Unternehmen Stößer
| Unternehmen Stößer | |||||||||||||||||
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| Teil von: Zweiter Weltkrieg Ardennenoffensive | |||||||||||||||||
Das Wrack einer nahe St. Vith bruchgelandeten Ju-52-Transportmaschine (Aufnahme von Februar 1945). | |||||||||||||||||
| Datum | 16. bis 22. Dezember 1944 | ||||||||||||||||
| Ort | Hohes Venn, Ardennen | ||||||||||||||||
| Ausgang | Operativer Fehlschlag, Rückzug der Deutschen | ||||||||||||||||
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Auftakt
Kesternich – Wahlerscheid
Deutscher Angriff
Losheimergraben – Clervaux – Stößer – Greif
Alliierte Verteidigung und Gegenangriff
Elsenborn Rücken – St. Vith – Bastogne – Bure
Deutscher Gegenangriff
Bodenplatte – Nordwind
Unternehmen Stößer war der Deckname einer deutschen Militäroperation während des Zweiten Weltkrieges im Dezember 1944. Es handelte sich um ein von Luftlandetruppen durchgeführtes Kommandounternehmen im Rahmen der Ardennenoffensive. Die schlecht und übereilt geplante Operation endete nach wenigen Tagen mit einem Fehlschlag.
Ausgangslage
Zur Unterstützung der Ardennenoffensive sollten in der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember 1944 deutsche Fallschirmjäger unter Führung von Oberstleutnant Friedrich August Freiherr von der Heydte hinter den amerikanischen Linien in den belgischen Ardennen abspringen und dort wichtige Straßenkreuzungen und Brücken einnehmen und sichern, um den danach herankommenden Panzerkräften der von SS-Oberst-Gruppenführer Sepp Dietrich geführten 6. Panzerarmee – wobei die Panzerspitzen innerhalb von 24 Stunden die Fallschirmjäger erreichen sollten[1] – den raschen weiteren Vormarsch zu ermöglichen. Das Landegebiet lag rund elf Kilometer nördlich von Malmedy, etwa auf halber Strecke zwischen Malmedy und Eupen, auf einer unbewaldeten Hügelkette auf dem Hohen Venn (französisch Hautes Fagnes).
Planung
Nach dem ursprünglichen Plan von Oktober 1944 sollten 3000 Fallschirmjäger eingesetzt werden, jedoch konnten letztlich aufgrund Personalmangel, unzureichenden Ausbildungsmöglichkeiten und der sehr kurzen Vorbereitungszeit nur knapp 1200 Soldaten für den Sprungeinsatz bereitgestellt werden. Es standen etwa 150 Transportmaschinen zur Verfügung, darunter 112 Junkers Ju 52/3m,[2] die die Soldaten in die Landezone bringen sollten. Die Vorbereitungen auf das komplexe und riskante Unternehmen waren jedoch völlig unzureichend.[3] Viele Fallschirmjäger erlebten ihren ersten Sprungeinsatz überhaupt; auch die Sprungausbildung in Sennelager, zumal der Nachtabsprung, waren hastig anberaumt und völlig unzulänglich gewesen. Hinzu kam, dass kaum einer der Piloten zuvor einen Feindflug erlebt hatte, nur zwei Flugzeugführer galten als fronterfahren.[3]
Der spätere Kommandeur des Unternehmens, der erfahrene Fallschirmjäger-Offizier Oberstleutnant Friedrich August Freiherr von der Heydte, der bereits an der Luftlandung auf Kreta 1941 teilgenommen hatte, erfuhr infolge der hohen Geheimhaltung von dem Unternehmen und davon, dass er das Kommando übernehmen sollte, erst am 8. Dezember 1944 in einem Gespräch mit Generaloberst Kurt Student.[3] Von der Heydte blieb somit zur Vorbereitung nur knapp eine Woche Zeit. Der Oberstleutnant wies am 11./12. Dezember 1944 gegenüber seinen direkten Vorgesetzten im Kontext der Offensive, unter anderem Generalfeldmarschall Walter Model und SS-Oberst-Gruppenführer Dietrich, auf diese massiven Probleme hin und benannte die Risiken,[3] doch wurde auf der Umsetzung des Unternehmens bestanden.
