Vallée de Joux et Haut-Jura vaudois

Die Region «Vallée de Joux et Haut-Jura vaudois» ist ein seit 1998 im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) verzeichnetes Landschaftsschutzgebiet in der Westschweiz, das einen Abschnitt des Schweizer Juras im Kanton Waadt umfasst.

Das Gebiet fand als typische Berglandschaft der tektonischen Zone des westlichen Faltenjuras schon in den 1960er Jahren als Objekt Nr. 1.24 Aufnahme in das Verzeichnis des KLN-Inventars, das die Grundlage für das BLN bildete.[1][2] Die Typlandschaft ist als Nr. 1022 im Bundesinventar aufgeführt. In der näheren Umgebung befinden sich fünf andere BLN-Objekte: Nr. 1023 Mormont; Nr. 1015 Pied sud du Jura proche de La Sarraz; Nr. 1201 La Côte; Nr. 1205 Bois de Chênes; Nr. 1007 La Dôle. Mit der Fläche von knapp 270 Quadratkilometern steht das Landschaftsschutzgebiet Vallée de Joux et Haut-Jura vaudois, was die Ausdehnung betrifft, an der siebten Stelle in der Liste der 162 BLN-Objekte, zusammen mit dem praktisch gleich grossen Raum Dent Blanche – Matterhorn – Monte Rosa.[3]

Das BLN-Objekt entspricht der IUCN-Schutzgebietskategorie V «Geschützte Landschaft». Fast das ganze Areal befindet sich innerhalb des 530 Quadratkilometer grossen Naturparks Parc naturel régional Jura vaudois, der seit 2013 als Park von nationaler Bedeutung anerkannt ist.

Geografie

Das BLN-Gebiet «Vallée de Joux et Haut-Jura vaudois» erstreckt sich über den südwestlichen Teil des Waadtländer Juragebirges zwischen Vallorbe im Nordosten und La Cure im Südwesten. Es liegt auf einer Länge von rund 46 Kilometern an der Landesgrenze der Schweiz zu Frankreich. Das französische Nachbargebiet gehört zum Regionalen Naturpark Haut-Jura (frz. Parc naturel régional du Haut-Jura).

Die geschützte Gebirgslandschaft ist in drei unterschiedliche Räume gegliedert: Sie umfasst einerseits auf der östlichen Seite die Anhöhen der stellenweise über 1600 m ü. M. hohen Bergkette Dent de VaulionMont Tendre (mit 1679 m ü. M. der höchste Gipfel im Schweizer Jura) – Crêt de la Neuve – Mont Sâla – Mont Pelé – Le Noirmont und andererseits im Westen die Hügel- und Bergzone des Risoux (oder Risoud) mit einer Stelle, die über 1400 m ü. M. hoch ist, sowie dazwischen das Hochtal Vallée de Joux. In diesem Tal wurden bei der kartografischen Bestimmung des Landschaftsschutzgebiets allerdings die Siedlungen Le Brassus, Le Sentier, La Golisse, Le Solliat, Le Rocheray, Les Esseets de Rive, L'Orient, Les Bioux, Le Lieu, Le Séchey, Les Charbonières, L'Abbaye und Le Pont mit einigen siedlungsnahen Flächen der Kulturlandschaft aus dem Perimeter ausgenommen. Nur der Talboden oberhalb von Le Brassus, das Feuchtgebiet zwischen Le Brassus und Le Sentier und die beiden Seen Lac de Joux und Lac Brenet mit den noch nicht überbauten Uferzonen gehören zum geschützten Areal.

Zum BLN-Objekt zählen Abschnitte der Waadtländer Gemeinden Arzier-Le Muids, Bassins, Berolle, Bière, Gimel, L’Abbaye, Le Chenit, Le Lieu, Le Vaud, L’Isle, Longirod, Marchissy, Mollens, Mont-la-Ville, Montricher, Saint-Cergue, Saint-George, Vallorbe und Vaulion.

Im Landschaftsschutzgebiet befinden sich keine grösseren Ortschaften. Das mit Verkehrswegen gut erschlossene Berggebiet der östlichen Jurakette wird an vielen Stellen seit langer Zeit als Sömmerungsweide genutzt und weist deshalb eine grosse Zahl von Sennereibetrieben auf; nur die höchsten Bergkuppen liegen knapp oberhalb der natürlichen Wald- und Baumgrenze, die meisten Weidegebiete wurden durch Rodung im Bergwald gewonnen. Die Wirtschaftsgebäude der Alpbetriebe, die üblicherweise Ställe, Heulager und einen kleinen Wohnbereich für die Viehhirten enthielten, werden im Westschweizer Französisch traditionell als Chalets bezeichnet. Einige wurden durch moderne Betriebsanlagen ersetzt.

