Ursina Tossi

Ursina Tossi (* 1973 in Heidelberg) ist eine deutsche Choreografin und Tänzerin, deren Arbeiten queerfeministische Diskurse mit intensiver Körperlichkeit und aesthetics of access verbinden.[1] Zu ihren bekannten Arbeiten zählen Revenants (2020), Swan Fate (2022) und Hell (2023).[2][3][4] Für Hell erhielt sie 2024 den Kölner Tanztheaterpreis.[5] Für Fux (2021) wurde sie 2023 mit dem 2. Preis des Hamburger Kindertheaterpreises ausgezeichnet.[6]

Leben

Tossi wuchs in den 1980er-Jahren im Rhein-Neckar-Raum nahe Heidelberg auf.[1] Im Alter von 25 Jahren begann sie eine klassische Tanzausbildung an der Ballettakademie Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen und studierte zeitgleich Philosophie.[1] Zu diesem Zeitpunkt hatte sie ihr Abitur nachgeholt und war alleinerziehende Mutter einer siebenjährigen Tochter.[1] Anfang der 2000er-Jahre zog sie nach Hamburg, arbeitete zunächst in der Altenpflege und unterrichtete an der Contemporary Dance School Hamburg sowie an Hochschulen in Nordrhein-Westfalen.[1] Ihre ersten Produktionen entstanden an der freien Hamburger Bühne Sprechwerk, später zeigte sie ihre Arbeiten regelmäßig auf Kampnagel.[1] Im Jahr 2014 schloss sie den Masterstudiengang Choreografie an der ArtEZ University of the Arts in Arnheim ab.[1] Residenzen und Stipendien führten sie zum Vienna ImPulsTanz Festival und ans Tanzhaus Zürich.[1] 2019 wählte die Fachzeitschrift tanz sie in ihrem Jahrbuch zur „Hoffnungsträgerin“.[7]

Wirken

Tossi nennt ihr Ensemble Excessive Showing; mit ihm befasst sie sich mit Konzepten von Geschlecht, Spezies, Bild und Körper und setzt das Publikum oft ebenerdig mit auf die Bühne, nah an Bewegungen und Emotionen.[1] Ein Schwerpunkt ihrer Praxis liegt auf Barrierefreiheit und Zugänglichkeit (aesthetics of access), etwa durch künstlerische Audiodeskription und Einsätze Deutscher Gebärdensprache.[1][5]

In Revenants (2020) rief sie Figuren aus Geschichte(n) und Popkultur aus feministischer Perspektive auf und zeigte das Stück etwa in Hamburg bei Kampnagel.[2] Swan Fate (2022) arbeitete kanonische Bilder des klassischen Balletts und die darin liegende Gewalt aus einer feministischen Perspektive neu auf.[3] Hell (2023) verdichtet infernale Zustände zu einer immersiven Komposition aus zeitgenössischem Tanz, integrierter Audiodeskription und Deutscher Gebärdensprache und wurde in Hamburg und Köln gezeigt.[4] Für diese Arbeit erhielt Tossi 2024 den Kölner Tanztheaterpreis.[5] Für ein junges Publikum entwickelte sie Fux (2021), das 2023 mit dem 2. Preis des Hamburger Kindertheaterpreises ausgezeichnet wurde.[6] Im Jahr 2025 initiierte sie gemeinsam mit Jenny Beyer und Antje Pfundtner das Modell für Gemeinschaftsarbeit Shared Leadership in Dance; im Rahmen dessen entsteht am Jungen Schauspielhaus Hamburg die Produktion Fühler (Premiere ab 30. Oktober 2025).[1] Ebenfalls 2025 veröffentlichte sie gemeinsam mit Maximilian Probst den Band Die Philosophie des Tanzens im Mairisch Verlag.[1]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l Choreografin Ursina Tossi – Wege ins Ungewisse. In: taz.de. 21. September 2025, abgerufen am 22. September 2025.
  2. a b Choreografie über Wiedergängerinnen: Archiv der Ungerechtigkeit. In: taz.de. 11. Dezember 2020, abgerufen am 22. September 2025.
  3. a b „Swan Fate“ im Depot: Schwanensee als feministischer Grusel. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 18. Mai 2025, abgerufen am 22. September 2025.
  4. a b HELL | Ursina Tossi auf [K]ampnagel. In: KulturPort.de. 17. November 2023, abgerufen am 22. September 2025.
  5. a b c Laudatio Kölner Tanztheaterpreis 2024. In: SK Stiftung Kultur. Abgerufen am 22. September 2025.
  6. a b 9. Hamburger Kindertheaterpreis geht an Theater Kormoran (Pressemitteilung). In: Hamburgische Kulturstiftung. 26. Juli 2023, abgerufen am 22. September 2025.
  7. Hoffnungsträger: Ursina Tossi (Tanz Jahrbuch 2019). In: tanz (Der Theaterverlag). 2019, abgerufen am 22. September 2025.