Ursina Gabriela Roesch

Ursina Gabriela Roesch (auch urgart; * 16. August 1959 in Zürich) ist eine Schweizer Künstlerin, Kuratorin und Kunstaktivistin. Sie ist als multimediale Konzeptkünstlerin bekannt und hat die grosse Ausstellung 100 Jahre Frauen Power 1916-2016, mit 100 Züricher Künstlerinnen und das internationale Künstlerinnennetzwerk FAT Femme Artist Table gegründet, welches seit 2018 die einzige Kunstmesse für Künstlerinnen und FLINTA* veranstaltet.[1][2]

Leben

Kurz nach Roeschs Geburt in Zürich zog die Familie nach Baden im Aargau. Die Eltern stammten aus bürgerlichen Berufen, initiierten aber in Boswil den Aufbau eines Seniorenheims für Künstlerinnen und Künstler in einer ehemaligen Kirche. Die Mutter Helen Rösch brachte ihre Kenntnisse als Hotelfachfrau ein. Der Vater, Willy Hans Rösch, leitete die Stiftung bis 1991. Es entwickelte sich anschliessend zum Künstlerhaus Boswil.[3] Roesch wuchs in Baden auf und zog mit 18 Jahren aus der ländlichen Gegend nach Paris. Im Jahr 2012 hat sie neben ihrer künstlerischen Arbeit eine Ruder- und Pilatesschule in Zürich[4] gegründet, ausserdem nutzt sie Yoga seit den 1980er- und Meditation seit den 1990er-Jahren.[5] Sie setzt sich in ihrer Kunst und im Kunstbetrieb gegen Diskriminierung ein. Sie definiert sich als divers.[6][7] Sie lebte und arbeitete inzwischen in Zürich, Berlin, London und Paris.[5] Ihre Arbeiten und Performances collagieren Zeichen, Bilder, Töne und Texte. Roesch erhielt Zeichenunterricht an der École des Beaux-Arts, ihre künstlerische Ausbildung an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich mit Schwerpunkt Skulptur und Dragking-Studien bei Diane Torr, und am College Internationale de Philosophie in Paris bei Hélène Cixous in Literatur.[6] Sie besuchte die Modefachschule La Chambre Syndical de la Haute Couture Parisienne.[8]

Roesch nahm mit einem Schweizer Team 2019 und 2021 an Coastalrowing-Weltmeisterschaften in Hongkong und Oeiras (Portugal) teil. In Hongkong erreichte der Schweizer Frauen-Doppelvierer (CW4x+) mit Roesch den 14. Platz im A-Final.[9]

Werk

Roeschs multimediale Arbeiten zwischen Text, Fotografie, Sound, Kostüm haben oft gesellschaftskritische und aktuelle Bezüge. Es sind „kommunikationsorientierte Projekte“[10] mit Kombinationen von Alltagsmaterialien und Worten, die Klischees in Kunst und Gesellschaft als Teil der künstlerischen Arbeit hinterfragen.[11]

Seit 1982 beschäftigte sie sich mit Bühnenbild und Sound sowie mit Konzepten, Kostümen und Entwürfen für Inszenierungen und Performances.[10] In dieser Zeit erhielt sie auch ihre erste Auszeichnung: einen mehrmonatigen Aufenthalt im Castel Burio d’Asti im Piemont. In der Folge erhielt sie Stipendien in Ateliers in London, Paris und Berlin.[12][13]

Sie ist Teil der Interessengemeinschaften für Kunstschaffende Visarte Zürich[14][15], Online Archivs Kleio[16] des PANCH - Performance Art Network CH und der Organisation FATart. Ihre Arbeiten sind in Sammlungen wie die der des Landesmuseums Zürich, der Burger Collection Hong Kong, Jakob Collection Zürich oder der Sammlung von Andreas Züst[17] im Kunsthaus Aarau vertreten.

Engagement

  • Roesch engagiert sich, damit Frauen in der Kunst wahrgenommen werden. Sie war mit Ralph Baenziger eine Initiatorin[18] der Ausstellung „Frauenpower“ im Art Dock in 2016, einer Präsentation von 144 Künstlerinnen von 1916 bis 2016.[19] Darüber hinaus war sie auch Teil des Gremiums, welches die 3000 Exponate auswählte.[20]
  • 2016 gründete Roesch die internationale Künstlerinnenvereinigung Femme Artist Table (FAT) – Women* in arts. Daraus entstand die Kunstmesse und Ausstellungsplattform FATart Fair, die erstmals 2018 in den ehemaligen Hallen für Neue Kunst in Schaffhausen mit 50 Teilnehmenden stattfand. 2019 wuchs das Format bereits auf 70 Kunstschaffende an, die ausschliesslich Kunstwerke und Performances von Künstlerinnen und FLINTA* zeigten.[13][3] Roesch ist in FATart ehrenamtlich als Direktorin und Projektleiterin tätig.[7]
  • 2023 führte ihre persönliche Kritik an der Forderung nach Ganzkörperfotos bei der Bewerbung für Hilfskräfte auf der Kunstmesse Art Basel zu einer Änderung der langjährigen Praxis durch die Messeleitung.[21][22]

