Umberto Tupini

Umberto Tupini (* 27. Mai 1889 in Rom; † 7. Januar 1973 ebenda) war ein italienischer Politiker der Democrazia Cristiana (DC), der unter anderem im Königreich Italien von 1919 bis 1929 Mitglied der Camera dei deputati, Minister in mehreren Regierungen, zwischen 1948 und 1968 Mitglied des Senato della Repubblica sowie von 1956 bis 1957 Bürgermeister von Rom war.

Leben

Rechtsanwalt, Mitglied der Abgeordnetenkammer und Minister

Umberto Tupini absolvierte ein Studium der Rechtswissenschaften, welches er mit einem „Laurea in giurisprudenza“ beendete, und war danach als Rechtsanwalt tätig. Bei der Parlamentswahl am 16. November 1919 wurde er erstmals zum Mitglied der Abgeordnetenkammer (Camera dei deputati) des Königreichs Italien gewählt und gehörte dieser nach seinen Wiederwahlen am 15. Mai 1921 und am 6. April 1924 vom 1. Dezember 1919 bis zum 21. Januar 1929 an. Während dieser Zeit fungierte er zwischen dem 30. Juni 1920 und dem 7. April 1921 als Sekretär des Wahlausschusses (Giunta per le elezioni).[1] Nach seinem Ausscheiden aus dem Parlament war er wieder als Rechtsanwalt tätig.

Nach der Befreiung Roms durch die Alliierten am 6. Juni 1944 wurde Tupini am 18. Juni 1944 als Minister für Justiz (Ministro di grazia e giustizia) in das Kabinett Bonomi II berufen und bekleidete dieses Ministeramt vom 12. Dezember 1944 bis zum 21. Juni 1945 auch im Kabinett Bonomi III.[2] Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war er vom 25. September 1945 bis zum 24. Juni 1946 Mitglied des Nationalen Beratungsgremiums Consulta nazionale sowie im Anschluss zwischen dem 25. Juni 1946 und dem 31. Januar 1948 Mitglied der Verfassunggebenden Versammlung (Assemblea Costituente). In der Verfassunggebenden Versammlung fungierte er vom 19. Juli 1946 bis zum 31. Mai 1947 als stellvertretender Vorsitzendes des Verfassungsausschusses (Commissione per la costituzione) und zeitgleich als Vorsitzender des Ersten Unterausschusses (Prima sottocommissione), der den Abschnitt über Rechte und Pflichten der Bürger erarbeitete. Darüber hinaus wurde er am 10. Dezember 1946 Vizepräsident der Verfassunggebenden Versammlung und war damit bis zum 31. Mai 1947 einer der Stellvertreter des Präsidenten Giuseppe Saragat (PSIUP)[3] beziehungsweise ab dem 8. Februar 1947 von Umberto Terracini (PCI).[4][5] Im Anschluss bekleidete er im Kabinett De Gasperi IV vom 1. Juni 1947 bis zum 23. Mai 1948 das Amt des Ministers für öffentliche Arbeiten (Ministro dei Lavori Pubblici).[6]

Senator, Minister in Nachkriegsregierungen und Bürgermeister von Rom

Bei den ersten Parlamentswahlen am 18. April 1948 wurde Umberto Tupini für die Christdemokraten DC (Democrazia Cristiana) erstmals zum Mitglied des Senats (Senato della Repubblica) und gehörte diesem nach seinen Wiederwahlen am 7. Juni 1953, 25. Mai 1958 und 28. April 1963 als Vertreter der Region Marken von der ersten Legislaturperiode bis zum Ende der vierten Legislaturperiode vom 8. Mai 1948 bis zum 4. Juni 1968 an. Während seiner zwanzigjährigen Senatsmitgliedschaft gehörte er zahlreichen Ständigen Ausschüssen an und war im Kabinett De Gasperi V zwischen dem 23. Mai 1948 bis 26. Januar 1950 abermals Minister für öffentliche Arbeiten.[7] Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung war er in der ersten Legislaturperiode fungierte er zwischen dem 29. Juli 1950 und dem 17. März 1953 als Vorsitzender des Ständigen Ausschusses für die Präsidentschaft des Ministerrates und Innere Angelegenheiten (Commissione permanente (Affari della Presidenza del Consiglio e dell’Interno))[8] und war im Anschluss als Vizepräsident des Senats vom 17. März bis zum 24. Juni 1953 Stellvertreter von Senatspräsident Meuccio Ruini.[9][10]

Tupini, der zeitweise auch Präsident des Istituto tecnico industriale di Fermo war, war in der zweiten Legislaturperiode zwischen dem 28. Juli 1953 und dem 17. Januar 1954 abermals Vorsitzender des Ständigen Ausschusses für die Präsidentschaft des Ministerrates und Innere Angelegenheiten[11] und bekleidete daraufhin im Kabinett Fanfani I vom 18. Januar bis zum 9. Februar 1954 das Amt des Ministers beim Ministerpräsidenten (Presidenza del Consiglio dei ministri).[12] Im darauf folgenden Kabinett Scelba übernahm er zwischen dem 10. Februar 1954 und dem 5. Juli 1955 den Posten als Minister ohne Geschäftsbereich für die Beziehungen zum Parlament (Ministro senza portafoglio della riforma della pubblica amministrazione)[13] und war zuletzt in der zweiten Legislaturperiode zwischen dem 13. Dezember 1955 und dem 11. Juni 1958 Beratungskommission für die Umsetzung der Verordnung für das Nationale Institut zur Unterstützung von Kommunalbediensteten (Commissione consultiva norme attuazione ordinamento Istituto nazionale assistenza dipendenti enti locali INADEL).[14]

