown (St. Chavez), Gwendolyn Bradley (St. Settlement), William Penn (St. Plan), Joseph de Vaughn (St. Stephen).
Studioaufnahme.
Nonesuch 79035-1 (2 LPs), Nonesuch 9 79035-2 (2 CDs).[18][17.2] - 17. November 2013 – Gil Rose (Dirigent), Boston Modern Orchestra Project.
Charles Blandy (Tenor), Simon Dyer (Bass), Aaron Engebreth (Bariton), Andrew Garland (Bariton), Tom Mcnichols (Bass), Gigi Mitchell-Velasco (Mezzosopran), Sarah Pelletier (Sopran), Deborah Selig (Sopran), Sumner Thompson (Bariton), Lynn Torgove (Mezzosopran), Stanley Wilson (Tenor).
Aus der Mechanics Hall in Worcester, MA.
BMOP/Sound 1049.[6]
Literatur
- Patricia Allmer, John Sears: 4 Saints in 3 Acts. A Snapshot of the American Avant-Garde in the 1930s. Manchester University Press, Manchester 2017, ISBN 978-1-5261-1303-0.
Weblinks
- Beilage zur CD Nonesuch 79035-2 (englisch) im Internet Archive (enthält das vollständige Libretto)
- Engelbert Hellen: Detaillierte Inhaltsangabe bei Musirony
- Kostas Prapoglou: 4 Saints in 3 Acts: A Snapshot of the American Avant-Garde // The Photographers’ Gallery. Bericht über eine Ausstellung mit Szenenfotos der Oper. In: The Seen. 30. Januar 2018
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i j k l Monika Schwarz: Four Saints in Three Acts. In: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters. Band 6: Werke. Spontini–Zumsteeg. Piper, München/Zürich 1997, ISBN 3-492-02421-1, S. 291–293.
- ↑ Maurice Grosser: Scenario. In: Beilage zur CD Nonesuch 79035-2, S. 7–8.
- ↑ a b John Rockwell: Four Saints in Three Acts. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ a b c d e f g Ulrich Schreiber: Opernführer für Fortgeschrittene. Das 20. Jahrhundert III. Ost- und Nordeuropa, Nebenstränge am Hauptweg, interkontinentale Verbreitung. Bärenreiter, Kassel 2006, ISBN 3-7618-1859-9, S. 489.
- ↑ Laura Kuhn: Baker’s Dictionary of Opera. Schirmer Books, New York 2000, ISBN 0-02-865349-1, S. 814.
- ↑ a b Beilage zur CD BMOP/Sound 1049 (Dirigent: Gil Rose) im Internet Archive.
- ↑ John Houseman: Run Through: A Memoir. Simon and Schuster, New York 1972, ISBN 0-671-21034-3, S. 99–100.
- ↑ Four Saints in Three Acts in der Internet Broadway Database, abgerufen am 24. Januar 2015 (englisch)
- ↑ Jonathan Kalb: The 90-Minute MacGuffin: „Four Saints in Three Acts“. Rezension der Produktion in New York 2022 (englisch). In: The Theatre Times. 14. Oktober 2022, abgerufen am 3. September 2025.
- ↑ Patricia Allmer, John Sears (Hrsg.): 4 Saints in 3 Acts: A Snapshot of the American Avant-garde in the 1930s. Manchester University Press; in collaboration with The Photographers’ Gallery, Manchester / London 2017, ISBN 978-1-5261-1303-0 (englisch).
- ↑ Informationen zur Produktion der Mini-Met 1973 bei Ovrtur, abgerufen am 28. September 2025.
- ↑ Arthur Lazere: Four Saints in Three Acts – Mark Morris Dance Group (englisch). In: CultureVulture. 1998, abgerufen am 3. September 2025.
- ↑ Laura Collins-Hughes: „Four Saints in Three Acts“ Review: An Opera Becomes a One-Man Show. In: The New York Times. 20. September 2022, ISSN 0362-4331 (Vorschau).
- ↑ David Finkle: Four Saints in Three Acts: Gertrude Stein’s Prose-Poem Brilliantly Played. In: New York Stage Review. 21. September 2022, abgerufen am 3. Januar 2023 (englisch).
- ↑ Beilage zur LP RCA Victor Red Seal LCT 1139 (Dirigent: Virgil Thomson) im Internet Archive.
- ↑ Beilage zur CD BMG Classics 09206-68163-2 (Dirigent: Virgil Thomson) im Internet Archive.
- ↑ Virgil Thomson. In: Andreas Ommer: Verzeichnis aller Operngesamtaufnahmen (= Zeno.org. Band 20). Directmedia, Berlin 2005.
- ↑ Beilage zur CD Nonesuch 79035-2 (Dirigent: Joel Thome) (englisch) im Internet Archive.