Un gran casino

Film
Titel Un gran casino
Produktionsland Österreich
Originalsprache Deutsch, Englisch, Italienisch
Erscheinungsjahr 2025
Länge 77 Minuten
Stab
Regie Daniel Hoesl
Drehbuch Daniel Hoesl
Produktion Georg Aschauer
  • Daniel Hoesl
  • Julia Niemann
Musik Andreas Spechtl
  • Andi Pils
Kamera Sven Zellner
Schnitt Gerhard Daurer
Besetzung

Un gran casino ist ein österreichischer Essayfilm von Daniel Hoesl aus dem 2025 über das Casinò di Campione bzw. ein Film, der „einen größenwahnsinnigen Kapitalismus“ dokumentiert.[1]

Hintergrund

Das erste Casino in Campione wurde 1917 eröffnet; 2007 wurde der dreizehnstöckige Neubau errichtet, ein „Symbol für die Macht des Geldes.“[1] 2018 ging dieses größte Casino Europas in Konkurs, was die italienische Exklave Campione in massive finanzielle Probleme stürzte. Etwa ein Viertel der Arbeitsplätze in Campione wurde durch diesen Zusammenbruch vernichtet.[1] Im Januar 2022 wurde es mit stark reduziertem Personalbestand und ausgebautem Maschinenpark wieder eröffnet.[2] Der Filmtitel Un gran casino – statt Un gran casinò – macht deutlich, wie kritisch dieser Versuch, aus dem Elend herauszukommen, zu sehen ist.[3] Als „Nichtort“ und zugleich als „Styx“ und „Totenreich“ interpretierte Benedikt Guntentaler den Schauplatz dieses Filmes.[4] Un gran casino wird in der Synopse als „[a] film about the dark religion of money and capitalism“ bezeichnet.[5]

Inhalt

Ein alter Mann und eine Junge stehen vor der Baustelle des Casinò die Campione in der italienischen Exklave Campione d’Italia. Der alte Mann, einst Bürgermeister des Ortes,[6] bedauert, dem Neubau des Casions zugestimmt zu haben. Danach wechselt der Film zu Schwarz-Weiß und eine Frauenstimme stellt philosophische Überlegungen zur Bedeutung von Spiel und Kapitalismus an. Die Frau ist nach einigen Szenen als Sandra Ceccarelli, die „campionessa d’Italia“ und Personifikation des Casinos, erkennbar. Angelehnt an die Stationen in Dantes Divina commedia, bringt sie die Verbindungen von Glücksspiel, Kapitalismus und Religion zur Sprache.[7]

Der Musiker Andreas Spechtl ist in dem Film als Spieler zu sehen, wie er mit dem Auto fährt oder das Casino besucht – die „Kirche, die niemand mehr aufsucht.“[7]

Produktion

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Werk von Thomas Köck.[8] Er wurde im Mai und Juni 2023 vor Ort gedreht und wurde vom Österreichischen Filminstitut und anderen Stellen gefördert. Der ORF war an der Produktion beteiligt.[9] Der Film feierte Ende Januar 2025 beim International Film Festival Rotterdam Premiere[10] und lief im Juni beim Filmfest München.[11]

Rezeption

Esther Buss von Diagonale: „Während Geld vernichtet wird und sich neue Werte herausbilden, schwebt über allem irrationalen Geschehen die „unsichtbare Hand“: eine vermeintlich unbestimmte, gar göttliche Instanz, die die Kapitalströme ordnet und reguliert. Auch Engel zählen in diesem düsteren Reich zum festen Personal.“[12]

Martin Dadak von Uncut: „David Hoesls ‚Un gran casino‘ warnt anhand eines kleinen Beispiels vor einer dunklen Zukunft – und regt zum Nachdenken an, ob unsere Gesellschaft vielleicht auf die falschen Zahlen setzt.“„Wie eine Kathedrale des Geldes obwaltet das Casino über die Gemeinde. Die Filmemacher ziehen bewusst Parallelen zum christlichen Glauben und scheuen nicht davor zurück, eindeutig Stellung zu beziehen. Menschen sind stets auf der Suche nach Erlösung – sei es in der Kirche oder im Konsum. Doch was passiert, wenn der Glaube an das Geld überhandnimmt? Campione liefert die Antwort.“[13]

Marina Pavido stellte fest: „Ganz dem Stil der Filmografie von Daniel Hoesl entsprechend greift Un gran Casino den Kapitalismus direkt an und erweitert seinen Diskurs auch auf Themen wie Religion und, allgemeiner, auf das, was den Menschen dazu bringt, immer mehr zu begehren. Das Endergebnis ist ein keineswegs einfacher Spielfilm mit magnetischem Charme, der erneut das Talent von Hoesl, auf völlig innovative Weise zu erzählen, was unsere Gesellschaft heute geworden ist, bestätigt.“[6]

Auszeichnungen (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. a b c Un gran casino auf www.filmfest-muenchen.de
  2. Gerhard Lob: In Campione d’Italia rollt die Kugel wieder, 27. Januar 2022 auf www.nzz.ch, abgerufen am 4. Dezember 2025
  3. Un gran casino auf ungrancasino.com
  4. Benedikt Guntentalers Kritik unter „Pressestimmen“ auf ungrancasino.com
  5. Synopsis auf ungrancasino.com
  6. a b Marina Pavido: Un gran casino, 29. März 2025 auf cinema-austriaco.org
  7. a b Un gran casino auf www.diagonale.at
  8. Thomas Köck: un gran casino (krähen kreisen). Abgerufen am 29. Juni 2025.
  9. Un Gran Casino. In: Österreichisches Filminstitut. Abgerufen am 29. Juni 2025 (deutsch).
  10. Un gran casino. International Film Festival Rotterdam, abgerufen am 29. Juni 2025 (britisches Englisch).
  11. UN GRAN CASINO. In: filmfest-muenchen.de. Abgerufen am 29. Juni 2025.
  12. Un gran casino. Abgerufen am 29. Juni 2025.
  13. Un gran casino (Filmkritik) | UNCUT-Movies. Abgerufen am 29. Juni 2025 (deutsch).