Unter-Mässing (Meteorit)
| Unter-Mässing | |||||
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| Meteorit Unter-Mässing, Hauptstück im NHM Nürnberg | |||||
| Allgemeines | |||||
| Offizieller Name nach MBD |
Unter-Mässing | ||||
| Authentizität | sicher | ||||
| Lokalität | |||||
| Land | Deutschland | ||||
| Bundesland | Bayern | ||||
| Regierungsbezirk | Mittelfranken | ||||
| Landkreis | Roth | ||||
| Ort | Untermässing, östlich des Ortes, nördlich von Greding | ||||
| Gelände | Katzenberg | ||||
| Fall und Bergung | |||||
| Datum (Fall) | nach neuen Schätzungen vor 14.000 Jahren | ||||
| beobachtet | nein | ||||
| Datum (Fund) | Mai 1920 | ||||
| Sammlung | NHM (Nürnberg) Rieskrater-Museum (Nördlingen) | ||||
| Beschreibung | |||||
| Typ | Eisenmeteorit | ||||
| Klasse | Plessit-Oktaedrit | ||||
| Gruppe | IIC | ||||
| Masse (total) | 80 kg | ||||
| Herkunft | Asteroid Psyche | ||||
| Referenzen | |||||
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Unter-Mässing ist ein im Jahr 1920 in Bayern entdeckter Eisenmeteorit, der zur Klasse der feinen Oktaedrite (Untergruppe IIC) gehört. Untersuchungen vom September 2022 zeigten, dass der Meteorit bereits vor 14.000 Jahren gefallen war.[1]
Durch diese vom Max-Planck-Institut durchgeführte Ermittlung des terrestrischen Alters konnte ausgeschlossen werden, dass – wie lange vermutet worden ist – der Fall des Meteoriten im Jahr 1807 beobachtet worden war.
Der Eisenmeteorit Unter-Mässing ist zu unterscheiden von dem 1803 beobachteten Niedergang des Achondriten Mässing im niederbayrischen Landkreis Rottal-Inn.
Geschichte des Meteoriten
Fund
Im Mai 1920 stießen die beiden Waldarbeiter Johann Schäfer und sein Bruder Georg beim Roden von Wurzelstöcken mit der Hacke auf einen Metallklotz, den die Wurzeln einer alten Fichte fest umschlossen. Sie legten den Meteoriten frei und deckten am Abend ihren Fund mit Erde zu, damit er nicht gestohlen wird und schafften ihn am nächsten Tag ins Dorf.
Rettung vor der Einschmelzung
Der Fund sprach sich schnell herum und ein Schrotthändler aus Thalmässing bot den Brüdern 2 Mark für den Eisenklumpen. Es war nicht, wie gemeinhin bekannt, der angebliche Natur- und Heimatforscher Franz Kerl (1873–1956) der den Stein als Eisenmeteorit identifiziere und ihn vor der Zerstörung rettete. Franz Kerl fungierte bei der ganzen Geschichte lediglich als Fahrer. Als solcher stand er in den Diensten des späteren Bezirksoberschulrates Wilhelm Schönhuber. Zum Zeitpunkt des Fundes lebte Wilhelm Schönhuber noch in Kleinhöbing und war als Oberlehrer an den Schulen in Obermässing und Greding tätig. Aufgrund seiner Weigerung, sich in die Dienste der nationalsozialistischen Regierung der 1930er Jahre zu stellen, wurden all seine vorherigen Verdienste in Bezug auf Heimat- und Geschichtsforschung anderen Personen zugeschrieben. Wilhelm Schönhuber entstammte einer Lehrerfamilie aus Töging aus deren Kreis viele Forscher kamen. Wilhelm Schönhuber war Mitglied der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg und informierte diese über den Fund. Franz Kerl brachte den Meteoriten im Auftrag des Oberlehrers nach Hilpoltstein, wo er auf die Gredlbahn verladen und so nach Nürnberg gebracht worden ist. Vor den Zeiten einer musealen Verwendung wurden Eisenmeteorite normalerweise aufgeschmolzen, um das hochwertige Eisen zu gewinnen. Die Brüder Schäfer erhielten schließlich 150 Mark Entlohnung und 20 Mark für den Transport. Kerl bekam 150 Mark für die Vermittlung des einzigartigen Stückes, dies war die Belohnung, die dem Oberlehrer Schönhuber zugestanden hätte, die dieser aber in seiner generösen Weise Franz Kerl überließ.
