Uwe Pörksen
Uwe Pörksen (* 13. März 1935 in Breklum, Nordfriesland; † 9. Oktober 2025[1] in Freiburg im Breisgau[2]) war ein deutscher Germanist, Sprachwissenschaftler, Wissenschaftshistoriker, Sprachkritiker und Romanautor. Er lehrte von 1976 bis zu seiner Emeritierung 2000 als Professor für Deutsche Sprache und Ältere Literatur an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.
Leben und Werk
Pörksen wurde 1935 als Sohn des evangelischen Theologen und Missionars Martin Pörksen[3] und dessen Frau Elisabeth („Mona“), geb. Langlo, in Breklum (Kreis Husum) geboren. Nach dem Abitur 1954 studierte er Deutsch, Geschichte und Philosophie in Freiburg im Breisgau, Göttingen und Kiel und legte 1960 das erste Staatsexamen für das Lehramt an Höheren Schulen ab. Danach unternahm er zunächst Privatstudien und arbeitete als Hauslehrer kranker Kinder in West-Berlin, bevor er 1962–1964 das Referendariat im schleswig-holsteinischen Schuldienst absolvierte.[4]
Gefördert durch seinen Lehrer Friedrich Ohly wurde Pörksen 1964 Studienrat im Hochschuldienst an der Universität Kiel. Dort wurde er 1965 wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl des Sprach- und Literaturwissenschaftlers Hugo Steger und promovierte 1968 mit einer Schrift über den Erzähler im mittelhochdeutschen Epos. Mit Stegers Berufung an die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg wechselte Pörksen 1968 als dessen Assistent ebenfalls dorthin. Nach einem Habilitationsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)[5] habilitierte er sich 1975 in Freiburg mit einer Arbeit zu Goethes naturwissenschaftlichen Schriften.
Im Jahr 1976 wurde er selbst zum Professor für deutsche Sprache und ältere Literatur an der Universität Freiburg ernannt. Auf Vorschlag Peter Wapnewskis war Pörksen 1981/82 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Gastwissenschaftleraufenthalte führten ihn 1984 an das Colegio de Mexico und 1994/95 an das Kulturwissenschaftliche Institut Essen.[5] Im Jahr 2000 wurde er emeritiert.
Pörksens Arbeitsschwerpunkte waren neben der mittelhochdeutschen Epik (u. a. Wolfram von Eschenbach) die Geschichte der deutschen naturwissenschaftlichen Fachsprachen sowie Sprach- und Bildkritik. Besonders bekannt wurden seine Bücher Plastikwörter und Die politische Zunge: Eine kurze Kritik der öffentlichen Rede. Darin kritisiert er den Sprachgebrauch in der Politik und fordert, die öffentliche Debatte als Zentrum der Politik zu begreifen. Pörksen hat sich auch mit einem von ihm gesehenen „Verschwinden“ des Deutschen als Wissenschaftssprache auseinandergesetzt sowie mit der Prägung der deutschen Sprache durch Einwanderer. Außerdem schrieb er den im Pressemilieu spielenden Roman Schauinsland, der 1991 bei Klett-Cotta erschien.
Uwe Pörksen war mit der Germanistin Gunhild Pörksen (* 1943) verheiratet, die mehrere Schriften von Paracelsus übersetzte und publizierte.[6] Das Paar bekam drei Kinder, darunter den Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen (* 1969) sowie den Dramaturgen und Filmemacher Julian Pörksen (* 1985).
Mitgliedschaften
Pörksen war Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (seit 1986)[7] und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt (seit 1989), der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle (seit 1996)[8] und des PEN-Zentrums Deutschland.
Für die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung saß er im Rat für deutsche Rechtschreibung. Wegen Meinungsverschiedenheiten (Zitat: „Unsere Orthographiegeschichte ist in den 90er Jahren verunglückt, weil ein Gremium, das in den 50er Jahren gegründet wurde, um die Idee einer Kleinschreibung nach englischem oder dänischem Vorbild zu prüfen, sich, als die Idee zu den Akten gelegt wurde, nicht aufgelöst hat.“[9]) reichte er 2008 seine Austrittserklärung ein – in unreformierter Schreibweise.
