Victor Higgins
William Victor Higgins (* 28. Juni 1884 in Shelbyville, Indiana; † 23. August 1949 in Taos, New Mexico) war ein US-amerikanischer Maler und Mitglied der Taos Society of Artists.[1]
Leben
Victor Higgins wurde als Sohn einer Farmerfamilie in Shelbyville, Indiana geboren. Bereits im Alter von neun Jahren beschloss er, Künstler zu werden, inspiriert durch eine kurze Unterrichtsstunde bei einem umherziehenden Maler. Er absolvierte von 1899 bis 1909 seine Ausbildung am Art Institute of Chicago sowie an der Academy of Fine Arts, ebenfalls in Chicago. Anschließend studierte er bei Robert Henri in New York. Zwischen 1909 und 1912 hielt er sich in Europa auf, wo er an der Académie de la Grande Chaumière in Paris bei René Ménard und Lucien Simon sowie bei Hans von Hayek in Dachau studierte., wo er den Künstler Walter Ufer kennenlernte. 1914 kehrte Victor Higgins nach Chicago zurück, um am Art Institute zu unterrichten. Im selben Jahr erhielt er den Auftrag, die Landschaft von Taos, New Mexico, zu malen. Beeindruckt von der Region lässt er sich dort nieder und wird 1917 Mitglied der Taos Society of Artists.[2]
In den 1930er Jahren wurde Taos von der Großen Depression betroffen. Einer der ärmsten Künstler in Taos war Victor Higgins. Trotz seiner wirtschaftlichen Probleme malte Higgins 1932 zwei seiner wichtigsten Gemälde: Winter Funeral (im Harwood Museum of Art) und Indian Nude. Während Winter Funeral von der New Yorker Presse gefeiert wurde, wurde Indian Nude von der Kritikerin des Chicago Herald Examiner, Inez Cunningham, gelobt.
Werk
William Victor Higgins’ frühe Werke, darunter Landschaften und Marktszenen aus Europa, waren stark von seinen Lehrern in New York, Paris und München geprägt und fanden in Chicago Anklang. Im Jahr 1913 erhielten er und Walter Ufer von Bürgermeister Carter H. Harrison den Auftrag, die Landschaften der Südweststaaten um Taos zu malen. In den 1910er- und 1920er-Jahren entstanden seine farbintensiven Landschaftsbilder und Genreszenen aus dem Leben der indigenen Bevölkerung von New Mexico. Diese Arbeiten zeichnen sich durch pastosen Farbauftrag, breite Pinselstriche und stilisierte Farbflächen aus und zeigen Einflüsse der Münchner Künstlergruppe Die Scholle. Bereits im Jahr 1924 dokumentierte ein Ankauf durch das Art Institute of Chicago (Spring Rains, 1922/23) seinen Erfolg. Zeitgenossen verglichen die dargestellten Figuren mit antiken Philosophen.
Neben Walter Ufer und Ernest Martin Hennings, die er in München kennengelernt hatte, sowie Ernest Leonard Blumenschein gehörte Higgins zu den prägenden Mitgliedern der Taos-Künstlergemeinschaft. In den 1930er Jahren schuf er Wandbilder, die von den mexikanischen Muralisten (Wandmalern), insbesondere von Diego Rivera, beeinflusst waren. Diese Arbeiten sowie seine zeitgleich entstandenen Aquarelle waren jedoch wirtschaftlich wenig erfolgreich. In seinen späten Jahren wandte sich Higgins, beeinflusst von John Marin, den er 1929 kennengelernt hatte, einer fast abstrakten, kleinformatigen Malerei zu. Diese Werke, meist Landschaften in Öl und Aquarell, entstanden häufig direkt vor dem Motiv, nicht selten vom Auto aus.
William Victor Higgins’ Werke befinden sich heute in zahlreichen Museen, darunter das Art Institute of Chicago, das Museum of Fine Arts in Boston, das Denver Art Museum, die National Academy of Design in New York, das Philadelphia Art Museum, das Museum of Fine Arts in Santa Fe sowie die Corcoran Gallery of Art in Washington, D. C.
Literatur
- Allgemeines Künstlerlexikon Online, De Gruyter, 2009, Artikel: Higgins, William Victor.
- Thieme-Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Band 17, 1924, S. v. Higgins, W. Victor.
- Vollmer, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des 20. Jahrhunderts, Band 2, 1955, S. v. Higgins, Victor.
- Who Was Who in America, Band 2, 1950, S. v. Higgins, Victor.
Weblinks
- Taos Art Museum at Fechin House: Taos Society of Artists.
- Werke im New Mexico Museum of Art
- Nedra Matteucci Galleries: Victor Higgins