Überstehen des Zweiten Weltkrieges
Sein Aufbewahrungsort, das Nürnberger Luitpoldhaus, in welchem das Museum der Naturhistorischen Gesellschaft untergebracht war, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Drei Jahre nach Kriegsende wurde der im Keller verschüttete Meteorit durch Vereinsmitglieder wiederentdeckt und geborgen. Die Hitze des Gebäudebrandes hatte das Gefüge des Metalls nicht beschädigt.[2]
Vermuteter Fallbericht
Lange wurde angenommen, dass der Fall des Meteoriten im Jahr 1807 beobachtet worden sein könnte. Unter Berufung auf Aufzeichnungen des Naturforschers Karl von Moll hatte der Meteoritenforscher Ernst Florens Friedrich Chladni im Jahr 1819 festgehalten:
„1807, den 9. August um 8 Uhr Abends, eine östlich von Nürnberg gegen Süden sich bewegende Feuerkugel bemerkt ward. Der Himmel war voll Gewitterwolken …“
Diese Vermutung konnte durch die Untersuchungen des Max-Planck-Instituts widerlegt werden.
Beschreibung
Der Meteorit besteht zu fast 90 Prozent aus Eisen. Zwei Aspekte sind außergewöhnlich:
- Er ist nach dem Meteoriten von Issigau der zweitgrößte noch erhaltene Meteorit in Deutschland. Er muss demzufolge ein stattlicher Meteor gewesen sein, als er in die Erdatmosphäre eintrat. Untersuchungen von Hans Voshage am Max-Planck-Institut in Mainz ergaben, dass der Meteoroid vor Eintritt in die Atmosphäre eine Masse von etwa 2 Tonnen hatte.[3]
- Er ist selten: Die kreuz und quer liegenden Kristallstrukturen auf den angeätzten Schliffflächen (so genannte Widmanstättensche Figuren) sind sehr viel feiner als üblich. Zu dieser Gruppe gehören nur etwa 1,4 Prozent aller Eisen-Meteoriten.[4] Er ist einer von nur zwei Eisenmeteoriten, die bisher in Bayern gefunden wurden.[5]
Verbleib
Der mit gut 78 Kilogramm größte Teil des Meteoriten ist im Naturhistorischen Museum in Nürnberg ausgestellt. Die Sammlungen der Naturhistorischen Gesellschaft in der Norishalle betreffen heute vor allem die Bereiche Geologie, Karst- und Höhlenkunde, Urgeschichte und Archäologie, sowie Völkerkunde.
Ein Stück von rund 130 Gramm ist im Rieskrater-Museum in Nördlingen zu besichtigen. Zwei weitere Stücke befinden sich in der Mineralogischen Staatssammlung in München. Eines davon (188 Gramm) war 1951 dem Mineralogen Hugo Strunz für seine Mithilfe bei der Bergung des Meteoriten aus dem Kriegsschutt überreicht worden.
Siehe auch
Literatur
- Nicht von dieser Welt. Bayerns Meteorite. Bayerisches Landesamt für Umwelt, Augsburg 2012, ISBN 978-3-936385-92-2.
- Eintrag in der Meteoritical Bulletin Database
Weblinks
- Naturhistorisches Museum Nürnberg
- https://www.lfu.bayern.de/geologie/meteorite/bayern/doc/untermaessing.pdf
Einzelnachweise
- ↑ Vor 14.000 Jahren bei Untermässing. (PDF) Bayerisches Landesamt für Umwelt, September 2022, abgerufen am 13. März 2023.
- ↑ E. Preuss: Der Meteorit von Unter-Mässing. In: Jahresmitteilungen der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg, Nürnberg 1976, S. 49–54.
- ↑ H. Voshage, H. Feldmann, L. Schultz: Das Bestrahlungsalter und die präatmosphärische Größe des Eisenmeteoriten Unter-Mässing / Cosmic-ray Exposure Age and Pre-atmospheric Size of the Iron Meteorite Unter-Mässing. In: Zeitschrift für Naturforschung A. Band 35, Nr. 1, 1. Januar 1980, ISSN 1865-7109, S. 50–56, doi:10.1515/zna-1980-0111.
- ↑ Nicht von dieser Welt. Bayerns Meteorite. Bayerisches Landesamt für Umwelt, 2012, S. 43
- ↑ Nicht von dieser Welt. Bayerns Meteorite. Bayerisches Landesamt für Umwelt, 2012, S. 94