Frenzelhof
Das Hallenhaus Untermarkt 5 (Frenzelhof genannt) ist ein geschütztes Kulturdenkmal (Objektnummer: 09282092),[1] das sich gegenüber dem Rathaus auf dem Untermarkt in Görlitz befindet. Erbaut im 15. Jahrhundert ist es eines der ältesten Hallenhäuser in Görlitz. Um die Jahrtausendwende wurde das Gebäude zu einem Hotel umgebaut und in Erinnerung an den ehemaligen Besitzer Hans Frenzel Hotel Frenzelhof genannt. Rechtsseitig grenzt der Frenzelhof unmittelbar an den Schönhof.
Geschichte
Der früheste überlieferte Name des Brauhofs lautete Tempel, weil das Grundstück einst den Templern gehört haben soll.[2] Am Giebel befanden sich zudem mindestens zu Frenzels Zeiten drei Statuen am Giebel: der heilige Georg „mit dem Lindwurm“, Maria mit dem Kinde und der Heilige Joachim.[3] Anderen Angaben zufolge handelte es sich bei der dritten Figur stattdessen um Johannes den Täufer.[2] Siegfried Hoche identifizierte die drei Statuen in einem unveröffentlichten Manuskript als den Erzengel Michael, die Jungfrau Maria und Johannes den Täufer.[4] Im Jahr 1833 fanden die Statuen laut Paul Fritsch beim Abbruch des Giebels durch den Kaufmann Großmann neue, eher verfallene Aufenthaltsorte: die Figur des Heiligen Georgs soll über letztendlich nach Dresden gelangt sein, die Figur der Maria mit dem Kinde nach Ober-Neundorf und Johannes der Täufer nach Rauschwalde.[2] Nach dem Fundbericht aus dem Jahr 1976 von Horst Kranich seien diese Sandsteinfiguren teilweise als Füllmaterial im Fußboden der zentralen Halle verwendet worden.[4]
Die Baugeschichte des Brauhofs Untermarkt 5 fußt im Wesentlichen auf einer Arbeit (1976) von Heinrich Magirius.[5] Bereits im 15. Jahrhundert wurde das Grundstück als Brauhof genutzt und war vermutlich von umfangreicher Bebauung umgeben. Der für das Jahr 1400 als Besitzer des Grundstücks registrierte Schöppe Vincent Heller auf Sercha war zudem Inhaber der Landeskrone. Die Familie Heller gehörte zu den einflussreichen Patriziern der Stadt und verfügte in und um Görlitz über umfangreiches Eigentum. Ihm folgen eine Reihe von ebenfalls (teilweise als Bürgermeister) im Rat vertretenen Kaufleuten: Nicolaus und Johannes Marienam (bis um 1455), Hans Bottener und Caspar Tilike.[6][7]
Sehr wahrscheinlich bestand die Bebauung des untermarktseitigen (nördlichen) Teiles des Hauses zu dieser Zeit noch aus Fachwerk.[7]
Hans Frenzel, der im Jahr 1493 er die Tochter des bisherigen Besitzers Caspar Tilike geheiratet hatte, erbte das damals zweistöckige Gebäude nach dessen Tod im Jahr 1499. Es befand sich zu diesem Zeitpunkt in einem baufälligen Zustand. Frenzel baute es mit dem Kostenaufwand von 1100 ungarischen Gulden sofort neu auf.[8] Unter anderem wurde die Fassade aus Stein, auch teils das Innere massiver gestaltet, vielleicht auch das Dachgeschoss renoviert und möglicherweise die Kubatur vergrößert.[9] Viele der baulichen Veränderungen, haben sich trotz des großen Stadtbrands im Jahr 1525 erhalten.[8]
Eine zweite Bauphase ist vor allem durch die Bemalung der Schatzkammer geprägt. Experten schätzen den Zeitraum dafür auf 1512 bis 1515, teilweise auch schon auf 1510. Hans Frenzel war zu dieser Zeit durch Erbe und Zukäufe sehr wohlhabend.[10]
