Gustav Tietze
Koordinaten: 51° 19′ 55,1″ N, 12° 24′ 40,5″ O
| Gustav Tietze Gustav Tietze AG Famos Leipziger Stempelwaren- und Maschinenfabrik VEB Famos Leipziger Stempelwarenfabrik VEB Famos Leipzig Leipziger Stempelwaren Famos GmbH | |
|---|---|
| Rechtsform | Einzelunternehmen (bis 1923) AG (1923–1948?) VEB (1948?–1990) GmbH (ab 1990) |
| Gründung | 1896 |
| Auflösung | 1991 |
| Sitz | Leipzig, Deutschland |
| Leitung | Gustav Tietze (bis 1931) Elisabeth Tietze (1931–1948?) |
| Mitarbeiterzahl | ca. 400 (1922)[1] |
| Branche | Stempel, Maschinen, Spielwaren |
Gustav Tietze war ein Unternehmer, der ab 1896 in Leipzig Stempel herstellte, später produzierte er auch Stempelfarben, -spiele, Schreibmaschinen und ähnliches. Er verwendete die Marke Famos (Eigenschreibweise: „FAMOS“) unter anderem für einfache Schreibmaschinen, Kinder-Druckereien und Kinderpost-Spiele. Das Geschäft wurde von der 1923 gegründeten Gustav Tietze AG fortgeführt.
1946 wurde die Aktiengesellschaft verstaatlicht und wurde zu einem Volkseigenen Betrieb. Sie hieß dann Famos Leipziger Stempelwaren- und Maschinenfabrik, später VEB Famos Leipziger Stempelwarenfabrik und danach bis 1990 VEB Famos Leipzig.
Nach der Wende wurde daraus 1990 die Leipziger Stempelwaren Famos GmbH, die bereits 1991 ihren Betrieb einstellte.
Der Standort des Unternehmens war ab etwa 1903 durchgehend Ecke Martinstraße / Eilenburger Straße in Leipzig.
Geschichte
Karl Gustav Richard Tietze[2] (* 1872;[3] † 10. Juni 1931)[1] begann im September 1896 in Schönefeld, Dimpfelstraße 55, mit der Herstellung von „Elfenbein-Monogrammen“,[1] im Juni 1899 wurde die Firma „Gustav Tietze“ im Handelsregister Leipzig eingetragen[2] und Räume in der Königstraße 25 gemietet.[1] 1900 wurden Druckkästen und Tierstempelspiele als Kinderspielzeug hergestellt.[1] Anfang 1901 hatte das Unternehmen 23 Angestellte,[1] ab etwa 1903 war die Firma in der Martinstraße 24 ansässig, wo man mittels Dampfkraft effizienter herstellen konnte.[1] Ab 1910 wurden einfache Schreibmaschinen hergestellt. Bis 1913 wurde eine Niederlassung in Bodenbach und in Wien eingerichtet, mittlerweile wurde auch im Ausland verkauft.[1] 1922 wurde ein großes Geschäftshaus auf dem Grundstück in der Martinstraße gebaut.[1] Das angrenzende Fabrikgebäude war dann in der Eilenburger Straße 55.[1] In Dölau wurde ein Sägewerk gekauft, sodass etwa 400 Personen beschäftigt waren.[1]
1923 wurde das Privatunternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt; Gustav Tietze hielt 99,96 % der Aktien, die anderen vier Aktionäre bildeten den ersten Aufsichtsrat.[4] Für neue Artikel wurde ein zusätzliches Fabrikgrundstück in der Torgauer Straße gemietet.[1]
