VEB Brückenbau Dresden

VEB Autobahnbaukombinat Teilbetrieb Brückenbau Dresden

Rechtsform Betriebsteil eines VEB Kombinat
Gründung 1964
Auflösung 1990
Auflösungsgrund Privatisierung
Sitz Dresden, Deutschland Demokratische Republik 1949 Deutsche Demokratische Republik
Branche Bauwesen
Stand: 1. Mai 1990

Das VE Autobahnbaukombinat Teilbetrieb Brückenbau Dresden war ein Betriebsteil des Volkseigenen Autobahnbaukombinats und hatte seine Hauptverwaltung in Dresden, Zwickauer Straße 27. Der VEB Bau-Union Süd Dresden war ein volkseigener Betrieb der DDR, der am 1. Oktober 1952 gegründet wurde und der Kasernierten Volkspolizei unterstellt war. Er war Teil der Bauwirtschaft und an verschiedenen Großprojekten wie dem Autobahnbau und dem Aufbau der Industrie beteiligt. Der Betrieb wurde 1990 in die Bau Union Süd GmbH umgewandelt, die später privatisiert wurde.

Geschichte

Die Geschichte des Betriebs ist im engen Zusammenhang mit der des VEB Bau-Union Süd, gegründet 1. Oktober 1952, dem Ministerium des Innern - Kasernierte Volkspolizei - Bauverwaltung unterstellt, sowie des VEB Autobahnkombinat, gegründet 1. Januar 1964. Entsprechend der sich politischen wandelnden Schwerpunkte und einhergehend mit einer zunehmenden Spezialisierung wurden dem Betrieb andere Betriebe ein- bzw. ausgegliedert. Schwerpunkte waren in den Jahren 1953–1956 Aufbau und Landesverteidigung, von 1957 bis 1963 Industrieaufbau, von 1964 bis 1968 Bildung von Spezialkombinaten Verkehrsbau, in den Jahren 1968–1977 Autobahnneubau, z. B. Dresden – Leipzig, 1978–1990 komplexe Verkehrslösungen und einzelne Großbauwerke. Aus dem VEB Autobahnbaukombinat, Betrieb Brückenbau, Dresden entstand am 1. Mai 1990 die Bau Union Süd GmbH.

Entwicklung

Am 1. Januar 1964 schlossen sich mehrere führende Betriebe auf Beschluss des Ministerrates der DDR zum Autobahnbaukombinat zusammen. Somit wurde später aus dem Betrieb VEB Bauunion Süd Dresden der Betrieb Brückenbau Dresden. In der Folge schlossen sich weitere Betriebe dem Kombinat an. Diese Entwicklung und Konzentration der Produktionskapazitäten des Verkehrsbaues ergab sich aus der Vergangenheit der Produktionsverhältnisse der DDR und entsprach den damaligen Erfordernissen der wissenschaftlichen-technischen Revolution. Generaldirektor war der Oberingenieur Waldemar Gromzig.

Betriebsdirektor Amtszeit
Oswald Graupner 1964–1968
Heinz Schultz 1968–1971
Wilfried Gey 1971–77
Heinz Schultz 1978

Bei der Bildung des Kombinates waren folgende Hauptproduktionslinien im damaligen Betriebe vertreten:

  • Industriebau
  • schienengebundener Betonstraßenbau für Autobahnrekonstruktionen und dem Flugplatzbau
  • Erdbau, besonders der Einsatz mit einer größeren Kapazität von Flachbaggern.

Aufgaben des Verkehrsbaues

Die neuen Aufgaben des Verkehrsbaues erforderten eine Umprofilierung der Industriebaukapazität. In der Folgezeit wurden umfangreiche Verkehrsbaumaßnahmen realisiert:

Am 1. Juli 1968 kam der Betrieb Weimar zum damaligen Betrieb Süd dazu. Durch die Möglichkeit der Modernisierung der Betriebs- und Grundmittel durch den Ministerrat der DDR wurden moderne neue Maschinen und Geräte angeschafft, wie den Gleitschalenfertiger und Großmischanlage SGME. Als Teststrecke diente das Vorhaben der Autobahnstrecke von 27 Kilometern Karl-Marx-Stadt nach Zwickau.