Verlauf
Trotz der widrigen Umstände gelang es am frühen Morgen des 16. Dezember 1944, etwa 90 Prozent der Flugzeuge in die Luft zu bekommen, wobei jedoch nur ca. 35 Maschinen in der Dunkelheit, in stürmischem Wetter und bei Schneetreiben das Hauptabsprunggebiet auf dem Hohen Venn erreichten.[2] Ein Bf 110-Nachtjäger hatte zuvor Leuchtbomben über dem Zielgebiet zwecks Markierung der Sprungzone abgeworfen, doch waren diese nur von wenigen Piloten bemerkt worden.[1] Aus diesen Maschinen konnten rund 250 bis 300 Fallschirmspringer relativ zielgenau im geplanten Zielgebiet abgesetzt werden, darunter auch Oberstleutnant von der Heydte. Sofort nach der Landung mussten die Fallschirmjäger sich von ihren Fallschirmen losschnallen, um nicht von Windböen davongeschleift zu werden.
Die starken und wechselhaften Winde, die Dunkelheit und die Unerfahrenheit führten jedoch dazu, dass die Soldaten über ein großes Gebiet verstreut wurden. Zudem wurden auch die Flugzeuge durch den Wind entsprechend abgetrieben und verfehlten das Zielgebiet. Etwa 200 Fallschirmjäger wurden hinter den deutschen Linien beziehungsweise in der Nähe von Bonn abgesetzt (rund 75 Kilometer vom eigentlichen Zielgebiet entfernt), einzelne Fallschirmjäger landeten sogar in den Niederlanden.[4] Etwa 20 Transportflugzeuge mit rund 200 Mann an Bord kehrten wieder zu den Flughäfen zurück, da sie das Zielgebiet nicht hatten finden können.
Fast 200 Fallschirmjäger starben in dieser Nacht bereits beim Absprung, da sie vom Wind, der Geschwindigkeiten von bis zu 58 km/h erreichte,[5][A 1] gegen Bäume oder andere Hindernisse in der Umgebung geschleudert wurden. Von der Heydte gelang es, bis in die Mittagsstunden des 17. Dezember gerade einmal 140 Soldaten um sich zu sammeln. Deren Anzahl stieg bis zum 19. Dezember 1944 zwar auf knapp 600 Mann an, dennoch war die Kampfkraft sehr gering, zumal ein Teil der Waffen und der Ausrüstung verloren gegangen war und viele der unerfahrenen Soldaten an Hunger, Unterkühlung und Erschöpfung litten.
Von den anfangs rund 1200 Mann waren etwa 400 noch auf deutschem Gebiet (200 Fallschirmspringer waren nahe Bonn abgesetzt worden, 200 weitere mit ihren Flugzeugen unverrichteter Dinge wieder zurückgekehrt) und rund 200 Mann hatten den Tod gefunden.
Die auf dem Hohen Venn ausharrenden Fallschirmspringer konnten nur wenig ausrichten. Am 18. Dezember sichteten deutsche Patrouillen im Schneegestöber eine Kolonne der 1. US-Infanteriedivision. Die Amerikaner hielten die Deutschen aber für eigene Truppen und winkten diesen zu.[1] Zu einem Schusswechsel kam es nicht, da die Deutschen die GIs in dem Glauben ließen, eigene Truppen vor sich zu haben, und einem Gefecht auswichen. Darüber hinaus gelang es den Fallschirmjägern im Verlauf der nächsten beiden Tage, einige versprengte Amerikaner sowie einen US-Kraftradmelder abzufangen und gefangen zu nehmen. Da die deutschen Fallschirmjäger diese aber kaum versorgen konnten, ließ von der Heydte die Amerikaner frei und schickte sie (zusammen mit einigen deutschen Verwundeten) zu den Linien der US-Truppen im Süden.[1] Von der Heydte wusste, dass damit seine Verwundeten zwar versorgt waren, aber zugleich auch sein Standort und auch die Schwäche seiner Kampfgruppe bekannt werden würden.
Nachdem bis zum Morgen des 21. Dezember 1944 immer noch keine Einheiten von Dietrichs 6. Panzerarmee aufgetaucht waren, so wie es anfangs geplant gewesen war, teilte von der Heydte seine Soldaten in Dreiergrüppchen ein und gab die Anweisung, dass sich diese Gruppen unabhängig voneinander zu den deutschen Linien zurück durchschlagen sollten.[4] Etwa 400 Mann erreichten am oder nach dem 22. Dezember 1944 wieder die deutschen Linien. Somit belief sich die Zahl der vom Gegner gefangen genommenen und bei (nur sehr wenigen) Schusswechseln mit US-Streitkräften getöteten Fallschirmjägern auf etwa 200.
