Vestas Wind

Die Vestas Wind ist eine Segelyacht der Einheitsklasse Volvo Ocean 65, die beim Volvo Ocean Race 2014–2015 unter dänischer Flagge mit dem Skipper Chris Nicholson[1] und dem Navigator Wouter Verbraak[2] teilnahm. Das Boot erlangte weltweite Bekanntheit durch die Havarie bei einem Riff der Cargados-Carajos-Inseln im Indischen Ozean. Die Segelyacht lief während der zweiten Etappe der Regatta am 29. November 2014 während einer Nachtfahrt etwa 240 Seemeilen nordöstlich von Mauritius auf Grund. Die Strandung zählt zu den aufsehenerregendsten Zwischenfällen in der Geschichte des Ocean Race. Alle neun Personen an Bord blieben unverletzt, die Yacht wurde schwer beschädigt. Die Yacht konnte aufgrund des Schiffbruchs nur 3 der 9 Etappen der Hochseeregatta beenden und belegte im Gesamtklassement den siebten und letzten Platz.

Die Strandung der Vestas Wind gilt als Lehrbuchbeispiel für die Gefahren, die sich ergeben, wenn die Navigation – und insbesondere Routenplanung – ausschließlich auf elektronischen Karten und ungeeigneter Maßstabswahl ohne angemessene Plausibilitätsprüfung beruht. Ein von der Regattaorganisation eingesetztes Gutachtergremium stellt in einem Untersuchungsbericht zur Strandung fest, dass die Crew das Gefahrengebiet für sicher gehalten hatte, weil irrtümlich eine Tiefe von mindestens 40 Metern angenommen worden war und deshalb keine Ausweichmaßnahmen ergriffen wurden.[3] Das Ereignis führte zu konkreten Empfehlungen für Passage-Planung, Navigationspraxis, Software und Kartografie im Offshore-Rennsport.

Erst kurz vor dem Start wurde am 1. September 2014 bekannt gegeben, dass das Boot unter dem Namen Vestas Wind – mit dem dänischen Windturbinenhersteller Vestas Wind Systems als Hauptsponsor – als siebtes Boot an der Ausgabe 2014/15 des Volvo Ocean Race teilnehmen würde.[4] Die Yacht ist ein One-Design-Boot des Typs Volvo Ocean 65 (Farr Yacht Design). Die Yacht belegte den siebten und letzten Platz in der Gesamtwertung dieser Hochseeregatta, da sie aufgrund der Strandung nur drei der neun Etappen des Rennens beenden konnte.

Die Crew bestand aus:[5]

  • Chris Nicholson, Australien, Skipper, fünfte Teilnahme am Volvo Ocean Race[1]
  • Wouter Verbraak, Niederlande, Navigation, vierte Teilnahme am Volvo Ocean Race[2]
  • Robert Salthouse, Neuseeland, Wachführer, vierte Teilnahme am Volvo Ocean Race
  • Nicolai Sehested, Dänemark, Wachführer, erste Teilnahme am Volvo Ocean Race[6]
  • Tom Johnson, Australien, Steuermann, erste Teilnahme am Volvo Ocean Race
  • Maciel Cicchetti, Argentinien, Steuermann, zweite Teilnahme am Volvo Ocean Race
  • Peter Wibroe, Dänemark, Trimmer, erste Teilnahme am Volvo Ocean Race[7]
  • Tony Rae, Neuseeland, Trimmer, fünfte Teilnahme am Volvo Ocean Race
  • Brian Carlin, Irland, Bord-Reporter
  • Tom Addis, Australien, Navigator auf den letzten beiden Etappen, nach dem Ausscheiden von Wouter Verbraak, dritte Teilnahme am Volvo Ocean Race[8]
  • Simeon Tienpont, Niederlande, Crewmitglied, zweite Teilnahme am Volvo Ocean Race[9]

Strandung

Am 29. November 2014 um 19:16 Uhr Ortszeit lief die Yacht während einer Nachtfahrt etwa 240 Seemeilen nordöstlich von Mauritius bei einem Riff der Cargados-Carajos-Inseln auf Grund.[10] Dies geschah während der zweiten Etappe der Regatta, zehn Tage nach der Abfahrt von Kapstadt auf dem Weg nach Abu Dhabi. Das Boot traf mit einer Geschwindigkeit von 16 Knoten auf das Riff.[3] Das Boot kam nicht abrupt zum Stehen, sondern reduzierte seine Geschwindigkeit innerhalb von 10 Sekunden auf unter 3 Knoten und kam innerhalb der nächsten 10 Sekunden zum Stillstand.[3] Das Auflaufen auf das Riff wurde von der Bord-Kamera aufgezeichnet.[11] Beide Ruder brachen, das Heck wurde aufgerissen. Die Yacht konnte die Etappe der Regatta aufgrund dieser Schäden nicht fortsetzen. Die Besatzung verblieb zunächst während der Nachtstunden auf der gestrandeten Yacht. Etwa 2 Stunden vor Sonnenaufgang wurde entschieden die Yacht zu verlassen. Alle neun Besatzungsmitglieder konnten sich mit nur leichten Verletzungen zunächst auf zwei Rettungsinseln in Sicherheit bringen, die auf dem Riff vertäut wurden. Die Crew wurde am nächsten Morgen von der Küstenwache von Mauritius gerettet.[10]

Ursachen

Die Ursache für die Grundberührung war ein schwerer Navigationsfehler, zurückzuführen auf eine Kombination aus menschlichem Versagen und der Funktionsweise der verwendeten Navigationssoftware. Navigiert wurde ausschließlich mit elektronischen Karten. Der Navigator nutzte die an Bord mitgeführten Papierkarten nicht, um nach Gefahren zu suchen, die auf den elektronischen Kartensystemen nicht erkennbar waren. Der Navigator hatte nicht bemerkt, dass die geplante Route quer durch ein Atoll führte, weil in der Routenplanungs-Ansicht nur die niedrige oder mittlere Zoomstufe verwendet wurde, in der das Atoll nicht angezeigt wurde.[12] Der Crew war die Gefahr nicht bewusst, da man fälschlicherweise davon ausging, dass die kartografische Mindesttiefe 40 m betrage und die Cargados-Carajos-Riffe sicher zu überqueren seien. Folglich wurden keine Ausweichmanöver oder Vorkehrungen getroffen, die die Strandung hätten verhindern können.