Seit 2012 engagierte sich Pörksen in der Bürgerinitiative Pro Kulturhauptstadt Freiburg.[10]
Auszeichnungen
- Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (1984)
- Hermann-Hesse-Preis (1988)
- Deutscher Sprachpreis (1990)
Werke (Auswahl)
- Zur Geschichte deutscher Wissenschaftssprachen. Aufsätze, Essays, Vorträge und die Abhandlung „Erkenntnis und Sprache in Goethes Naturwissenschaft“ (= Lingua academica, Bd. 5). De Gruyter, Berlin 2020, ISBN 978-3-11-069265-5.
- Breklehem. Roman eines Dorfes. Husum Verlag, Husum 2016. ISBN 978-3-898-76847-4.
- Politische Rede oder Wie wir entscheiden. Wallstein Verlag, Göttingen 2016. ISBN 978-3-835-31930-1.
- Camelot in Grunewald: Szenen aus dem intellektuellen Leben der achtziger Jahre. C. H. Beck, 2014. ISBN 978-3-406-66958-3.
- Riß durchs Festland. Boyens Buchverlag, 2011. ISBN 978-3-804-21344-9.
- Was ist eine gute Regierungserklärung? Grundriß einer politischen Poetik (= Politik – Sprache – Poesie, Bd. 4). 2. Aufl. Wallstein, Göttingen 2004, ISBN 3-89244-766-7.
- Die politische Zunge. Eine kurze Kritik der öffentlichen Rede. Klett-Cotta, Stuttgart 2002, ISBN 3-608-94055-3.
- Weltmarkt der Bilder. Eine Philosophie der Visiotype. Klett-Cotta, Stuttgart 1997, ISBN 3-608-93407-3.
- Wissenschaftssprache und Sprachkritik. Untersuchungen zu Geschichte und Gegenwart (= Forum für Fachsprachen-Forschung, Bd. 22). Narr, Tübingen 1994, ISBN 3-8233-4531-1.
- Schauinsland. Roman. 2. Aufl. Klett-Cotta, Stuttgart 1992, ISBN 3-608-95703-0.
- Plastikwörter: Die Sprache einer internationalen Diktatur. Klett-Cotta, 1988 (7. Aufl. 2011). ISBN 978-3608936148.
- Deutsche Naturwissenschaftssprachen. Historische und kritische Studien (= Forum für Fachsprachen-Forschung, Bd. 2). Narr, Tübingen 1986, ISBN 3-87808-499-4.
- Die Ermordung Kotzebues oder Kinder der Zeit. Erzählungen. Klett-Cotta, Stuttgart 1984, ISBN 3-608-95275-6.
- Weißer Jahrgang. Ullstein-Verlag, Frankfurt/M., Berlin, Wien, 1982. ISBN 978-3884580011.
- (zus. mit Bernd Schirok): Der Bauplan von Wolframs „Willehalm“ (= Philologische Studien und Quellen, Bd. 83). Schmidt, Berlin 1976, ISBN 3-503-01220-6.
- Der Erzähler im mittelhochdeutschen Epos: Formen seines Hervortretens bei Lamprecht, Konrad, Hartmann, in Wolframs Willehalm u. in d. Spielmannsepen (= Philologische Studien und Quellen, Bd. 58). Schmidt, Berlin 1971, ISBN 3-503-00589-7 (= Dissertation Universität Kiel).
Weblinks
- Literatur von und über Uwe Pörksen im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
- ↑ Sprachkritiker Uwe Pörksen 90-jährig gestorben, Nachruf in Der Standard vom 9. Oktober 2025, abgerufen am 9. Oktober 2025.
- ↑ Traueranzeige in der Badischen Zeitung vom 18. Oktober 2025, abgerufen am 18. Oktober 2025
- ↑ Kehrt Europa zu sich selbst zurück? Ein Familien-Roman spiegelt die Geschichte des Grenzlandes. [Interview von Fiete Pingel mit Martin Pörksen zu dessen Roman Riß durchs Festland (2011)]. In: Nordfriesland, Nr. 179 (September 2012), S. 26–29, ISSN 0029-1196.
- ↑ Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina. Jahrbuch 1996. S. 33–34.
- ↑ a b Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina. Jahrbuch 1996. S. 34.
- ↑ Literatur von und über Gunhild Pörksen im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- ↑ Mitgliedseintrag von Uwe Pörksen bei der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, abgerufen am 6.11.17
- ↑ Mitgliedseintrag von Uwe Pörksen bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 16. Juli 2016.
- ↑ Austrittserklärung. Abgerufen am 8. Juni 2017.
- ↑ Mitglieder. prokulturhauptstadt-freiburg.de, archiviert vom am 19. Juni 2012; abgerufen am 30. Juni 2012.