1931 starb Gustav Tietze und seine Frau Elisabeth Tietze geborene Friedrich übernahm die Leitung des Unternehmens.[5] Die Holzbearbeitung wurde nun in der Eilenburger Straße durchgeführt und das Sägewerk in Dölau stillgelegt, der Pachtvertrag in der Torgauer Straße lief aus.[1] Ein Feuer zerstörte das Dachgeschoss und beschädigte weitere Teile des Fabrikgebäudes, viele Menschen mussten entlassen werden.[1] Das Unternehmen konnte sich wieder erholen und 1936 waren 273 Arbeiterinnen und Arbeiter beschäftigt.[1]
Nach 1945
Am 30. Juni 1946 wurde die Aktiengesellschaft verstaatlicht, indem die Aktien aus dem Familienbesitz zu Gunsten des Landes Sachsen enteignet wurden.[6] Im Adressbuch 1947 war noch Elisbath Ye geborene Friedrich als Vorstand der „Gustav Tietze AG“ eingetragen.[7] Die Aktiengesellschaft wurde in einen Volkseigenen Betrieb umgewandelt und hieß dann „Famos Leipziger Stempelwaren- und Maschinenfabrik“ und war der VVB Druck und Verlag zugeordnet.[8] Im Adressbuch 1949 war „Famos – Leipziger Stempelwaren- und Maschinenfabrik – Vereinigung volkseigen. Betriebe Land Sachsen / Druck u. Verlag“ eingetragen;[9] der Betrieb produzierte Stempelwaren aller Art, Stempelkissen, Stempelfarben, Vulkanisierpressen, Zubehör zur Gummistempelherstellung sowie typographische Spielwaren wie Stempelspiele und Druckkästen für Kinder, Kinderpost und anderes.[9] Im Dezember 1948 wurde eine Wort-/Bildmarke angemeldet;[10] die Marke war bis 1978 geschützt.[10] Das vorher von Gustav Tietze bereits verwendete „Famos“-Logo (stilisierte Weltkugel mit dem Schriftzug „FAMOS“)[11] wurde vom Volkseigenenen Betrieb weiterverwendet.[9] Ab etwa den 1970er Jahren wurde ein neues Logo mit einer stilisierten Ente und dem Schriftzug „FAMOS-SPIELWAREN“[12] verwendet.
Später hieß der Betrieb „VEB Famos Leipziger Stempelwarenfabrik“.[13] Als „VEB Famos Leipzig“[14] gehörte es ab 1981 dem Kombinat Spielwaren an. Ein weiteres Werk vom „VEB Famos Leipzig“ gab es in Roßwein.[15]
Nach der Wende wurde 1990 aus dem Betrieb in der Eilenburger Straße 55 eine GmbH, die „Leipziger Stempelwaren Famos GmbH“,[14] die bereits 1991 ihren Betrieb einstellte.[14] Es wurden alle Arbeiter entlassen und der Betrieb geschlossen. Rückgabeansprüche wurden keine gestellt. Bis November 1993 wurden Teile der sehr vielen kleinen Zweigbetriebe in Plagwitz (Leipzig) im alten Industriegebiet im Westen der Stadt zerstört und abgerissen.[16]
2013 wurde unter dem Namen „Famoswerk“ ein anderes Unternehmen mit Firmensitz in Potsdam gegründet, welches Stempelwaren in Anlehnung an „Famos“ vertrieb;[17] 2023 wurde der Webshop geschlossen.[18]
Produkte (Auswahl)
- Stempel
- Schreibmaschinen
- Kinderdruckereien
- „Famos“-Druckerei No. 121[23]
- Kinderpost
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i j k l m n o 40 Jahre - 1896-1936 - Gustav Tietze AG (PDF; 3,2 MB) auf crazy-type.blog, abgerufen am 13. Oktober 2025
- ↑ a b Leipzig. Handelsregistereinträge. Am 23. Juni. Fol. 10417. „Gustav Tietze“, Inhaber Karl Gustav Richard Tietze in Deutscher Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischer Staats-Anzeiger No. 156, Vierte Beilage vom 5. Juli 1899, abgerufen auf digi.bib.uni-mannheim.de am 15. Oktober 2025
