Vaabonbonphyllium

Vaabonbonphyllium

Weiblicher Holotypus von Vaabonbonphyllium groesseri

Systematik
Ordnung: Gespenstschrecken (Phasmatodea)
Unterordnung: Euphasmatodea
Überfamilie: Wandelnde Blätter (Phyllioidea)
Familie: Phylliidae
Tribus: Phylliini
Gattung: Vaabonbonphyllium
Wissenschaftlicher Name
Vaabonbonphyllium
Cumming & Le Tirant, 2022

Vaabonbonphyllium ist eine 2022 beschriebene Gespenstschrecken-Gattung der Wandelnden Blätter (Phyllioidea). Sie umfasst zwei Arten, von denen die eine auf den Salomonen und die andere auf Papua-Neuguinea beheimatet ist.[1][2]

Merkmale

Bei den beiden Vaabonbonphyllium-Arten handelt es sich um kleine bis mittelgroße Vertreter der Wandelnden Blätter. Männchen von Vaabonbonphyllium groesseri erreichen 43 mm Körperlänge. Das einzige bekannte Männchen von Vaabonbonphyllium rafidahae ist mit 53 mm Länge etwas größer. Die Weibchen von Vaabonbonphyllium groesseri werden etwa 70 mm lang. Ihr Abdomen hat eine maximale Breite von 40 mm. Weibchen von Vaabonbonphyllium rafidahae sind nicht bekannt.[2][3]

Beide Geschlechter besitzen Lappen (Loben) an der Innenseite der Tibien der Vorderbeine (protibiale interiore Loben), die sich nicht über die gesamte Schaftlänge erstrecken, sondern nur die proximale Hälfte bis maximal Vierfünftel der Länge einnehmen. An den äußeren Tibiaseiten der Vorderbeine befinden sich zwei Lappen, eine kleinerer am distalen Ende und ein größerer in der Nähe der Mitte. An den Tibien der Mittel- und Hinterbeinen fehlen Loben fast vollständig. Lediglich die äußeren distalen Enden können entweder leicht erweitert sein oder weisen kleine bis mittelgroße Lappen auf.

Die Vorderflügel (Tegmina) der Weibchen sind lang und reichen bis zum achten oder neunten Segment des Abdomens, während die Tegmina der Männchen von mittlerer Länge sind und bis zum dritten Abdominalsegment reichen. Die Hinterflügel (Alae) der Weibchen sind stark reduziert und nur als rudimentäre Stummel erkennbar. Die Alae der Männchen sind vollständig entwickelt, oval-fächerförmig und reichen etwas über das letzten Abdominalsegment hinaus.

Die Form des Abdomens variiert. Die der Weibchen von Vaabonbonphyllium groesseri wirkt annähernd rechteckig, mit parallelseitigem, viertem bis sechstem Segment. Das siebte Segment ist stark gelappt und verjüngt sich in Richtung des achten, schmaleren und schwach gelappten Segments. Das Abdomen der Männchen von Vaabonbonphyllium groesseri verbreitert sich zum vierten Segment leicht und zum sechsten Segment stark. Das siebte Segment ist variabel, da es sich je nach Individuum sowohl zur Abdomenspitze verjüngen als auch lappig ausgezogen sein kann. Beim Männchen von Vaabonbonphyllium rafidahae ist die Abdominalform einfach. Alle Segmente haben eine ähnliche Breite und die Ränder verlaufen nahezu parallel, was dem Abdomen ein schmales, klingenartiges Aussehen verleiht.

Als autapomorphes Merkmal der Gattung wird die Anordnung und Ausprägung bestimmter Longitudinaladern der Vorderflügel (Tegmina) angesehen. Bei den Weibchen spaltet sich die erste Radialader (R1) der Tegmina frühzeitig vom Radius ab, nämlich nach etwa einem Drittel des Weges zwischen Flügelbasis und Radius-Media-Querader (R–M) bzw. der Biegung zum Radialsektor. Bei allen anderen Wandelnden Blättern spaltet sich die erste Radialader erst auf halber Strecke oder auf mehr als halber Strecke zwischen Flügelbasis und Radius-Media-Querader bzw. der Biegung zum Radialsektor oder sogar später vom Radius ab. Bei den Männchen verläuft die Medianader (M) der Tegmina in mehreren Aderbreiten Entfernung parallel zum Radialsektor (Rs) und die hintere Medianader (Media posterior = MP) teilt sich in der distalen Hälfte der Tegmina, biegt sofort ab und verläuft dann parallel zur vorderen Medianader (Media anterior = MA) bis zur Flügelspitze. Im Gegensatz dazu verlaufen bei anderen Gattungen der Wandelnden Blätter die Median- und Radialadern typischerweise nebeneinander, berühren sich entweder komplett oder beinahe und der hintere Ast bzw. die hinteren Äste der Medianader teilt/teilen sich in der proximalen Hälfte oder nahe der Mitte der Flügellänge und verlaufen divergierend, und damit nicht parallel von der Media posterior zum Flügelrand, also nicht zur Flügelspitze.[2]

Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet der Gattung Vaabonbonphyllium liegt auf den Salomonen und auf Papua-Neuguinea. Vaabonbonphyllium groesseri wurde auf den Salomonen Inseln Bougainville, Kolombangara, Nggela, Guadalcanal und Malaita nachgewiesen. Das einzige bekannte Männchen von Vaabonbonphyllium rafidahae stammt aus Papua-Neuguinea, genauer aus Mount Hagen bzw. vom Vulkan Mount Hagen, in der Western Highlands Province.[2]

Systematik

Frank H. Hennemann et al. schlugen 2009 für die Gattung Phyllium und deren damalige Untergattungen die Einteilung in Artengruppen vor. Die 1998 von Oliver Zompro beschriebene Phyllium groesseri stellten sie mit fünf anderen Arten in die frondosum-Artengruppe. Alle sechs Arten wurden damals in der Untergattung Pulchriphyllium geführt.[4] Während die anderen fünf Arten seit 2020 der Gattung Nanophyllium zugerechnet werden, wurde Phyllium groesseri 2021 in Pulchriphyllium überführt, die den Status einer Gattung erhielt. Royce T. Cumming und Stéphane Le Tirant überstellten sie 2022 als Typusart in die von ihnen aufgestellte Gattung Vaabonbonphyllium. Gleichzeitig wurde mit Vaabonbonphyllium rafidahae die zweite Art der Gattung beschrieben.

Der Name „Vaabonbonphyllium“ bedeutet „Blatt, das auf die Nacht wartet“ und setzt sich aus dem latinisierten Namen Phyllium, der Typusgattung der Familie (vom griechischen φυλλον, -ου (phyllon, -oy) + -um) und dem Präfix „vaabonbon“ aus der Teop-Sprache Papua-Neuguineas zusammen, was „auf die Nacht warten“ bedeutet. Der Name soll die indigene Bevölkerung der Insel Bougainville, dem Typusfundort der Gattung ehren, welche die Teop-Sprache nutzen und darauf hinweisen, dass diese Insekten außergewöhnlich gut getarnt und nachtaktiv sind. Sie verharren tagsüber reglos und sind daher in Sammlungen äußerst selten und wenig bekannt. Wie Phyllium ist auch Vaabonbonphyllium sächlich.[1][2]

Die Gattung Vaabonbonphyllium umfasst derzeit die beiden folgenden Arten:[1]

  • Vaabonbonphyllium groesseri (Zompro, 1998)
  • Vaabonbonphyllium rafidahae Cumming & Le Tirant, 2022

Cumming und Le Tirant begründen die Abspaltung der Gattung Vaabonbonphyllium von Pulchriphyllium u. a. auch mit den Verwandtschaftsverhältnissen innerhalb der Phyllioidea, die sie in ihrer Arbeit darstellen. Die Begründung basiert auf morphologischen und molekulargenetischen Unterschieden.[2] Letztere beziehen sich auf Untersuchungen vorangegangener Arbeiten, in denen allerdings keine der späteren Vaabonbonphyllium-Arten untersucht worden sind.[5] In die morphologische Betrachtung wurden Männchen beider Vaabonbonphyllium-Arten und Weibchen von Vaabonbonphyllium groesseri einbezogen. Die phyllogenetische Einordnung der Gattung Vaabonbonphyllium wurde unter Verwendung der Bayesschen Inferenz vorgenommen, was in diesem Fall nach morphologischen Merkmalen bedeutet. Demnach ist Vaabonbonphyllium enger mit den Gattungen Chitoniscus, Rakaphyllium und Pulchriphyllium verwandt, als mit allen anderen Gattungen (Siehe auch Kladogramm der Phylliidae).[2]

Commons: Vaabonbonphyllium – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikispecies: Vaabonbonphyllium – Artenverzeichnis

Einzelnachweise

  1. a b c Paul D. Brock, Thies H. Büscher & Edward W. Baker: Chitoniscus in the Phasmida Species File Online. (abgerufen am 6. Dezember 2025)
  2. a b c d e f g Royce T. Cumming & Stéphane Le Tirant: Three new genera and one new species of leaf insect from Melanesia (Phasmatodea, Phylliidae). In: ZooKeys. 1110, 2022, S. 151–200, doi:10.3897/zookeys.1110.80808
  3. Detlef Größer: Wandelnde Blätter, 2. Auflage, Edition Chimaira, Frankfurt am Main 2008, S. 120, ISBN 978-3-930612-46-8
  4. Frank H. Hennemann, Oskar V. Conle, Marco Gottardo & Joachim Bresseel: Zootaxa 2322: On certain species of the genus Phyllium Illiger, 1798, with proposals for an intra-generic systematization and the descriptions of five new species from the Philippines and Palawan (Phasmatodea: Phylliidae: Phylliinae: Phylliini), Magnolia Press, Auckland, New Zealand 2009, ISSN 1175-5326
  5. Sarah Bank, Royce T. Cumming, Yunchang Li, Katharina Henze, Stéphane Le Tirant & Sven Bradler: A tree of leaves: Phylogeny and historical biogeography of the leaf insects (Phasmatodea: Phylliidae). In: Communications Biology. Band 4, Artikel 932, 2021, doi:10.1038/s42003-021-02436-z (Open Access).