Vidita Vaidya
Vidita A. Vaidya (Hindi विद्याता वैद्य; * 1970 in Indien) ist eine indische Neurowissenschaftlerin und Hochschullehrerin. Sie ist Professorin und Leiterin des Fachbereichs Biowissenschaften am Tata Institute of Fundamental Research (TIFR) in Mumbai. Ihre Forschungsgruppe am TIFR untersucht die neuronalen Schaltkreise von Emotionen, deren Modulation durch Lebenserfahrungen sowie die Veränderungen in diesen Schaltkreisen, die komplexen psychiatrischen Erkrankungen wie Angstzuständen und Depressionen zugrunde liegen.
Leben und Werk
Vaidya ist die Tochter der Endokrinologin Rama Vaidya und des klinischen Pharmakologen Ashok Vaidya. Sie schloss ihr Bachelorstudium in Lebenswissenschaften und Biochemie am St. Xavier’s College in Mumbai ab und promovierte in Neurowissenschaften an der Yale University im Labor von Ronald Duman. Als Postdoktorandin forschte sie bei Ernest Arenas am Karolinska-Institut in Schweden und bei David Grahame-Smith an der Universität Oxford im Vereinigten Königreich.[1][2]
In Europa lernte sie ihren Ehemann Ajit Mahadevan kennen, mit dem sie eine Tochter bekam. Mahadevan starb bereits mit 48 Jahren. 2000 übernahm Vaidya die Leitung einer Forschungsgruppe am Tata Institute of Fundamental Research in Mumbai. Die Arbeit ihrer Forschungsgruppe wurde 2012 mit dem National Bioscientist Award, 2015 mit dem Shanti Swarup Bhatnagar Award in Medical Sciences und 2022 mit dem Infosys Prize in Life Sciences ausgezeichnet. 2019 erhielt sie den Nature Award for Mentoring in Science in der Kategorie „Wissenschaftliche Nachwuchsförderung“ und 2021 das JC Bose National Fellowship des Science and Engineering Research Board (SERB).[3]
Forschung
Ihre Forschungsgruppe beschäftigt sich mit den neuronalen Schaltkreisen von Emotionen, deren Modulation durch Lebenserfahrung sowie den Veränderungen in diesen Schaltkreisen, die komplexen psychiatrischen Erkrankungen zugrunde liegen. Darüber hinaus erforscht ihr Team die Wirkungsweise serotonerger Psychedelika auf molekularer, zellulärer, neuronaler und Verhaltensebene.[4]
Ihre Forschung hat wichtige Zielstrukturen für potenzielle schnell wirkende Antidepressiva identifiziert und entscheidende Einblicke in die Mechanismen geliefert, die der Entstehung einer Anfälligkeit für Angst- und depressive Störungen zugrunde liegen. Ihre Arbeitsgruppe konnte nachweisen, dass Noradrenalin und Schilddrüsenhormon die Neurogenese im Hippocampus von Erwachsenen regulieren. Diese Arbeit hat dazu beigetragen, wichtige Leitstrukturen für die zukünftige Entwicklung schnell wirkender Antidepressiva zu identifizieren, und die Möglichkeit eröffnet, dass schnell wirkende Antidepressiva ihre Wirkung auf die adaptive Plastizität ausüben, indem sie Entwicklungsprozesse im erwachsenen Gehirn reaktivieren. Ihre Arbeitsgruppe hat außerdem persistente Veränderungen der Serotoninrezeptorfunktion (5-HT2A-Rezeptor) identifiziert, die durch negative frühe Erfahrungen in spezifischen emotionalen neuronalen Schaltkreisen hervorgerufen werden, und deren Rolle bei der Entstehung individueller Unterschiede in der Anfälligkeit für Psychopathologie untersucht. Ihre Arbeit hat sowohl die adaptiven als auch die maladaptiven Folgen von frühkindlichem Stress aufgezeigt und gezeigt, dass Antidepressiva und die Blockade des 5-HT2A-Rezeptors die langfristigen maladaptiven Auswirkungen frühkindlicher Stresserfahrungen abmildern können.[5]
Ihr Forschungsteam erforscht zudem die Wirkungsmechanismen von pharmakologischen Antidepressiva und serotonergen Psychedelika auf stimmungsbezogenes Verhalten, insbesondere deren Auswirkungen auf die Bioenergetik neuronaler Zellen.[6]
Vaidya ist Mitglied der Indian National Science Academy (INSA), der National Academy of Sciences India (NASI) und der Indian Academy of Sciences (IAS) sowie Gastprofessorin am Indian Institute of Technology in Bombay. 2020 trat sie dem Redaktionsbeirat des European Journal of Neuroscience (EJN) als Senior Editor bei.[7][8][9]
Auszeichnungen und Ehrungen (Auswahl)
- 2015: Shanti-Swarup-Bhatnagar-Preis
- 2019: Nature-Preis für herausragende Leistungen in der Nachwuchsförderung[10]
- 2022: Infosys-Preis für Lebenswissenschaften[11]
- 2023: Aufnahme vom Asian Scientist Magazine in die Liste der 100 herausragendsten Forscher Asiens[12]
Weblinks
- Google-Scholar-Profil
- Researchgate-Profil
- Vidita Vaidya, the neuroscientist helping us understand how brain functions under stress (englisch)
Einzelnachweise
- ↑ FENS Voices | Vidita Vaidya: Longing for home - Federation of European Neuroscience Societies. In: Federation of European Neuroscience Societies. 9. Juni 2023 (fens.org [abgerufen am 17. November 2025]).
- ↑ Asia’s Rising Scientists: Vidita Vaidya – Asian Scientist Magazine. Abgerufen am 17. November 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Wayback Machine. Archiviert vom am 4. März 2018; abgerufen am 17. November 2025.
- ↑ https://www.litlive.in/fest25/speakers/vidita-vaidya
- ↑ Asia’s Rising Scientists: Vidita Vaidya – Asian Scientist Magazine. Abgerufen am 17. November 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Vidita Vaidya. In: Welcome to. Abgerufen am 17. November 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Hutment Lab - People. Abgerufen am 17. November 2025.
- ↑ FENS Voices | Vidita Vaidya: Longing for home - Federation of European Neuroscience Societies. In: Federation of European Neuroscience Societies. 9. Juni 2023 (fens.org [abgerufen am 17. November 2025]).
- ↑ Wayback Machine. Archiviert vom am 18. Juni 2025; abgerufen am 17. November 2025.
- ↑ Vidita Vaidya – Asian Scientist Magazine. Abgerufen am 17. November 2025.
- ↑ https://www.infosysprize.org/laureates/2022/vidita-vaidya.html
- ↑ The Asian Scientist 100 – Asian Scientist Magazine. Abgerufen am 17. November 2025.