Einzelausstellungen

  • 1995: Akustische Körperirritation / Visuelle Irritationskörper, Frauen-Kunstforum, Bern
  • 1996: Sprachkörper, Foto Forum St. Gallen, St. Gallen
  • 1998: Kulturzentrum Scuol-Nairs, Scuol
  • 2000: Casualidad means that you exist by coincidence, Kunstraum Aarau, Aarau
  • 2001: Galerie Stefan Witschi, Zürich
  • 2005: Neue Arbeiten, Otto e mezzo, Zürich
  • 2009: All of Me, Part 1/Part 2, Le Gallery, Zürich
  • 2019: Bodytalk - Passion Fresco - Die Rote Periode, FATecke, Kosmos Buchsalon, Zürich
  • 2021: urgart. Bodyresearch. Identity is negotiable, Kunstkästen, Schaffhausen

Gruppenausstellungen

  • 1996: Vom Verschwinden des Körpers, Kunstraum Aarau, Aarau
  • 1996: Zona Cesarini, Kulturzentrum Kammgarn, Schaffhausen
  • 1997: Performance Tage 97, Seedamm-Kulturzentrum, Pfäffikon
  • 1997: Field. Video und Installationen. Raum-Video-Körper, Alter Industrieturm im Steinfelsareal, Zürich
  • 1997: Artist's House. International Residents '96 - '97, Delfina, London
  • 1999: Freunde des objektiven Wohnens, Binz 39, Zürich
  • 2000: Point de repère / l'autre, Binz 39, Zürich
  • 2001: Körperlandschaft. Landschaftskörper, Kulturzentrum Scuol-Nairs, Scuol
  • 2002: Ursina Rösch, Silvio R. Baviera, Thomas Ott, Giuseppe Reichmuth, Paul Sieber, Thomas Zindel, Galerie Stefan Witschi, Zürich
  • 2003: Eingriff # 1, Alterszentrum Kehl, Baden
  • 2005: Raum für Räume. Interlokal, Shedhalle Zürich, Zürich
  • 2007: DAS HAUS[23]
  • 2008: Ursina Roesch, Tobias Ott, Jérémie Crettol Kurator Paul Sieber. Galerie Wengihof, Zürich[24]
  • 2008: 20 Jahre Forum junge Kunst, Jubiläumsaktion kaffee fertig, Restaurants und Kaffees in Zug und Baar[25]
  • 2012: Kult Zürich Ausser Sihl - das andere Gesicht, Verein zur Förderung aktueller Kunst, Wanderausstellung, Helmhaus Zürich, Malzfabrik Berlin, Deutschvilla - Kunsthaus Strobl
  • 2016: Ausstellung 100 Jahre Frauen Power 1916-2016, Art Dock Zürich
  • 2017: Interna, photography Passion fresco, Kammgarn West, Schaffhausen[26]
  • 2017: Espaces d'une sculpture, Art en plein air, Visarte.Vaud
  • 2018: Kunst: Szene 2018, Zürich Shedhalle, Zürich
  • 2019: Interna, Kammgarn West, Schaffhausen
  • 2020: Binz39, Ursina Roesch mit Elisabeth Eberle Kanon, Installation
  • 2021: Kunstkästen, Kunsthalle Vebikus[27]
  • 2022: Photobastei, Zürich
  • 2022: Irritation - Preview, Verein Berliner Künstler, Berlin
  • 2023: Irritation - the Art of getting lost, Vebikus Kunsthalle Schaffhausen[28]
  • 2023: Irritation, Kooperation mit dem Verein Berliner Künstler[29]
  • 2023: ReCollect!, Kunsthaus Zürich[30]
  • 2024: Venus vo Muri, Kloster Muri[31]
  • 2024: Goldrausch, Zürich[32]
  • 2024: KI & WIR, Kunsthaus Oerlikon, Zürich[33]
  • 2024: Requiem, Kunst-Photografie, Schaffhausen Kammgarnwest
  • 2024: Sammlung ReCollect, Kunsthaus Zürich
  • 2025: GOLDRAUSCH 2nd edition, direkt hinter dem Kunsthaus Zürich, Zürich[34]
  • 2025: Feministiche Plakate, Galerie Glaab, Bern[35]
  • 2025: Einsichten 2025: Visarte Zürich & Friends, Kupper Modern, Zürich[36]

