Verena Stolcke

Verena Stolcke (* 1938 in Dessau) ist eine deutsche Kultur- und Sozialanthropologin, die bis zu ihrer Emeritierung an der Autonomen Universität Barcelona lehrte und als eine einflussreiche Vertreterin der historischen Anthropologie gilt.[1]

Leben und Forschung

Stolcke wurde 1938 in Dessau geboren, verbrachte aber den Großteil ihrer Kindheit und Jugend in einer deutschen Siedlung in Argentinien. Durch ihre dortigen Erfahrungen mit Debatten um weibliche Jungfräulichkeit wie auch dem Umgang der argentinisch-deutschen Gemeinschaft mit dem Nationalsozialismus begann sie sich mit den Themen Nationalismus, Rassismus und Sexismus zu beschäftigen.

Sie absolvierte zunächst eine Ausbildung als Fremdsprachensekretärin und arbeitete in dieser Funktion mehrere Jahre in München. Anschließend begann sie ein Studium der Sozialanthropologie an der Universität Oxford, das sie 1966 abschloss. Nach Archivrecherchen und Feldforschungen in Kuba stellte Stolcke 1970 am selben Institut ihre Dissertation fertig. In den 1970er-Jahren folgten weitere Forschungsaufenthalte in Sao Paulo. Nach mehreren Anstellungen an der Staatlichen Universität Campinas Sao Paulo, der Universität Stanford, der Universität Cambridge, dem St. Anthony’s Collge Oxford und dem Europäischen Hochschulinstitut Florenz wurde Stolcke 1993 als Professorin an die Autonome Universität Barcelona berufen. 2014 folgte eine Gastprofessur an der Universität Chicago.

Neben methodischen Fragen der historischen Anthropologie, beschäftigen sich die Arbeiten Stolckes mit den Themen Rassismus, Klasse, Mestizaje, Nationalismus sowie Gender und feministische Theorie. Stockles regionalen Schwerpunkte liegen in Lateinamerika (v. a. Kuba, Brasilien und Argentinien) sowie in Europa.[1][2][3]

Publikationen (Auswahl)

  • Marriage, Class and Colour in Nineteenth Century Cuba: A study of racial attitudes and sexual values in a slave society. Cambridge University Press, 1974.
  • Coffee Planters, Workers, and Wives: Class Conflict and Gender Relations on Sao Paulo Plantations, 1850–1980. St. Antony´s / Macmillan, 1988.
  • Talking Culture. New boundaries, new rhetorics of exclusion in Europe. In Current Anthropology 36 (1) 1995.
  • The ‘Nature’ of Nationality in Veit Bader (Hrsg.): Citizenship and Exclusion. Macmillan Press Ltd, 1998.
  • ¿Por qué clasificamos? Desigualdades y diferencias? Editorial Bellaterra, 2024.[2][4]

Einzelnachweise

  1. a b Montserrat Ventura: “La naturaleza y la cultura no son los extremos de un continuum”. (PDF) In: Íconos. Revista de Ciencias Sociale. 1. Mai 2011, abgerufen am 3. Januar 2025 (spa).
  2. a b Verena Stolcke – Grup de Recerca AHCISP. Abgerufen am 3. Januar 2026 (amerikanisches Englisch).
  3. Biografia. 4. August 2011, abgerufen am 3. Januar 2026 (spanisch).
  4. Academy of Europe: Publications. Abgerufen am 3. Januar 2026.