Der Umstand, dass rund zwei Drittel der vor Ort gelandeten Soldaten wieder zu den deutschen Linien zurückfinden konnten, war auch dadurch begünstigt worden, dass deutscherseits rund 300 Fallschirmspringer-Attrappen nahe des Höhenrückens bei Elsenborn abgeworfen worden waren.[4] Diese Puppen wurden über ein großes Gebiet verteilt und verursachten auf US-Seite eine gewisse Konfusion, da aus dem gesamten Areal fälschlicherweise deutsche Luftlandungen gemeldet wurden. In der Folge suchten fast 5.000 US-Soldaten, darunter das 18. US-Infanterieregiment unter Colonel George Albert Smith (Jr.), mitsamt 200 gepanzerten Fahrzeugen das Gebiet um den Elsenborner Höhenrücken über Tage hinweg ab,[6] was vielen der versprengten deutschen Fallschirmspringer weiter nördlich davon die Rückkehr zu den eigenen Linien ermöglichte. Smith war in diesem Zusammenhang dem Befehlshaber der 99. US-Infanteriedivision, Major General Walter E. Lauer unterstellt, der mit seinen Truppen das Gebiet um die Siedlung Losheimergraben verteidigte.
Oberstleutnant von der Heydte, der verwundet war (er hatte sich beim Ansprung den linken Arm mehrfach gebrochen) und an Erfrierungen litt, selbst geriet am 24. Dezember 1944, während er auf dem Rückweg zu den deutschen Linien war, in einem Gehöft nahe Monschau in US-Gefangenschaft.[4]
Beurteilung
Das Unternehmen Stößer endete mit einem völligen Fehlschlag. Die zusammengezogenen Truppen konnten nicht in nennenswerter Anzahl an den Landepunkten abgesetzt werden, wobei bereits rund 200 Mann beim nächtlichen Absprung im stürmischen Wetter tödlich verunglückten. In der Folge gelang es zudem nicht, auch nur entfernt die geplanten Ziele zu erreichen (Eroberung und Offenhaltung wichtiger Verkehrsknoten und Brücken). Da jedoch die 6. Panzerarmee ebenfalls nicht die gesteckten Ziele erreichte, geschweige denn die ins Auge gefassten Wegpunkte, und bereits vor dem Elsenborner Höhenrücken steckenblieb, wirkte sich das Scheitern der deutschen Fallschirmtruppen weder strategisch noch taktisch auf den weiteren Verlauf der Ardennenoffensive aus.
Einzig der Sachverhalt, dass es etwa 400 Mann gelang (etwa die Hälfte der abgesetzten Luftlandesoldaten beziehungsweise rund zwei Drittel der Soldaten, die den Absprung überlebt hatten), die deutschen Linien wieder zu erreichen, kann als halbwegs gelungener Rückzug gewertet werden.
Literatur
- Antony Beevor: Die Ardennenoffensive 1944. Hitlers letzte Schlacht im Westen. Pantheon Verlag, 2. Auflage. München 2019.
- Guido Knopp: Die Befreiung. Kriegsende im Westen. 1. Auflage. Ullstein Tb, 2005, ISBN 3-548-36752-6.
- Donald M. Goldstein: Nuts! The Battle of the Bulge: The Story and Photographs. J. Michael Wenger, Katherine V. Dillon. Potomac Books, 1994, ISBN 0-02-881069-4, S. 191.
- Danny S. Parker: Battle of the Bulge: Hitler's Ardennes Offensive 1944-1945. Da Capo Press. Boston 2004.
- William K. Goolrick, Ogden Tanner: Die Ardennenoffensive. Bechtermünz Verlag GmbH. Eltville am Rhein 1994.
Anmerkungen
- ↑ Beim Start war den Fallschirmjägern noch vom Wetterdienst der Luftwaffe mitgeteilt worden, dass im Zielgebiet mit Windgeschwindigkeiten von etwa 20 km/h zu rechnen sei, was als Obergrenze für einen Absprung angesehen worden war.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Rob Krott: Operation Stösser: Last Airborne Offensive of the Fallschirmjägers. Warfare History Network, 2022, abgerufen am 23. November 2025 (englisch).
- ↑ a b Goolrick, Tanner: Die Ardennenoffensive, S. 62.
- ↑ a b c d Beevor: Die Ardennenoffensive 1944, S. 100ff.
- ↑ a b c d Goolrick, Tanner: Die Ardennenoffensive, S. 59.
- ↑ Beevor: Die Ardennenoffensive 1944, S. 145.
- ↑ Parker: Battle of the Bulge, S. 136.