Vibeke Klint

Vibeke Klint (* 13. Dezember 1927 in Frederiksberg; † 30. Dezember 2019[1]) war eine dänische Weberin und Textildesignerin, deren Werk Teppiche, Gobelins, Seidentextilien und Wohnstoffe umfasst, und die für ein strenges, geometrisches Formenvokabular mit fein abgestimmten, gedämpften Farben bekannt wurde.[2] Sie schuf seit den 1950er-Jahren Textilien für Kirchen, Rathäuser, Ministerien und dänische Auslandsvertretungen, die die funktionalistische Designkultur des Landes prägten.[1] Sie gilt weithin als eine der bedeutendsten dänischen Kunsthandwerkerinnen ihrer Zeit.[3]

Leben

Klint wuchs nach einem Umzug der Familie zunächst in Aarhus und ab 1942 in Kopenhagen auf, besuchte die Holsteinsgade Skole und nahm zugleich Zeichenunterricht, darunter bei Bizzie Høyer.[1] Im Jahr 1946 wurde sie in die Webklasse der Kunsthåndværkerskolen aufgenommen und schloss 1949 ab.[1] Nach kurzer Tätigkeit in der Werkstatt von Karen Warming bereitete sie sich mit Stipendienaufenthalten in Aubusson, bei Jean Lurçat in Saint-Céré und bei Pierre Wemaëre in der Bretagne auf die Gobelintechnik vor.[1] Nach dem Tod ihrer Lehrerin Gerda Henning übernahm sie deren Werkstatt und verlegte sie später nach Tårbæk, wo sie auch lebte.[1] 1954 heiratete sie den Landschaftsarchitekten Morten Le Klint, Sohn des Architekten Kaare Klint, mit dem sie drei Kinder hatte.[1] Von 1970 bis 1975 lehrte sie Textilgestaltung an der Jysk Kunstakademi in Aarhus und an der Kunsthåndværkerskolen in Kopenhagen, später unterrichtete sie auch am National Institute of Design in Ahmedabad (Indien).[1] Sie brachte sich in Gremien wie dem Dansk Designråd, dem Kunsthåndværkerrådet und dem Akademirådet ein.[1]

Wirken

Klint arbeitete zunächst mit Architekten wie Mogens Koch zusammen und realisierte kirchliche Textilien, etwa für die dänische Kirche in London, Sankt Jørgensbjerg in Roskilde und die Holbæk Kirke.[1] Zu ihren frühen Hauptaufträgen gehörten drei Gobelins für das Egmont H. Petersens Kollegium (1954–1956) nach Entwürfen von William Scharff sowie der Gobelin Den barmhjertige samaritan (‚Der barmherzige Samariter‘, 1965–1969) für das Rathaus von Fredericia nach Palle Nielsen.[1] Sie schuf einen Szenenvorhang für das Gladsaxe Teater (1977) und Textilien für die Kopenhagener Vor Frue Kirke (1979).[1] In den 1980er-Jahren fertigte sie Textilien für Danmarks Nationalbank sowie für dänische Botschaften, darunter in Washington, Lima, Paris und Nairobi.[1] 1995 webte sie rötlich-orangefarbene Seidenpaneele für die Spejlsalen im Statsministeriet auf Christiansborg.[4]

Gemeinsam mit Randi B. Studsgarth rief sie 1979 die wegweisende Ausstellung Danske ægte tæpper in der Nikolaj Kirke in Kopenhagen ins Leben, welche die dänische Teppichkunst neu positionierte.[1]

Charakteristisch für ihr Werk sind dünne Linien über großen, einfarbigen Flächen, strenge Geometrien und präzise abgestimmte, gedämpfte Farbtöne.[2] Neben Unikaten entwickelte sie industrielle Textilien, etwa als Mitglied des Cotil-Komitees für C. Olesen sowie Entwürfe für Kolding Hørvarefabrik und Wittrups Fabrikker.[1] Zudem entwarf sie Damastdecken für Georg Jensen Damask.[3] Sie prägte eine jüngere Weberei-Generation; zu ihren Schülerinnen zählten Kim Naver und Inge Alifrangis.[1]

Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Lunningprisen (1960), die Eckersberg-Medaille (1972), das Tagea Brandts Rejselegat (1974), den Dansk Kunsthåndværks Årspris (1987), die Prins Eugens medalje (1996) sowie die livsvarige ydelse des Statens Kunstfond (1980).[1] Nach ihrem Tod wurden ihre Teppichentwürfe unter der Marke Nordic Modern neu aufgelegt; zugleich erschien 2020 die Monografie Vibeke Klints verden.[5]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q Vibeke Klint. In: lex.dk. 22. April 2023, abgerufen am 11. Januar 2026 (dänisch).
  2. a b Vibeke Klint. In: Trap Danmark. 1. Januar 1994, abgerufen am 11. Januar 2026 (dänisch).
  3. a b Dødsfald: Tæppe- og tekstilvæver Vibeke Klint (92). In: Altinget. 3. Januar 2020, abgerufen am 11. Januar 2026 (dänisch).
  4. Karen Vibeke Klint. In: Dansk Biografisk Leksikon (lex.dk). 28. Mai 2014, abgerufen am 11. Januar 2026 (dänisch).
  5. Vi træder på dem og smider bøger ind i dem. Men tæpper og reoler er også kulturarv. In: Politiken. 23. Mai 2020, abgerufen am 11. Januar 2026 (dänisch).