Auszeichnungen

  • 1985: Castel Burio Preis
  • 1995: Aufenthaltsstipendium im Künstlerhaus NAIRS im Engadin[8]
  • 1999: Aargauer Kuratorium (Beitrag an das künstlerische Schaffen)[8]
  • 2000: UBS Kulturstiftung, Zürich[8]

Literatur

  • Vom Verschwinden des Körpers: Kunstraum Aarau, 26. Januar bis 24. Februar 1996: eine Ausstellung für und mit Werken von Daniel Schäfer, Ausstellungskatalog, 1996
  • Rösch, Ursina Gabriela. In: Biografisches Lexikon der Schweizer Kunst. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1998. Band 2, L-Z, S. 886. ISBN 3-85823-673-X
  • Körper, Worte: Ursina und Christoph Rösch in der Stiftung Binz 39, Zeitung/Zeitschrift, 2000
  • Raum für Räume, Hrsg. und kuratiert von Susanna Nüesch, Barbara Roth und Martin Senn, Zürich: Shedhalle, 2005; Erscheint zur Ausstellung “Raum für Räume” in der Shedhalle Zürich, Rote Fabrik, August–September 2005
  • Kult Zürich Ausser Sihl - Das andere Gesicht. Zürich: Verlag um die Ecke, 2010
  • Grösser als Zürich: ein kleines Psychogramm des Zürcher Stadtquartiers Aussersihl: das lebendige Porträt eines widerspenstigen Zürcher Quartiers, Herausgegeben von Thomas Wyss, Helmhaus Zürich, Caspar Schärer, 2012, ISBN 978-3-85881-352-7
  • Marlies Grüninger: Art Dock oder 144 Frauen die Kunst schaffen. „100 Jahre Frauen Power“ 1916-2016. In Boa, Frauenzeitschrift
  • Fatima Vidal: Kunst von Frauen*, Interview mit Ursina Gabriela Roesch. in: 100 bemerkenswerte Frauen.ch, 19. Oktober 2016
  • Denis Marquard: Das Haus der Frauen. In: Tages-Anzeiger, 9. April 2016
  • Julia Vetter: Die Neue Ausstellung in den Kunstkästen sprengt jeden Rahmen. In: Schaffhauser Nachrichten am 7. Juni 2021

Publikationen zur Kunstmesse FATart Fair

  • 1. FATart Fair. Women* in arts. 100 zeitgenössische Künstlerinnen*. FATart, Schaffhausen 2018, ISBN 978-3-9525498-3-4
  • 2. FATart Fair. Women & FLINT in arts. 100 zeitgenössische Künstlerinnen & FLINT. FATart, Schaffhausen 2019, ISBN 978-3-9525498-2-7
  • 3. FATart Fair. Women & FLINTA in arts. 100 zeitgenössische Künstlerinnen & FLINTA. FATart, Schaffhausen 2020, ISBN 978-3-9525498-1-0
  • 4. FATart Fair. Women* in arts. 100 zeitgenössische Künstlerinnen*. FATart, Schaffhausen 2021, ISBN 978-3-9525498-0-3.
  • 5. FATart Fair. Women & FLINT in arts. 100 zeitgenössische Künstlerinnen & FLINT. FATart, Schaffhausen 2022, ISBN 978-3-9525498-4-1.
  • 6. FATart Fair. Women & FLINTA in arts. 100 zeitgenössische Künstlerinnen & FLINTA. FATart, Schaffhausen 2023, ISBN 978-3-9525498-5-8

