Ergebnisverzerrung

Ergebnisverzerrung (auch Outcome Bias) ist eine Form systematischer kognitiver Verzerrung in der Urteils- und Entscheidungsforschung. Er beschreibt die Tendenz, eine Handlung als besser oder schlechter zu bewerten, je nachdem, ob ihr Ergebnis positiv oder negativ war – selbst dann, wenn dieses Ergebnis weitgehend vom Zufall abhing oder außerhalb der Kontrolle der Handelnden lag.

Obwohl sie dem Hindsight Bias, Rückblickfehler oder Rückschaufehler ähneln, unterscheiden sich die beiden Phänomene deutlich voneinander. Der Rückblickfehler konzentriert sich auf die Verzerrung der Erinnerung zugunsten des Akteurs, während der Ergebnisfehler sich ausschließlich darauf konzentriert, das Ergebnis bei der Entscheidung, ob eine vergangene Entscheidung richtig war, stärker zu gewichten als andere Informationen.

Überblick

Obwohl die systematische Untersuchung erst im späten 20. Jahrhundert begann, finden sich Vorläuferkonzepte bereits in der Entscheidungstheorie und in frühen Arbeiten der Prospect Theory von Daniel Kahneman und Amos Tversky (1974).[1]

Die formale Definition als eigenständige Verzerrung geht jedoch auf Baron & Hershey (1988) zurück, die zeigten, dass Versuchspersonen medizinische Entscheidungen, Risikohandlungen und moralische Urteile systematisch anders bewerteten, wenn ihnen unterschiedliche (aber zufällig variierte) Ausgangssituationen präsentiert wurden.[2]

Ein Beispiel hierfür war die Entscheidung eines Chirurgen, ob er eine riskante Operation an einem Patienten durchführen sollte oder nicht. Die Erfolgsaussichten der Operation waren bekannt. Den Probanden wurde entweder ein gutes oder ein schlechtes Ergebnis (in diesem Fall Leben oder Tod) präsentiert, und sie wurden gebeten, die Qualität der Entscheidung des Chirurgen vor der Operation zu bewerten. Diejenigen, denen ein schlechtes Ergebnis präsentiert wurde, bewerteten die Entscheidung schlechter als diejenigen, denen ein gutes Ergebnis präsentiert wurde.

Dieser Fehler tritt auf, wenn bei der Bewertung einer vergangenen Entscheidung aktuell verfügbare Informationen einfließen. Um den Einfluss der Ergebnisverzerrung zu vermeiden, sollte man eine Entscheidung bewerten, indem man nachträglich gesammelte Informationen ignoriert und sich auf die richtige Antwort konzentriert, die zum Zeitpunkt der Entscheidung richtig war.

Außerhalb psychologischer Experimente wurde festgestellt, dass die Ergebnisverzerrung in realen Situationen erheblich vorhanden ist. Eine Studie, die sich mit der Bewertung der Leistung von Fußballspielern durch Trainer und Journalisten befasste, ergab, dass die Leistung der Spieler – über ein gesamtes Spiel hinweg – als wesentlich besser bewertet wird, wenn der Spieler ein Glückstor erzielt hat, als wenn er einen unglücklichen Fehlschuss hatte (nachdem der Schuss eines Spielers einen der Torpfosten getroffen hatte).[3]

Die Ergebnisverzerrung steht in engem Zusammenhang mit dem philosophischen Konzept des Moral Luck, da in beiden Konzepten die Bewertung von Handlungen durch Faktoren beeinflusst wird, die logisch nicht zu rechtfertigen sind.[4]

Einzelnachweise

  1. Daniel Kahneman, Amos Tversky: Prospect Theory: An Analysis of Decision Under Risk. In: Handbook of the Fundamentals of Financial Decision Making (= World Scientific Handbook in Financial Economics Series). Volume 4, Volume 4. WORLD SCIENTIFIC, 2012, ISBN 978-981-4417-34-1, S. 99–127, doi:10.1142/9789814417358_0006 (worldscientific.com [abgerufen am 11. Dezember 2025]).
  2. Jonathan Baron, John C. Hershey: Outcome bias in decision evaluation. In: Journal of personality and social psychology. Band 54, Nr. 4, S. 569–579.
  3. Gauriot, Romain, Page, Lionel: Fooled by Performance Randomness: Overrewarding Luck. In: The Review of Economics and Statistics. Band 101, Nr. 4, 1. Oktober 2019, ISSN 0034-6535, doi:10.1162/re (mit.edu [abgerufen am 11. Dezember 2025]).
  4. Raphael Max, Matthias Uhl: Moral luck in investment contexts: We consciously find unprofitable investments less moral. In: PLOS ONE. Band 18, Nr. 1, 17. Januar 2023, ISSN 1932-6203, S. e0278677, doi:10.1371/journal.pone.0278677, PMID 36649364, PMC 9844880 (freier Volltext) – (plos.org [abgerufen am 11. Dezember 2025]).