V5-Schnittstelle

Die V5-Schnittstelle ist eine standardisierte Schnittstelle zur Verbindung einer digitalen Ortsvermittlungsstelle mit einem Zugangsnetz. Über diese Schnittstelle können alle schmalbandigen Dienste für analoge (POTS) und digitale Teilnehmer (ISDN) den am Zugangsnetz angeschlossenen Teilnehmern geboten werden. Die internationale Standardisierung der V5-Schnittstelle und die offengelegten Netzwerkprotokolle an dieser Schnittstelle, die V5-Protokolle, ermöglichen es, Komponenten des Zugangsnetzes von verschiedenen Netzbetreibern an Vermittlungsstellen anzuschließen. Alternative Netzbetreiber müssen daher keine eigenen flächendeckenden Netze mit Vermittlungsstellen aufbauen, sondern können sich darauf beschränken, regionale Zugangsnetze aufzubauen, die dann über V5-Schnittstellen die Vermittlungsleistung des bestehenden Netzes an Vermittlungsstellen nutzen können. Die offengelegte V5-Schnittstelle ist daher ein wichtiges Hilfsmittel der Deregulierung des Telefonmarktes.

Es gibt zwei Ausführungen der V5-Schnittstelle:

V5-Protokolle

Die V5-Protokolle steuern Einrichtungen des Zugangsnetzes, sogenannte „access nodes“ oder „access networks“, die über eine V5.1- oder V5.2-Schnittstelle an eine digitale Vermittlungsstelle angeschlossen werden können.

V5.1-Schnittstelle

Eigenschaften

Die wesentlichen Eigenschaften der V5.1-Schnittstelle sind:[1]

  • 2-Mbit/s-Schnittstelle (E1) zur Vermittlungsstelle
  • teilnehmerseitig können angeschlossen werden:
  • insgesamt maximal 30 Teilnehmerkanäle, z. B. 12 analoge und 9 Basisanschlüsse
  • zu jedem Teilnehmeranschluss am Zugangsnetz gehören fest zugewiesene Nutzkanäle an der V-Schnittstelle

Protokolle

1. Protokollkomponente Signalisierung:
analog: Die IWV- und MFV-Signalisierung der Endgeräte werden zur Vermittlungsstelle übertragen
ISDN: Durch D-Kanal (Steuer- und Zeichengabekanal)
2. Protokollkomponente Steuerinformation
C-Kanal: Signalisierungs- und Steuerkanal
3. Protokollkomponente
Timing- und Synchronisations-Informationen

V5.2-Schnittstelle

Eigenschaften

Die wesentlichen Eigenschaften der V5.2-Schnittstelle sind:[2]

  • bis zu 16 2-Mbit/s-Schnittstellen (E1) zur Vermittlungsstelle
  • teilnehmerseitig können angeschlossen werden:
    • analoge Telefonanschlüsse
    • ISDN-Basisanschlüsse
    • ISDN-Primärmultiplexanschlüsse
    • analoge Standleitungen
    • digitale Standleitungen
    • Kombinationen dieser Anschlüsse
  • Konzentratorfunktion mit dynamisch zugewiesenen Nutzkanälen, z. B. 4:1 (1920 Teilnehmern stehen bei Vollausbau 480 Kanäle zur Verfügung)

Protokolle

1. Kanal: Übertragungskanal
2. Kanal: Timing- und Synchronisationsinformationen
3. Kanal: C-Kanal
- Signalisierungs- und Steuerkanal
- Management zusätzlicher Kanäle
- gezielte Zuweisung einer Verbindung
- Beobachten von 2-Mbit/s-Strecken

Schichtenaufbau

Layer 2

  • Envelope Function Sublayer (EF-Layer)
  • Data Link Sublayer (DL-Layer)
DL-Adresse Layer-3-Protokoll V5.1 V5.2
0-8175 ISDN (SAPI, TEI) ja ja
8176 PSTN ja ja
8177 Control-Protokoll ja ja
8178 BCC-Protokoll nein ja
8179 Protection-Protokoll nein ja
8180 Link-Control-Protokoll nein ja

Layer 3

  • PSTN-Protokoll
Verbindungen des analogen Telefonnetzes werden hergestellt, verwaltet und kontrolliert abgebaut
  • ISDN-Protokoll
Anpassung der im D-Kanal genutzten Struktur
  • Control-Protokoll
  • Port-Control-Protokoll
Reservierung von ISDN beziehungsweise PSTN-Ports für eine Verbindung oder deren Freigabe nach Verbindungsende
  • Common-Protokoll
Allgemeine Koordination der Ports (zum Beispiel bei einem Restart des Systems)
  • Bearer-Channel-Protokoll
Verwaltung der physikalischen Zeitschlitze in dem sehr flexiblen Übertragungsweg zwischen EWSD und AN (nur bei V5.2)
  • Protection-Protokoll
Synchronisation der verschiedenen Links eines V5.2-Interfaces
  • Link-Control-Protokoll
Überwachung der Links hinsichtlich Blockaden und Sperrung von fehlerhaften Links (Vermeidung von Verbindungsstörungen)

Standardisierung

Die V5-Schnittstellen wurden 1994 von ETSI standardisiert.

  • ETSI ETS 300324 und EN 300324 V interfaces at the digital Local Exchange (LE); V5.1 interface for the support of Access Network (AN)
  • ETSI ETS 300347 und EN 300347 V interfaces at the digital Local Exchange (LE); V5.2 interface for the support of Access Network (AN)

Kurz darauf wurden die beiden europäischen Standards von ITU-T zu weltweiten Standards übernommen.

  • ITU-T G.964 V-interfaces at the digital local exchange (LE) - V5.1 interface (based on 2048 kbit/s) for the support of access network (AN)
  • ITU-T G.965 V-interfaces at the digital local exchange (LE) - V5.2 interface (based on 2048 kbit/s) for the support of access network (AN)

Weiterhin wurden die ETSI-Standards für V5.2 auch auf nationalen Ebenen gebilligt.

  • in Deutschland: DIN EN 300347-1 V-Schnittstellen an der digitalen Ortsvermittlungsstelle (LE); V5.2-Schnittstelle zur Unterstützung des Zugangsnetzes (AN); Teil 1: Spezifikation der V5.2-Schnittstelle
  • in Österreich: OENORM EN 300347-1 V interfaces at the digital Local Exchange (LE) - V5.2 interface for the support of Access Network (AN) - Part 1: V5.2 interface specification

Literatur

  • Wolfgang Frohberg (Hrsg.): Access-Technologien für den Zugang zu Telekommunikationsnetzen. 1. Auflage, Hüthig, Heidelberg 2001, ISBN 3-7785-3938-8.

Einzelnachweise

  1. a b ETSI: EN 300 324-1 V2.1.1: V interfaces at the digital Local Exchange (LE); V5.1 interface for the support of Access Network (AN); Part 1: V5.1 interface specification. 04-2000
  2. a b ETSI: EN 300 347-1 V2.2.2: V interfaces at the digital Local Exchange (LE); V5.2 interface for the support of Access Network (AN); Part 1: V5.2 interface specification. 12-1999