Die noch sehr stark bewaldete Zone des Risoux ist dagegen nur an verhältnismässig wenigen Stellen gerodet worden und hat deshalb nur wenige Chalets oder andere Wirtschaftsgebäude und Schutzhütten.

Mehrere Strassen mit überregionaler Bedeutung durchqueren die Gebirgslandschaft, und von Vallorbe nach Le Brassus führt eine Bahnstrecke. Die grossen Ortschaften im Vallée de Joux liegen an der Hauptstrasse 130, die von der Landesgrenze und der Zollstation südwestlich von Le Brassus nach Yverdon-les-Bains führt. Von dieser Route zweigen die Strasse nach Vallorbe, die Hauptstrasse 131, die das Gebiet nördlich des Lac de Joux erschliesst, und die Passtrassen über den Col du Mollendruz (Hauptstrasse 129) und den Col du Marchairuz ab. Die Hauptstrasse 123 von der Zollstation bei La Cure über den Col de la Givrine bildet über eine kleine Strecke den südlichen Rand des Landschaftsschutzgebiets. Ein Netz von Lokal- und Wirtschaftswegen führt zu den Weidegebieten, den Nutzwäldern und den Berggasthöfen.

Das verkarstete Kalkgebirge weist nur wenige Fliessgewässer auf, die fast alle im Vallée de Joux liegen. Dieses flache Tal wird von der Orbe entwässert, die ein Zufluss der Zihl im Einzugsgebiet der Aare ist und durch die beiden Seen Lac de Joux und Lac Brenet abfliesst und in den oberen Talböden viele Sumpf- und Moorgebiete durchquert. Neben einigen noch erhaltenen, wertvollen Hochmooren wie Bois du Carre, Sagnes de la Burtignière, Sagne de Pré Rodet und La Bursine, die im Bundesinventar der Hoch- und Übergangsmoore von nationaler Bedeutung verzeichnet sind, gibt es im Tal zahlreiche national bedeutende Flachmoore mit einer Fläche von etwa 300 Hektaren. Die Feuchtgebiete im oberen Orbetal zwischen der Landesgrenze und dem Lac de Joux sind zusammengefasst auch im Bundesinventar der Moorlandschaften von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung dargestellt.[4]

Auf zahlreichen hoch gelegenen Bergweiden haben sich, auch dank der traditionellen extensiven Weidewirtschaft, wertvolle und artenreiche Vegetationsgemeinschaften entwickelt. Viele Teile der von Felsen durchsetzten Graslandschaften sind im Bundesinventar der Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung aufgeführt. Die Weiden rund um den Mont Tendre mit 111 Hektaren und die Pré aux Veaux mit 96 Hektaren sind die grössten dieser Gebiete.

Schutzziele

Gemäss dem Zweck des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung sind für das BLN-Gebiet mehrere Schutzziele definiert worden: Sie zielen auf die Erhaltung

  • der Naturlandschaft auf den Bergen und im Tal
  • der geologischen und geomorphologischen Strukturen und im besonderen der Karstformen
  • der wertvollen Wälder besonders im Risoud
  • der offenen Flächen mit Trockenwiesen
  • der Gewässerräume und der Feuchtgebiete
  • einer extensiven landwirtschaftlichen Nutzung der Weidegebiete
  • der historischen Landschaftselemente wie Waldweiden, Trockenmauern und alten Wege
  • des Lebensraums einer vielfältigen Fauna.

Literatur

  • Raymond Beutler, Andreas Gerth: Naturerbe der Schweiz. Die Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung. Bern 2015, S. 56–59.
  • Pascal Vittoz: Flore et végétation du Parc jurassien vaudois. Typologie, écologie et dynamique des milieux. Lausanne 1998.
  • Paul Hugger: Le Jura vaudois. La vie à l'alpage. Lausanne 1975.
Commons: Vallée de Joux et Haut-Jura vaudois – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. KLN-Inventar, Ausgabe 1979, Basel 1979/1988.
  2. Herbert Bühl: Das BLN: Objektkategorien und geomorphologische Typologie. Systematisierung der Objekte des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN). Hrsg.: Bundesamt für Umwelt. Bern 2022. S. 100.
  3. Die grösseren BLN-Gebiete sind: Berner Hochalpen und Aletsch-Bietschhorn-Gebiet (nördlicher Teil); Berner Hochalpen und Aletsch-Bietschhorn-Gebiet (südlicher Teil); Vierwaldstättersee mit Kernwald, Bürgenstock und Rigi; Speer – Churfirsten – Alvier; Oberengadiner Seenlandschaft und Berninagruppe; Schweizerischer Nationalpark und angrenzende Gebiete.
  4. Objektblatt «Vallée de Joux» im Bundesinventar der Moorlandschaften von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung.

Koordinaten: 46° 40′ 21,4″ N, 6° 28′ 57,7″ O; CH1903: 526851 / 169491