Victor Hémery

Victor Théodore Eugène Hémery (* 18. November 1876 in Sillé-le-Guillaume; † 8. September 1950 in Le Mans) war ein französischer Automobilrennfahrer.

Karriere

Victor Hémery begann mit 13 Jahren eine Mechaniker-Ausbildung in Le Mans und erhielt als Jahrgangsbester ein Diplom als technischer Zeichner. Vom Militärdienst befreit, wurde er bei Bollée et Fils in Le Mans eingestellt. Amédée Bollée erkannte sein technisches Talent und machte ihn zu seinem Assistenten.

1900 wechselte er zu Darracq als Leiter der Versuchsabteilung und wurde damit Teamchef für die Renneinsätze bei Darracq. Am 8. November 1902 heiratete er Marie Louise Laurent. Im gleichen Jahr fuhr Hémery erstmals selbst Rennen. Er erzielte in den Folgejahren etliche Podiumsplätze, darunter die Siege beim Ardennenrennen und den Vanderbilt Cup 1905. Daneben betreute er Weir-Darracq und Opel-Darracq bei ihren Renneinsätzen. Mit einem Darracq 200 PS-Rekordwagen stellte Hémery einen neuen absoluten Geschwindigkeits-Weltrekord auf mit 174,757 km/h (fliegender Start).

Nach einer erfolglosen Saison 1906 und kurzen Gastspielen bei Tourand & Cie, SA Fabrica Automobili De Luca-Daimler und Mercedes wechselte Hémery 1907 zu Benz & Cie. Er nahm großen Einfluss auf die Entwicklung der Rennwagen, mit denen er auch als Pilot überaus erfolgreich ist. Mit dem Benz-200-PS-Rekordwagen sicherte sich Hémery 1909 erneut den absoluten Geschwindigkeitsrekord mit 205,666 km/h (halbe Meile, fliegender Start). Beim USA Grand Prix 1910 verfehlte Hémery denkbar knapp den Sieg. Bei der Siegerehrung übergoss er der Legende nach seinen siegreichen Benz-Teamkollegen Bruce-Brown mit einer Flasche Champagner und begründete damit die Tradition der Champagnerdusche.

Mit Fiat gewann Victor Hémery den Grand Prix von Frankreich 1911. Ende des Jahres führ er für die Benz Auto Import Company beim American Grand Prize und wechselte danach zu Lorraine-Dietrich. Dort stellte 1912 einige Langstrecken-Rekorde auf.

Nach dem Ersten Weltkrieg blieb sein Comeback-Versuch als Werksfahrer bei Sizaire-Naudin und Rolland-Pilain erfolglos. Anfang April 1922 erschoss sich seine Frau Marie Louise in ihrem Haus in Le Mans und hinterließ ihn mit ihren drei Kindern Huguette, Martine und Roger. Hémery wurde Fahrprüfer und blieb dem Motorsport verbunden, insbesondere dem Automobile Club de l’Ouest (A.C.O.). Zum Club-Jubiläum organisierte Hémery 1931 ein großes Bankett auf der Rennstrecke von Le Mans vor dem Start des 24 Stunden-Rennens. Sein Sohn Roger versuchte sich im Motorsport und wurde Talbot-Werksfahrer bei der Tour de France 1932. Nach längerer Krankheit verstarb Roger 1935 an Tuberkulose.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verbrachte Victor Hémery die letzten beiden Jahre seines Lebens zurückgezogen in seinem Haus Rue Clos Margot 11 in Le Mans. Schwer erkrankt beging er dort am 8. September 1950 Suizid.

Galerie

Statistik

Ergebnisse

Auswahl aus über 50 Rennen, an denen Victor Hémery beteiligt war[1]

Datum Resultat Renntyp Rennen Fahrzeug Kommentar
16.–29.06.1902 4 Städterennen Paris–Wien Darracq 20 PS
04.09.1904 1 Rennen Coppa Vincenzo Florio (Brescia) Darracq 40 PS Klassensieg
23.10.1904 1 Rennen Bahrenfeld (Hamburg) Opel-Darracq 40 PS
07.08.1905 1 Rennen Ardennenrennen (Bastogne) Darracq 80 PS
14.10.1905 1 Rennen Vanderbilt Cup (New York) Darracq 80 PS
21.04.1907 24 Rennen Targa Florio De Luca-Daimler 50 PS
02.07.1907 10 Rennen Großer Preis von Frankreich Mercedes 120 PS
20.10.1907 1 Bergrennen Gaillon Benz Kaiserpreis 80 PS
01.06.1908 1 Städterennen St.Petersburg–Moskau Benz RD 120 PS
07.07.1908 2 Rennen Großer Preis von Frankreich Benz RD 120 PS
26.11.1908 2 Rennen American Grand Prize Benz RD 120 PS
12.11.1910 2 Rennen American Grand Prize Benz RD 150 PS
23.07.1911 1 Rennen Großer Preis von Frankreich Fiat 75/100
30.11.1911 DNF Rennen American Grand Prize Benz RD 150 PS
27.05.1912 1 Bergrennen Mayenne (Le Mans) Lorraine-Dietrich 160 PS
15.07.1922 DNF Rennen Großer Preis von Frankreich Rolland-Pilain A22 13. Runde
02.07.1923 DNF Rennen Großer Preis von Frankreich Rolland-Pilain 2.0L I8 8. Runde

Literatur

  • Jean-Yves Lassaux: Victor Hémery, pionnier sarthios des courses automobiles, Elisabeth Gérault 2023, ISBN 978-2-9587086-0-3
  • Karl Ludvigsen: The incredible Blitzen Benz. dalton watson, 2006, ISBN 1-85443-223-0.
  • Dietrich Conrad: Allez Benz. Waldkirch Verlag 2025, ISBN 978-3-86476-196-6.
  • Robert Dick: Mercedes and Auto racing in the Belle Epoque. 2005, ISBN 0-7864-1889-3.
  • Hartmut Lehbrink: Das Mercedes-Benz Rennfahrer-Lexikon. Die 240 schnellsten Mitarbeiter von Mercedes-Benz. Heel, Königswintwer 2009, ISBN 978-3-86852-103-0, S. 21.
Commons: Victor Hémery – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Jean-Yves Lassaux: Victor Hémery, pionnier sarthios des courses automobiles. Hrsg.: Elisabeth Gérault. 2023, ISBN 978-2-9587086-0-3.