Nach erfolgreichen Test begannen die Vorbereitungen auf den Autobahnneubau Leipzig-Dresden. Gleichzeitig mussten die vorherigen Baumaßnahmen weiter gebaut und abgeschlossen werden.

Im Jahr 1973 wurde der Betrieb Weimar wieder ausgegliedert und die Kapazitäten Brückenbau, Gleitschalenbau und schienengebundener Betonstraßenbau bis zur Bildung des Betriebes Brückenbau an folgenden Verkehrsbaumaßnahmen eingesetzt:

  • Autobahnbau HainichenNossen – Dresden, 43 km Reko.
  • Rast- und Tankstellenkomplex Wilsdruff sowie Brücke Wilsdruff
  • Autobahn Berlin – Rostock mit Südverbindung
  • Verkehrskomplex Großbrücke über die Elbe in Bad Schandau F 172/LIO 169

Weiterhin realisierte Bauvorhaben:

  • Weiterbau der Autobahn Wittstock Zarrentin und Neustadt/Glewe – Schwerin.
  • Autobahnzubringer Berliner Ring/Stolpe.
  • Autobahn Eisenach – Wartha.
  • Autobahnrekonstruktion Hermsdorfer Kreuz – Hirschberg.
  • Verkehrsverbindung Potsdam – Teltow (Hochstraße und Havelbrücke).
  • Verlegung von Fernstraßen um Leipzig - Espenhain
  • Erschließung der Neubaugebiete in Leipzig-Grünau und Gera-Lusen
  • Verkehrskomplex Karl-Marx-Stadt sowie Leisnig Muldentalbrücke.

Brückenbau Dresden

Am 1. Januar 1978 wurde unter der Führung des Generaldirektors Gromzig der Betrieb Brückenbau Dresden mit Sitz in Dresden Zwickauer Straße gegründet.

Das Produktionsprofil des Brückenbaues wurde durch zwei Hauptproduktionslinien:

bestimmt.

Seither erfolgte der Einsatz der Brückenbauer an Einzelstandorten komplexer Verkehrsbaumaßnahmen sowie im Autobahnneubau als auch in der Reko, wie folgend aufgeführt:

Mit der Weiterentwicklung des wissenschaftlichen und technischen Fortschrittes und internationalen Standards im Massivbrückenbau wurde die Brücke Lucka – Groitzsch im Taktschiebeverfahren erfolgreich erprobt. Die gesammelten Erfahrungen fanden beim Bauleistungsexport in Jemen Anwendung.

Die Exporttätigkeit erhöht sich, so wurden Brücken- und Tunnelbauwerke unter anderen in der BRD, Aden, Jemen sowie Erdgastrasse Orenburg, CSSR, Ungarn und Bulgarien ausgeführt.

Brückenbauweisen

Fertigteilbrücken

Die ersten vorgespannten Brücken wurden bereits im Jahre 1956 errichtet. Die in einem Spannbett vorgefertigten Teile hatten diverse Längen von 7 m bis 27 m und sind nach der Montage mit Ortsbeton zur Vollplatte ergänzt worden. Im Zeitraum von 1970 bis 1988 wurden folgende Fertigteilbrücken innerhalb der DDR gebaut:

  • Vollmontage-Mehrfeldbrücken mit einer Brückenlänge von 55 m: 412 Brücken
  • Teilmontage-Einfeldbrücken mit einer Brückenlänge von 18 m: 523 Brücken
  • Teilmontage-Einfeldbrücken mit einer Brückenlänge von 12 m: 644 Brücken

Ortbetonbrücken

Die in der DDR angewandten Verfahren waren der Freivorbau, feldweise Herstellung auf Traggerüst und Taktschiebeverfahren. Dabei waren eine statische Berechnung auf den Stahl- und Stahlverbundbrückenbau die nötige Voraussetzung.