Er gab in seinen Texten keine weiteren Details. Wegen der Pest im Jahr 1508 und der Fertigstellung der Annenkapelle im Jahr 1512 gilt das Jahr 1512 als frühestmöglicher Start für die Hauserweiterung. Aufgrund der reformatorischen Unruhen und der Pest im Jahr 1521 und des Stadtbrands im Jahr 1525 wird vermutet, dass seine Baumaßnahmen im Wesentlichen zwischen 1512 und 1521 stattfanden. In dieser Zeit entwickelte sich das Gebäude vermutlich zum typischen Hallenhaus.[11]
Zwischen 1813 und 1835 wurde das Haus massiv umgebaut: Der Giebel wurde abgerissen, zur Traufständigkeit übergegangen und das Erdgeschoss neu gewölbt. Optisch orientierte man sich zwar noch am Barock, baute aber modern, um mehr Raum zu gewinnen. Einem nicht nachweisbarem Hinweis zufolge geschah der Giebelabriss im Jahr 1833.[12] Eine Fassadenzeichnung aus dem Jahr 1790, auf der die drei Figuren noch vorhanden sind, dokumentiert noch die gotische Fassadengestaltung,[13] die Nachbargebäude waren bereits im 16. Jahrhundert verändert worden.[8] Ein Ausschnitt einer Abbildung vom Besuch des preußischen Königs Wilhelm III. im Jahr 1813 in Görlitz zeigt noch den alten Giebel am Untermarkt 5, wohingegen eine Lithographie aus dem gleichen Blickwinkel um das Jahr 1835 den Umbau sichtbar macht.[14] Verschiedentlich wird behauptet, der Umbau bzw. Abriss der Fassade sei im Jahr 1790[15][16] geschehen. Zwischen dem Jahr 1783, als Johanna Dorothea Großmann das Gebäude erwarb, und 1813, als sie ihr Testament eröffnete, sind aber keine besonderen Baumaßnahmen feststellbar.[17] Das Gebäude war aber mindestens seit 1760 nicht mehr bewohnbar und verfiel zunehmends, es wurde eher als Wertanlage genutzt.[18]
Noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts befand sich im ersten Stock ein kapellenartiger Raum für Andachtsübungen Hans Frenzels.[2] Modernen Angaben zufolge ist diese Hauskapelle noch erhalten und fast vollständig ausgemalt.[19] Sie stammt aus der Zeit um das Jahr 1510.[1]
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde sich, nicht ohne Widerstände, bemüht, Untermarkt 4 und 5 zu erhalten und sinnvoll zu nutzen. Bis 1972 wurden zumindest Fassade und Dach saniert. Im Jahr 1974 wurde in beiden Gebäuden die Gaststätte Goldener Baum eröffnet.[20]
Seit November 1991 stand Untermarkt 5 leer. Bereits im Jahr 1990 wurde mit der von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz finanzierten Sanierung der Bemalungen begonnen und im Jahr 1992 abgeschlossen.[20]
Die eigentliche Sanierung zum heutigen Hotel wurde ab dem Jahr 1998 vom heutigen Besitzer durchgeführt.[21]
Literatur
- Frank Vater: Der Frenzelhof – Die bauliche Entwicklung des Hallenhauses Untermarkt 5 in Görlitz. (PDF)
- Richard Jecht: Topographie der Stadt Görlitz. Görlitz 1934. S. 29–31. (Online)
- Heinrich Magirius: Archäologische Untersuchungen am Haus Untermarkt 5 in Görlitz – Ein Beitrag zur Hausforschung in: Hans-Jürgen Jürgen Rach (Hrsg.): Vom Bauen und Wohnen. 1982. S. 126–139. (Vorschau in Google-Books)
- Frenzelhof in: André Micklitza: Görlitz: Mit Berzdorfer Seengebiet, Ostritz/St. Marienthal, Königshainer Bergen und Niesky. Trescher Verlag, Berlin 2023. S. 64–66. (Online)
- Eberhard Winter: Das Görlitzer Hallenhaus Untermarkt 5: Der Frenzelhof. In: Denkmalpflege in Görlitz 9. 2000. S. 21–23.
Weblinks
- Hallenhäuser in Görlitz auf der Hotelseite.
Einzelnachweise
- ↑ a b Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (Hrsg.): Kulturdenkmale im Freistaat Sachsen – Denkmaldokument. Obj.-Dok.-Nr. 09282092, 2. Januar 2026.