Einzelnachweise

  1. Ursina Gabriela Roesch. Abgerufen am 22. März 2025 (englisch).
  2. 4. FATart Fair: Women & FLINT in Arts. In: kreativpunkt-menzi.ch. Kreativpunkt Menzi GmbH, 2023, abgerufen am 11. November 2023.
  3. a b Indrani Das Schmid: Traut euch! In: femmit-mag.de. femMit Magazin, 1. März 2021, abgerufen am 11. November 2023.
  4. Ruderkurse Zürich | Ursina Gabriela Roesch. Abgerufen am 22. März 2025.
  5. a b Interview der Stiftung SWONET Swiss Women Network: 4 Fragen an Ursina Gabriela Roesch – Künstlerin, Initiantin FATart, Unternehmerin, abgerufen am 11. November 2023
  6. a b Ursina Gabriela Roesch. In: weadvance.ch. Advance, 2023, abgerufen am 11. November 2023.
  7. a b unser Team. In: fatart.ch. FATart, 2023, abgerufen am 4. November 2023.
  8. a b c d SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz: Roesch, Ursina. In: sik-isea.ch. 2023, abgerufen am 11. November 2023.
  9. Jürg Trittibach: Coastal Rowing im Aufwind und auf dem Weg zu Olympia. In: Swiss Rowing. Heft 6|19 (2019). S. 16.
  10. a b PANCH. In: PANCH. Abgerufen am 23. März 2025.
  11. Ursina Gabriela Roesch auf Saatchi. Abgerufen am 12. November 2023 (englisch).
  12. Freya Sutter: Ursina Gabriela Roesch: unbegrenzte Inspiration. In: creative-brain.org. Freya Sutter, 2. Mai 2020, abgerufen am 11. November 2023.
  13. a b Fabienne Jacomet: Künstlerin Ursina Gabriela Roesch im Porträt: Ich bin berühmt- berüchtigt. Schaffhauser Nachrichten, 8. März 2023, abgerufen am 11. November 2023.
  14. visarte zürich | Bodyresearch. Abgerufen am 10. November 2023.
  15. Best of Visarte Zürich + Gäste 2022. Abgerufen am 10. November 2023.
  16. urg.art. Abgerufen am 23. März 2025.
  17. Andreas Züst: Verzeichnis. Abgerufen am 23. März 2025.
  18. Denise Marquard: Das Haus der Frauen. In: Tages-Anzeiger Zürich. 9. April 2016, abgerufen am 12. November 2023.
  19. Ursina Gabriela Roesch. In: 100 JAHRE FRAUEN·POWER 1916-2016 Biografien. Art Dock Zürich, 7. April 2016, abgerufen am 12. November 2023.
  20. Corsin Zander: Art Dock zeigt geballte Frauenpower. In: Neue Zürcher Zeitung. 8. April 2016, abgerufen am 12. November 2023.
  21. Sarah Cascone: Art Basel Stops Requiring Candidates to Submit Full-Body Photos in Job Applications After a Feminist Artist’s Complaints. In: artnet.com. Artnet Worldwide Corporation, 15. Juni 2023, abgerufen am 4. November 2023.
  22. Raphael Rauch: Kritik an Bewerbungsverfahren bei der Art Basel: «Ganzkörperfotos gehen gar nicht». In: blick.ch. SonntagsBlick Magazin, 12. Juni 2023, abgerufen am 13. November 2023.
  23. Gesellschaft für bildende Kunst Trier (Hrsg.): Dokumentation „DAS HAUS“. Ein Beitrag zu Luxemburg und Großregion Kulturhauptstadt 2007 und Sibiu/Hermannstadt Europäische Kulturhauptstadt 2007. 50. Auflage. Trier.
  24. Jéremie Crettol, Tobias Ott, Ursina Gabriela Roesch | Kunstbulletin. Abgerufen am 21. November 2025.
  25. visarte zürich Bulletin 1/2008. In: visarte zürich (Hrsg.): Das visarte zürich-BULLETIN erscheint jährlich 6 mal Auflage 530 Stück. https://visarte-zuerich.ch/media/pages/contact/bulletins/2266567395-1714848226/bull_2008_01.pdf. 530. Auflage. Nr. 1. visarte zürich, zürich 2008.
  26. urg.art. Abgerufen am 8. November 2023.
  27. ArtFacts: Urgart: Body Research. Identity is negotiable | Exhibition. Abgerufen am 14. November 2023.
  28. IRRITATION - The Art of Getting Lost | Kunstbulletin. Abgerufen am 22. März 2025.
  29. IRRITATION - eine maximale ästhetische Verwirrung. Abgerufen am 11. November 2023 (deutsch).
  30. Recollect! im Kunsthaus Zürich. Abgerufen am 12. November 2023.
  31. Peter Fischer: Ursina Gabriela Roesch. In: Venus von Muri. 7. April 2024, abgerufen am 21. November 2025.
  32. GOLDRAUSCH. Abgerufen am 21. November 2025.
  33. https://khoe.ch/. Archiviert vom Original am 5. Dezember 2024; abgerufen am 21. November 2025 (Schweizer Hochdeutsch).
  34. Goldrausch 2nd edition | Kunstbulletin. Abgerufen am 22. November 2025.
  35. visarte zürich | Feministische Plakate. Abgerufen am 22. November 2025.
  36. visarte zürich | Einsichten 2025: Visarte Zürich & Friends. Abgerufen am 22. November 2025.