Freivorbau

Ab 1963 wurden die ersten Brücken im Ortbeton-Freivorbau besonders über Flussläufe errichtet. Dabei wurde ein universeller Vorbauwagen eingesetzt mit einer Vorbaulänge von bis 3,50 m. Die Stegabstände bleiben dabei weiter variabel entsprechend der statischen Berechnungen angewandt wurden. Diese Bauweise setzte sich bis 1989 fort.

Bauvorhaben Bauzeit
Saalebrücke Kunitz 1963–1964
Kanalbrücke Marquardt B273 1965–1966
Kanalbrücke Liepe 1968
Elisabethbrücke Halle 1969–1970
Schleusenbrücke Halle 1969–1970
Elbbrücke Bad Schandau 1975–1977
Friedrichbrücke Berlin 1981
Warnowbrücke Rostock 1985
Peenebrücke Anklam 1988–1989

Brückenbau mit kompletten Lehrgerüst

Die ersten Spannbetonbrücken wurden im Jahr 1955 projektiert und im Jahr 1956 ausgeführt, es waren die Brücke in Unterwellenborn und Saarmund. Wie auch das Spannblockverfahren ein komplettes Leergerüst erforderte, damit waren die Baukosten erheblich. Somit endete gegen 1970 die Herstellung solcher Brücken mit dem Stahl St 140/160.

Bauvorhaben Bauzeit
Brücke Unterwellenborn 1956
Nuthebrücke Saarmund B273 1956
Brücke Neue Fahrt Potsdam 1958–1961
Havelbrücke Milow 1959–1960
Carolabrücke Dresden 1968–1971
Baumgartenbrücke Geltow 1987

Brücken im Spannblockverfahren mit kompletten Lehrgerüst:

Bauvorhaben Bauzeit
Havelbrücke Hennigsdorf 1961–1962
Brücke in Roßleben 1964
Quenzbrücke Brandenburg 1965–1966
Mühlendammbrücke Berlin 1965–1968
Elsenbrücke Berlin 1966–1967
Brückenüberführung Brandenburg 1968–1969 1968–1969
Fußgängerbrücke Magdeburg 1969–1970 1969–1970

Brückenbau mit feldweise kompletten Lehrgerüst

Bauvorhaben Bauzeit
Talsperre Rauschenbach 1964–1965
Brücke Kleine Plaunesche Gasse Dresden (Brücke Budapester Straße) 1964–1966
Brücke Thälmannplatz Halle 1965–1967
Hochstraße Wismar 1968–1970
Hochstraße Neubrandenburg 1969–1971
Hochstraße Bad Schandau B 172 1974–1975
Hochstraße Potsdam-Babelsberg 1979–1980
Hochstraße Wuhlheide Berlin 1987

Taktschiebeverfahren

Ab dem Jahr 1983 wurden die Voraussetzung für mehrere Bauvorhaben zur rationellen Ausführung im Taktschiebeverfahren durch speziell entwickelte Schalung, einem Baukastensystem als Vorschubschnabel des Vorschubkomplex und der Bautechnologie angewandt. Dabei konnten die vier Teile des Vorschubschnabels eine Brückenstützweite- und Querschnitt von circa 18 bis 36 m kombiniert werden.

Bauvorhaben Bauzeit
Talsperre Schönbrunn 1974
Brücke Lucka 1983
Brücke in Aden Bw1 1985
Brücke in Gera 1988
Eisenbahnbrücken in Hetzdorf 1988–1990

Moderner Brückenbau im Spannverfahren

In den 50er Jahren spezialisierte sich der Brückenneubau auf das Spannverfahren. Für die ersten Spannbetonbrücken wurden bereits im Jahre 1956 ein Stahl Q 26mm aus eigener DDR-Produktion St 60/90 als Einstabspannglied mit Ankerplatte ESG 25 verwendet. Ab 1961 wurde beim Spannbetonbrückenbau ein ovaler, schräg gerippter Stahl St 140/160 ebenfalls aus Inlandsproduktion mit einer Querschnittsfläche von 35, 40 und 50 mm² verwendet. Dieses Verfahren des Spannblockbaues währte nur bis 1970. Danach fanden mit dem gleichen Spannstahl hergestellter Bündelspannglieder mit Nennspannkräften von 250 bis 1000 kN im Brückenbau Anwendung.[1][2][3][4][5]