- ↑ a b c d Paul Fritsch: Alte Görlitzer Geschlechter und die Wappen derselben. Görlitz 1891, S. 18–19 (slub-dresden.de – Fritsch nannte, im Gegensatz zu Richard Jecht, als die dritte ehemalige Figur am Giebel (neben Georg und Maria) Johannes den Täufer. Die Abbildung der Figuren bei Richard Jecht zeigt die Figur mit einem Lamm auf dem Arm, was als Attribut auf den heiligen Joachim hindeutet.).
- ↑ Richard Jecht: Topographie der Stadt Görlitz. Görlitz 1934, S. 31 (yumpu.com).
- ↑ a b Frank Vater: Der Frenzelhof – Die bauliche Entwicklung des Hallenhauses Untermarkt 5 in Görlitz. S. 49 (frenzelhof.de [PDF]).
- ↑ Frank Vater: Der Frenzelhof – Die bauliche Entwicklung des Hallenhauses Untermarkt 5 in Görlitz. S. 15 (frenzelhof.de [PDF]).
- ↑ Richard Jecht: Topographie der Stadt Görlitz. Görlitz 1934, S. 30 (yumpu.com).
- ↑ a b Frank Vater: Der Frenzelhof – Die bauliche Entwicklung des Hallenhauses Untermarkt 5 in Görlitz. S. 15 (frenzelhof.de [PDF]).
- ↑ a b c Frank Vater: Der Frenzelhof – Die bauliche Entwicklung des Hallenhauses Untermarkt 5 in Görlitz. S. 17 (frenzelhof.de [PDF]).
- ↑ Frank Vater: Der Frenzelhof – Die bauliche Entwicklung des Hallenhauses Untermarkt 5 in Görlitz. S. 28 (frenzelhof.de [PDF]).
- ↑ Frank Vater: Der Frenzelhof – Die bauliche Entwicklung des Hallenhauses Untermarkt 5 in Görlitz. S. 31 (frenzelhof.de [PDF]).
- ↑ Frank Vater: Der Frenzelhof – Die bauliche Entwicklung des Hallenhauses Untermarkt 5 in Görlitz. S. 31–32 (frenzelhof.de [PDF]).
- ↑ Frank Vater: Der Frenzelhof – Die bauliche Entwicklung des Hallenhauses Untermarkt 5 in Görlitz. S. 61 (frenzelhof.de [PDF]).
- ↑ Frank Vater: Der Frenzelhof – Die bauliche Entwicklung des Hallenhauses Untermarkt 5 in Görlitz. S. 65 (frenzelhof.de [PDF]).
- ↑ Frank Vater: Der Frenzelhof – Die bauliche Entwicklung des Hallenhauses Untermarkt 5 in Görlitz. S. 57, 60 (frenzelhof.de [PDF]).
- ↑ Georg Dehio: Dehio - Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler / Sachsen Bd. 1: Regierungsbezirk Dresden. Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 2024, ISBN 978-3-422-80158-5, S. 397 (google.de [abgerufen am 1. Januar 2026]).
- ↑ Hans-Jürgen Rach: Vom Bauen und Wohnen: 20 Jahre Arbeitskreis für Haus- und Siedlungsforschung in der DDR. Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 2022, ISBN 978-3-11-248508-8, S. 127, 137 (google.de [abgerufen am 1. Januar 2026]).
- ↑ Frank Vater: Der Frenzelhof – Die bauliche Entwicklung des Hallenhauses Untermarkt 5 in Görlitz. S. 57 (frenzelhof.de [PDF]).
- ↑ Frank Vater: Der Frenzelhof – Die bauliche Entwicklung des Hallenhauses Untermarkt 5 in Görlitz. S. 57–58 (frenzelhof.de [PDF]).
- ↑ André Micklitza: Görlitz: Mit Berzdorfer Seengebiet, Ostritz/St. Marienthal, Königshainer Bergen und Niesky. Trescher Verlag, 2023, ISBN 978-3-89794-649-1, S. 64 (google.de [abgerufen am 2. Januar 2026]).
- ↑ a b Frank Vater: Der Frenzelhof – Die bauliche Entwicklung des Hallenhauses Untermarkt 5 in Görlitz. S. 63 (frenzelhof.de [PDF]).
- ↑ Frank Vater: Der Frenzelhof – Die bauliche Entwicklung des Hallenhauses Untermarkt 5 in Görlitz. S. 64, 68 (frenzelhof.de [PDF]).