Unstrut-Viadukt
Der Unstrut-Viadukt, auch Kefferhäuser Viadukt genannt, ist eine Eisenbahnbrücke der ehemaligen Bahnstrecke Leinefelde–Treysa (Kanonenbahn) im Eichsfeld in Thüringen. Er überquert die Unstrut und liegt zwischen Kefferhausen und Dingelstädt bei Streckenkilometer 12,8. Das Bauwerk ist 52,8 m lang und 25,7 m hoch. Es handelt sich um eine dreibogige Steinbogenbrücke aus Mauerwerk, die die Unstrut sowie die parallel verlaufende Kreisstraße K 220 überspannt. Der mittlere Bogen dient der Straßenunterführung. Die Brücke wurde 1877–1879 errichtet und ist das größte steinerne Brückenbauwerk des Streckenabschnitts Leinefelde-Treysa. Nach der Stilllegung der Bahnstrecke 1998 dient sie heute als Teil des Kanonenbahn-Radwegs.
Geschichte
Der Unstrut-Viadukt entstand im Zuge des Baus der Kanonenbahn, einer strategischen Bahnstrecke, die von 1875 bis 1882 errichtet wurde. Die Strecke diente der raschen Verlegung von Truppen und Material zwischen Norddeutschland und dem Süden des Reiches zur Grenze an Frankreich. Der Bauabschnitt Leinefelde-Eschwege, zu dem der Viadukt gehört, wurde ab Februar 1875 begonnen und trotz anspruchsvollen Geländes (Tunnel, Brücken) bis 1880 weitgehend fertiggestellt. Am Bau waren unter anderem italienische, galizische und kroatische Baufachleute beteiligt. Für sie wurden später Reihenhäuser in Kefferhausen errichtet, welche nach Vollendung des Bauwerks an Kefferhäuser Bürger verkauft wurden. Die Baukosten des Viaduktes beliefen sich auf 192.000 Mark.
Die Brücke wurde zweigleisig angelegt, die Strecke wurde jedoch nie zweigleisig ausgebaut im Abschnitt Dingelstädt-Küllstedt. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die Linie erhalten, litt jedoch unter Demontagen und wirtschaftlicher Unrentabilität. Der Personenverkehr endete 1994 auf dem Abschnitt Küllstedt-Dingelstädt. Die Trasse wurde ab 2002 als Rad- und Wanderweg umgenutzt. Der Kanonenbahnverein Lengenfeld unterm Stein e. V. engagiert sich für Erhaltung und Tourismus, inklusive Draisinenfahrten.
Heute ist der Viadukt Teil des 32 km langen Kanonenbahn-Radwegs, der durch den Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal führt. Der Radweg überquert die Brücke und liegt zwischen Kefferhausen und Dingelstädt. Der Verein organisiert geführte Touren, darunter Draisinenfahrten. Die Brücke ist ein Highlight für Radfahrer und Wanderer.
Konstruktion
Der Viadukt ist eine Steinbogenbrücke aus Mauerwerk mit drei Öffnungen von je 13 m Spannweite. Die Gewölbe bestehen aus hartem Sandstein und Muschelkalkstein aus lokalen Brüchen (z. B. Eigenrieder und Strüther Bruch). Die Gesamthöhe beträgt 25,7 m über dem Talgrund. Der mittlere Bogen ist für die Unstrut und Kreisstraße K 220 ausgelegt.
Literatur
- Günter Fromm: Die Geschichte der Kanonenbahn. Leinefelde–Eschwege 1880–1945. Leinefelde–Geismar 1880–1992. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2004, ISBN 3-932554-98-1.
- Paul Lauerwald: Die Kanonenbahn Leinefelde–Eschwege-West. Herdam Fotoverlag, 1998, ISBN 3-933178-01-0.