Zusammenfassung

In den Jahren von 1950 bis 1990 wurden rund 500 Kilometer Autobahn zweispurig neu gebaut und circa 650 Kilometer Richtungsfahrbahn erneuert. Der Brückenbau von den circa 2000 Brücken erfolgte nur durch spezialisierte Betriebe des Autobahnbaukombinates. In der letzten Zeit der DDR sind es der Betrieb Brückenbau Dresden für die Massivbrücken sowie der Betrieb Stahlbrückenbau Könnern für die Stahlbrücken. Für den Neu- und Ausbau der Transitstrecken im Rahmen des Transitabkommens hat die BRD dabei etwa 2,2 Milliarden DM an die DDR entrichtet. Einschließlich ist in den Jahren 1981–1984 der Autobahnneubau des Abschnittes Wartha – Eisenach (A 4) mit Grenzübergang gebaut und durch das westdeutsche Bauunternehmen HOCHTIEF die Werratalbrücke bei Hörschel mit einer Länge von 732 Meter und einer Höhe von 85 Meter auf dem Gebiet der DDR errichtet.[6]

1990

Nach der politischen Wende der DDR wurde der Betrieb VEB Autobahnbaukombinat, Betrieb Brückenbau am 1. Mai 1990 in Dresden in Bau Union Süd GmbH privatisiert und umgewandelt.

Literatur

  • Jürgen Langrock, Joachim Schuchardt, Wolfgang Verch; Betonbrückenbau; Verlag für Bauwesen, VEB, 1979
  • VEB Autobahnbaukombinat, 10 Jahre Autobahnbaukombinat, Verlag=Volksstimme Magdeburg, Ort=Magdeburg, Datum=1974
  • VEB Autobahnbaukombinat, 20 Jahre Autobahnbaukombinat, Verlag=PolyDruck Freital beim Großbetrieb Völkerfreundschaft Dresden, Ort=Freital, Datum=1984
  • VEB Autobahnbaukombinat, 25 Jahre Autobahnbaukombinat, Verlag=Volksstimme Magdeburg, Ort=Magdeburg, Datum=1988
  • Technikgeschichte des Straßenwesens der DDR, FGSV-Verlag GmbH Köln 1999
  • Wolfgang Verch; 35 Jahre Planung und Ausführung von Spannbeton-Straßenbrücken in der DDR, Wissenschaftliche Zeitschrift der Technischen Universität Dresden 47, 1998
  • Thiemann, Eckhard, Wolfgang Verch, Herbert Liman; Brücken in Brandenburg, Verlag: Marika Großer, Berlin; ISDN 13 9783910134041

Einzelnachweise

  1. VEB Autobahnbaukombinat: 10 Jahre Autobahnbaukombinat. PolyDruckFreital beim Großbetrieb Völkerfreundschaft Dresden, Freital 1974, S. 1 ff.
  2. VEB Autobahnbaukombinat: 20 Jahre Autobahnbaukombinat. PolyDruckFreital beim Großbetrieb Völkerfreundschaft Dresden, Freital 1984, S. 1 ff.
  3. VEB Autobahnbaukombinat: 25 Jahre Autobahnbaukombinat. Volksstimme Magdeburg, Magdeburg 1988, S. 3 ff.
  4. Jürgen Langrock, Joachim Schuchardt, Wolfgang Verch: Betonbrückenbau Verlag für Bauwesen, VEB, 1979
  5. Thiemann, Eckhard, Wolfgang Verch, Herbert Liman: Brücken in Brandenburg Verlag: Marika Großer, Berlin
  6. https://autobahngeschichte.de/autobahnbau-in-der-ddr/Autobahnbau, abgerufen am 11. November 2025