Vena cephalica
Die Vena cephalica (deutsch „Kopfader“, früher Hauptader und auch Oberader[1][2]), kurz auch Cephalica genannt, ist ein großes oberflächliches venöses Blutgefäß an der Außenseite des Oberarms.
Geschichte
Der Begriff cephalica bezieht sich auf griechisch Cephalon, griechisch für Kopf. Es handelt sich hier jedoch um eine volketymologische Fehlübertragung des dem griechischen κεφαλσμ lautlich ähnelnden arabischen Begriffes al-kífal,[3] deutsch „außen“, bei der Übersetzung von Avicennas Kanon der Medizin.[4][5] Von dem früher auch als Hauptader bezeichneten Gefäß (Vena cephalica bzw. deren Wurzel zwischen Daumen und Zeigefinger) nahm man an, es zweige von der Vena jugularis externa, der äußeren Drosselvene im Halsbereich, ab, und würde (gemäß Galenos) das Blut zum Kopf (Haupt) bringen. Bei Erkrankungen des Kopfes führte man einen Aderlass an der „Hauptader“ durch, um den Blutstrom vom Kopf abzuleiten.[6]
Verlauf
Das Gefäß beginnt an der Dorsalseite (Handrücken) des Daumens und zieht an der radialen Unterarmseite entlang (V. cephalica antebrachii) zur Außenseite der Ellenbeuge. Sie verläuft dann in der äußeren Bizepsfurche (also an der Außenseite des Oberarmes zwischen den im Ellenbogengelenk beugenden und streckenden Muskeln) zum Körper hin. Daher leitet sich auch der Name her (arabisch: al kifal – außen) cephalica hat also nichts mit dem griechischen Kopf zu tun.[5] Siehe auch Vena basilica.
Sie zieht im Sulcus deltoideopectoralis (am unteren Rand des Delta-Muskels) in eine Vertiefung zwischen Schlüsselbein, Delta-Muskel und großem Brustmuskel (Mohrenheim-Grube). Dort biegt sie fast rechtwinklig ab, tritt durch die Faszie in die Tiefe und mündet in die Vena axillaris (Achselvene), welche in die Vena subclavia (Schlüsselbeinvene) übergeht. Bei schlanken Menschen ist die Vene im Verlauf meist sehr gut zu erkennen.
Bedeutung
Da das Gefäß recht groß ist, eignet es sich zur Blutentnahme ebenso wie zum Einbringen eines peripheren Venenkatheters. Schließlich kann es zur Anlage eines Shunts genutzt werden.
Zur Anlage eines zentralen Venenkatheters ist sie nur bedingt geeignet, da sie aufgrund des scharfen Abbiegens kurz vor der Mündung das Vorschieben des Katheters bei der Anlage deutlich erschwert.
Um das Hervortreten der Venen sowohl vor der Punktion des Gefäßes als auch z. B. im Bodybuilding zu verstärken, werden die Armmuskeln angespannt. Dadurch werden die tiefer liegenden Venen komprimiert und es fließt mehr Blut durch die oberflächlichen Venen. Ferner kann ein Band zum Stauen der Vene angelegt werden.
Einzelnachweise
- ↑ Bernhard D. Haage: Ein neues Textzeugnis zum Pestgedicht des Hans Andree. In: Fachprosaforschung – Grenzüberschreitungen. Band 8/9, 2012/2013, S. 267–282, hier: S. 279.
- ↑ Vgl. auch Gundolf Keil: Randnotizen zum „Stockholmer Arzneibuch“. In: Studia neophilologica. Band 44, Nr. 2, 1972, S. 238–262, hier: S. 257 (zu hövetâder).
- ↑ Vgl. auch Joseph Hyrtl: Onomatologia anatomica. Geschichte und Kritik der anatomischen Sprache der Gegenwart. Wien 1880; Neudruck, mit einem Vorwort von Karl-Heinz Weimann, Hildesheim / New York 1970, S. 103.
- ↑ Mohammad Diab: Lexicon of orthopaedic etymology. Taylor & Francis, 1999, ISBN 978-90-5702-597-6, S. 54 (englisch).
- ↑ a b Rand Swenson: Etymology of shoulder and arm terms. © O'Rahilly 2008, archiviert vom am 3. Oktober 2017; abgerufen am 20. April 2011 (englisch).
- ↑ Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 399 (Hauptader) und 413 (zu lassen: „laß jm zu der hauptadern auf dem daumen“).
Quellen
- Schumacher: Topographische Anatomie des Menschen. 1985.