- ↑ Gustav Tietze bei Find a Grave, abgerufen am 13. Oktober 2025
- ↑ Leipzig. Auf Blatt 22559 des Handelsregisters ist heute die Firma Gustav Tietze Aktiengesellschaft in Leipzig (Eilenburger Str. 55) und weiter folgendes eingetragen worden in Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger Nr. 230 vom 4. Oktober 1923, Dritte Zentral-Handelsregister-Beilage, abgerufen auf deutsche-digitale-bibliothek.de am 15. Oktober 2025
- ↑ Leipzig. In das Handelsregister ist heute eingetragen: 1. auf Blatt 22 559, betr. die Firma Gustav Tietze Aktiengesellschaft in Leipzig in Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger Nr. 292 vom 15. Dezember 1931, abgerufen auf deutsche-digitale-bibliothek.de am 16. Oktober 2025
- ↑ Gustav Tietze AG auf aktiensammler.de, abgerufen am 14. Oktober 2025
- ↑ Gustav Tietze AktGes in Leipziger Adreßbuch mit Markkleeberg, Böhlitz-Ehrenberg, Engelsdorf, Mölkau, 1947, abgerufen digital.slub-dresden.de am 16. Oktober 2025
- ↑ Ehemalige Industrie, Volkseigene Betriebe VEB und Kombinate in der DDR – VVB Druck und Verlag auf mil-airfields.de, abgerufen am 16. Oktober 2025
- ↑ a b c „Famos“ – Leipziger Stempelwaren- und Maschinenfabrik in Leipziger Adreßbuch mit Markkleeberg, Böhlitz-Ehrenberg, Engelsdorf, Mölkau, 1949, abgerufen digital.slub-dresden.de am 16. Oktober 2025
- ↑ a b Registerauskunft Registernummer DD602623 auf register.dpma.de, abgerufen am 16. Oktober 2025
- ↑ Logo „VEB FAMOS“ auf BoardGameGeek, abgerufen am 16. Oktober 2025
- ↑ Logo „VEB FAMOS“ auf BoardGameGeek, abgerufen am 16. Oktober 2025
- ↑ Ehemalige Industrie, Volkseigene Betriebe VEB und Kombinate in der DDR – VEB Famos Leipziger Stempelwarenfabrik auf mil-airfields.de, abgerufen am 16. Oktober 2025
- ↑ a b c HRB 926 beim Amtsgericht Leipzig, abgerufen auf handelsregister.de am 13. Oktober 2025
- ↑ DDR – unsere volkseigenen Betriebe. Eintrag bei ddr.bizhat.com.
- ↑ Bertram Kober: Famos abgewickelt. 1990 auf bertramkober.de, abgerufen am 16. Oktober 2025
- ↑ Wiederbelebung ( vom 4. Dezember 2022 im Internet Archive)
- ↑ Längere-Pause-Macher. ( vom 7. Februar 2023 im Internet Archive)
- ↑ a b c Reinhold Schubert: Aktiv auf saechsischeschreibmaschinen.com, abgerufen am 14. Oktober 2025
- ↑ Reinhold Schubert: Geniatus auf saechsischeschreibmaschinen.com, abgerufen am 14. Oktober 2025
- ↑ Arnold Betzwieser: Geniatus auf stb-betzwieser.de, abgerufen am 14. Oktober 2025
- ↑ luto77: Recherche-Odysee – Gustav Tietze AG – ´EXACT´ Typenrad-Schreibmaschine vom 30. Mai 2017 auf crazy-type.blog, abgerufen am 14. Oktober 2025
- ↑ Druckerei No 121 Von 1923 Stempelwarenfabrik Gustav Tietze auf eBay, abgerufen am 14. Oktober 2025
- ↑ Kinderpost "Kinderpost Nr. 510" bei Museumsstiftung Post und Telekommunikation, abgerufen am 14. Oktober 2025
- ↑ Kinderpost "Kinder-Postamt Nr. 967" bei Museumsstiftung Post und Telekommunikation, abgerufen am 14. Oktober 2025