Bergung und Reparatur

Die Crew verbrachte 2 Tage damit, so viel Ausrüstung wie möglich von der Yacht zu bergen und auch Umweltrisiken zu minimieren.

Die Yacht konnte 3 Wochen später geborgen werden. Sie wurde zunächst mit Hilfe von Auftriebskörpern wieder schwimmfähig gemacht und konnte dann zu einem umgeleiteten Containerschiff des Sponsors Mærsk Line geschleppt werden. Das Schiff wurde zunächst nach Malaysia und dann in die Schiffswerft Perisco in Bergamo, Italien gebracht. Dort wurde die Yacht innerhalb weniger Monate wieder instand gesetzt, sodass sie bei den letzten beiden Etappen der Regatta wieder teilnehmen konnte.

Rückkehr in die Regatta

Nach einer aufwendigen Bergung und Reparatur kehrte die Yacht im Mai/Juni 2015 zum Regattazirkus zurück. Bei der achten Etappe der Regatta von Lissabon nach Lorient feierte die Yacht ein Comeback und konnte den zweiten Platz erreichen.[13] Auf der neunten Etappe von Lorient nach Göteborg wurde Platz 6 erreicht.

Nach der Regatta des Jahres 2014/15 wurde das Boot für das Volvo Ocean Race 2017–2018 umgerüstet und in Turn the Tide on Plastic umbenannt.[14][15]

Bei der Ausgabe des Volvo Ocean Race im Jahr 2017/18 nahm das Team Turn the Tide on Plastic mit dem reparierten Schiff an der Regatta teil. Die Crew bestand aus:[16]

  • Dee Caffari (Skipperin)
  • Nico Lunven (Navigator)
  • Martin Strömberg (Watch Captain)
  • Liz Wardley (Watch Captain)
  • Annalise Murphy
  • Francesca Clapcich
  • Bianca Cook
  • Lucas Chapman
  • Bleddyn Mon
  • Bernardo Freitas
  • Henry Bomby[17]
  • Frederico Melo
  • Elodie Mettraux[18]

Einzelnachweise

  1. a b Volvo Ocean Race: Chris Nicholson. Archiviert vom Original am 19. August 2014; abgerufen am 26. Oktober 2025 (englisch).
  2. a b Verbraak navigator in Ocean Race. In: nos.nl. 29. August 2014, abgerufen am 26. Oktober 2025 (niederländisch).
  3. a b c World Sailing - 2015 - VOR - Vestas Wind - Incident Report. Abgerufen am 26. Oktober 2025 (englisch).
  4. Volvo Ocean Race - Danish entry confirmed as Team Vestas Wind. Abgerufen am 31. Oktober 2025.
  5. Azimut Communication: Volvo Ocean Race Lorient - Expérience et jeunesse : Team Vestas Wind dévoile son équipage. In: www.volvooceanracelorient.com. LORIENT GRAND LARGE, 1. September 2014, abgerufen am 5. Dezember 2016.
  6. Volvo Ocean Race: Nicolai Sehested. Archiviert vom Original am 19. August 2014; abgerufen am 26. Oktober 2025 (englisch).
  7. Volvo Ocean Race: Peter Wibroe. Archiviert vom Original am 19. August 2014; abgerufen am 26. Oktober 2025 (englisch).
  8. The Ocean Race: Tom Addis. Abgerufen am 26. Oktober 2025 (englisch).
  9. Team Vestas Wind | Volvo Ocean Race 2014-2015. In: www.volvooceanrace.com. Archiviert vom Original am 19. August 2014;.
  10. a b Grounded. In: Volvo Ocean Race official website. Archiviert vom Original am 5. Dezember 2014; abgerufen am 30. November 2014.
  11. The Ocean Race: Inside Track - Leg 2 #13 | Team Vestas Wind Special. In: youtube.com. 5. Dezember 2014, abgerufen am 26. Oktober 2025 (englisch).
  12. Report into Team Vestas Wind grounding | Volvo Ocean Race 2014-2015. In: www.volvooceanrace.com. Archiviert vom Original am 21. Juli 2015;.
  13. Volvo Ocean Race Leg-By-Leg Highlights. In: yachtsandyachting.com. Abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch).
  14. Refit begins | Volvo Ocean Race. In: www.volvooceanrace.com. Archiviert vom Original am 8. Oktober 2016;.
  15. NZ OCEAN RACING (Sailing Vessel) Registered in Cayman is - Vessel details, Current position and Voyage information - IMO 0, MMSI 319081500, Call Sign ZGEW6.
  16. Updated - Leg 1 crew lists - Volvo Ocean Race 2017-18. In: www.volvooceanrace.com. Archiviert vom Original am 23. Oktober 2017;.
  17. Leg 2 crew lists - veteran faces return - Volvo Ocean Race 2017-18. In: www.volvooceanrace.com. Archiviert vom Original am 4. November 2017;.
  18. Leg 3 Crew Lists - Volvo Ocean Race 2017-18. In: www.volvooceanrace.com. Archiviert vom Original am 12. Dezember 2017;.