Verschollen (Film)

Verschollen
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch, Portugiesisch, Englisch
Erscheinungsjahr 2025
Länge 90 Minuten
Produktions­unternehmen diwafilm GmbH, SWR, WDR, BR, SR für ARD
Stab
Regie Daniel Harrich
Drehbuch Daniel Harrich
Produktion Danuta Harrich-Zandberg, Walter Harrich, Daniel Harrich
Musik Jörg Lemberg
Kamera Walter Harrich, Daniel Harrich
Schnitt Constantin Dauch
Besetzung

Verschollen ist der achte Spielfilm von Daniel Harrich aus dem Jahr 2025, der im Rahmen des gleichnamigen ARD-Themenschwerpunkts am 12. November 2025 ausgestrahlt wurde. Im Zentrum stehen der investigativer Spielfilm und die unmittelbar anschließende Dokumentation Verschollen – Schmutzige Geschäfte mit dem Klimaschutz, in der der öffentlich-rechtliche Rundfunk komplexe wirtschaftliche, politische und ökologische Aspekte der globalen Klimapolitik thematisiert. Der Schwerpunkt wurde terminiert zur UN-Klimakonferenz in Belém 2025 in Brasilien.[1]

Inhalt und thematische Schwerpunkte

Der Themenschwerpunkt deckt Praktiken im Klimaschutz auf, darunter den Handel mit CO₂-Zertifikaten, Konzepte rund um sogenannten „grünen Stahl“ und die ökologischen wie sozialen Folgen intensiver Aufforstungs- und Plantagenprojekte im brasilianischen Cerrado, deren Verflechtungen bis nach Deutschland reichen.[2][3]

Handlung

Axel Milberg verkörpert den deutschen Ingenieur Klemens Stadler, dessen Sohn Jan Stadler (Max Hubacher), ein Umweltwissenschaftler, im brasilianischen Cerrado bei einem internationalen Aufforstungs- und Klimaschutzprojekt tätig ist. Das Projekt gilt offiziell als Vorzeigemodell für CO₂-Kompensation und nachhaltige Industrieproduktion. Als Jan unter ungeklärten Umständen spurlos verschwindet, reist sein Vater nach Brasilien, um selbst nach ihm zu suchen.

Vor Ort stößt Klemens Stadler zunehmend auf Widersprüche zwischen den öffentlich kommunizierten Klimaschutzversprechen und den tatsächlichen Zuständen in den Projektgebieten. Seine Nachforschungen führen ihn zu lokalen Gemeinden, Umweltaktivisten, Anwälten und Wissenschaftlern, die von Landenteignungen, der Zerstörung traditioneller Lebensräume und der systematischen Vertreibung indigener Bevölkerungsgruppen berichten. Gleichzeitig wird deutlich, dass wirtschaftliche Interessen internationaler Konzerne, politische Einflussnahme und private Sicherheitsstrukturen die Projekte absichern.

Mit fortschreitender Suche verdichten sich die Hinweise, dass Jans Verschwinden mit seinen kritischen Beobachtungen und Recherchen zu den Klimaprojekten zusammenhängt. Klemens gerät selbst zunehmend unter Druck, wird überwacht und eingeschüchtert und erkennt, dass sein Sohn Teil eines größeren Konflikts geworden ist, in dem kritische Stimmen gezielt zum Schweigen gebracht werden. Die Grenzen zwischen legalem Klimaschutz, wirtschaftlicher Ausbeutung und organisierter Gewalt verschwimmen zunehmend.

Der Film verbindet die persönliche Suche eines Vaters mit der Darstellung globaler Machtstrukturen und stellt die Frage, wer von internationalen Klimaschutzmechanismen profitiert und welche sozialen und ökologischen Kosten diese verursachen. Der Thriller basiert auf realen investigativen Recherchen von Regisseur Daniel Harrich und verdichtet diese zu einer fiktionalen Erzählung über die Schattenseiten des globalen Klimaschutzes. Der Film verzichtet bewusst auf einfache Schuldzuweisungen und lässt zentrale Fragen offen, um den strukturellen Charakter der gezeigten Missstände hervorzuheben.

Setting und Produktion

Die Dreharbeiten fanden im brasilianischen Cerrado, Sasbachwalden im Schwarzwald sowie Stuttgart 21 und Frankfurt am Main statt. gedreht wurde über 50 Tage zwischen Oktober 2024 und April 2025.

Die Produktion war geprägt von außergewöhnlich schwierigen und teils gefährlichen Drehbedingungen im brasilianischen Inland. In entlegenen Regionen des Cerrado sahen sich Filmteams nicht nur logistischen Herausforderungen ausgesetzt, sondern auch realen Sicherheitsrisiken, darunter Bedrohungen durch lokale Auftragskiller, organisierte Kriminalität und die allgemeine Gefährdungslage in wenig erschlossenen Gebieten. Diese Umstände stellten nicht nur technische und organisatorische Anforderungen, sondern brachten die Beteiligten – vom Hauptdarsteller bis zu den Kamerateams – wiederholt in Situationen, in denen das körperliche Wohl gefährdet war.[3]

Premiere und Veröffentlichung

Der Themenschwerpunkt wurde in Zusammenarbeit der ARD-Programmdirektion mit den beteiligten Sendern SWR, WDR, BR und SR sowie der verantwortlichen Produktion entwickelt. Das Projekt vereinte fiktionale Erzählung mit investigativer Recherche und multimedialen Ausspielwegen zu einem Gesamtgeschehen, ausgerichtet auf die Weltklimakonferenz COP30 als globales Ereignis. Zusätzlich zur linearen Ausstrahlung wurde „Verschollen“ in der ARD-Mediathek veröffentlicht und durch bundesweite Preview-Veranstaltungen, Schulvorführungen und begleitende Workshops flankiert.[4][5]

Besondere Aufmerksamkeit erfuhr der Themenschwerpunkt durch seine Präsentation auf der Weltklimakonferenz COP30: Er wurde sowohl von der brasilianischen Umweltbehörde Embrapa im Rahmen offizieller COP30-Programme als auch im deutschen Pavillon der Bundesregierung gezeigt.

In der linearen TV-Ausstrahlung gelang es „Verschollen“, Tagesmarktführer bei den jungen Zuschauenden zu werden. Darüber hinaus wurde der Spielfilm in den Kategorien „Bester Spielfilm National“ sowie „Bester Hauptdarsteller National“ für den Jupiter-Award nominiert.[6]

Einzelnachweise

  1. Jonas Bernauer: „Erst abholzen, dann aufforsten“. Abgerufen am 11. November 2025.
  2. David Baum: ARD-Film „Verschollen“: Skandal um grünen Stahl – „Hier wird in großem Stil betrogen“. In: stern.de. 11. November 2025, abgerufen am 28. Dezember 2025.
  3. a b Vom „Tatort“ nach Brasilien: Gefährlicher Dreh für Milberg. In: Die Zeit (dpa). 6. Februar 2025, abgerufen am 28. Dezember 2025.
  4. Deutsches Jugendherbergswerk: Schneller als die Tagesschau. In: news4teachers.de. 13. November 2025, abgerufen am 28. Dezember 2025.
  5. "Preview von "Verschollen" in Sasbachwalden". Abgerufen am 28. Dezember 2025.
  6. "Publikums-Abstimmung". Abgerufen am 28. Dezember 2025.