Als Nachfolger von Salvatore Rebecchini wurde Tupini am 2. Juli 1956 Bürgermeister von Rom und bekleidete dieses Amt bis zum 27. Dezember 1957, woraufhin Urbano Cioccetti seine Nachfolge antrat. Bei den Wahlen im Mai 1956 bestätigte die DC mit 32 Prozent ihre Position als stärkste Partei der Stadt, gefolgt von der Kommunistischen Partei Italiens PCI (Partito Comunista Italiano) mit 24,2 Prozent, woraufhin der Stadtrat mit den Stimmen der DC, des PLI, des PSDI und einem Mitglied des PRI ihn zum Bürgermeister wählte. Ende 1957 trat Bürgermeister Umberto Tupini zurück, um bei den für Frühjahr 1958 angesetzten Senatswahlen zu kandidieren.[15]

In der dritten Legislaturperiode fungierte Umberto Tupini vom 13. Juni 1958 bis 14. Februar 1959 sowie erneut zwischen dem 23. November 1960 und dem 15. Mai 1963 als Vorsitzender des Wahlausschusses (Giunta delle elezioni)[16] und bekleidete zwischenzeitlich im Kabinett Segni II (15. Februar 1959 bis 24. März 1960) und im Kabinett Tambroni (25. März bis 25. Juli 1960) das Amt als Minister für Sport und Tourismus beziehungsweise ab dem 31. Juli 1959 als Minister für Tourismus und Veranstaltungen (Ministro del turismo e dello spettacolo).[17][18] Zudem war er noch zwischen dem 19. November 1958 und dem 2. März 1959 Vorsitzender der Sonderkommission zum Gesetzentwurf über Sondermaßnahmen für die Hauptstadt sowie vom 26. September bis zum 6. Dezember 1962 Vorsitzender der Kommission für das Sondergesetz (Nr. 2189) zur Gründung des Elektrizitätsversorgungsunternehmens ENEL (Ente Nazionale per l'Energia Elettrica).[19] Zuletzt war er in der vierten Legislaturperiode zwischen dem 16. Mai 1963 und dem 4. Juni 1968 noch einmal Vorsitzender des Wahlausschusses.[20] Für seine Verdienste wurde ihm nach seinem Ausscheiden aus dem Senat am 15. Juni 1968 das Großkreuz des Verdienstordens der Italienischen Republik verliehen.

Literatur

  • Gabriele De Rosa: Umberto Tupini atti del seminario di studi storici promosso dall’Istituto Luigi Sturzo, Rom 1990
Commons: Umberto Tupini – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Giunta per le elezioni. In: Camera dei deputati. Abgerufen am 2. November 2025 (italienisch).
  2. Italy: Justice Ministers. In: rulers.org. Abgerufen am 2. November 2025 (englisch).
  3. Giuseppe Saragat. In: Camera dei deputati. Abgerufen am 2. November 2025 (italienisch).
  4. Umberto Terracini. In: Camera dei deputati. Abgerufen am 2. November 2025 (italienisch).
  5. Assemblea Costituente: Ufficio di Presidenza. In: Camera dei deputati. Abgerufen am 2. November 2025 (italienisch).
  6. IV Governo De Gasperi. In: Camera dei deputati. Abgerufen am 2. November 2025 (italienisch).
  7. Governo De Gasperi-V. In: Senato della Repubblica. Abgerufen am 2. November 2025 (italienisch).
  8. 1. Legislaturperiode: 1ª Commissione permanente (Affari della Presidenza del Consiglio e dell’Interno). In: Senato della Repubblica. Abgerufen am 2. November 2025 (italienisch).
  9. Meuccio Ruini (1. Legislaturperiode). In: Senato della Repubblica. Abgerufen am 2. November 2025 (italienisch).
  10. Umberto Tupini (1. Legislaturperiode). In: Senato della Repubblica. Abgerufen am 2. November 2025 (italienisch).
  11. 2. Legislaturperiode: 1ª Commissione permanente (Affari della Presidenza del Consiglio e dell’Interno). In: Senato della Repubblica. Abgerufen am 2. November 2025 (italienisch).
  12. Governo Fanfani-I. In: Senato della Repubblica. Abgerufen am 2. November 2025 (italienisch).
  13. Governo Scelba. In: Senato della Repubblica. Abgerufen am 2. November 2025 (italienisch).
  14. Umberto Tupini (2. Legislaturperiode). In: Senato della Repubblica. Abgerufen am 2. November 2025 (italienisch).
  15. Roma: Gli anni 1950. In: Enciclopedia Italiana di scienze, lettere ed arti. Abgerufen am 2. November 2025 (italienisch).
  16. 3. Legislaturperiode: Giunta delle elezioni. In: Senato della Repubblica. Abgerufen am 2. November 2025 (italienisch).
  17. Governo Segni-II. In: Senato della Repubblica. Abgerufen am 2. November 2025 (italienisch).
  18. Governo Tambroni. In: Senato della Repubblica. Abgerufen am 2. November 2025 (italienisch).
  19. Umberto Tupini (3. Legislaturperiode). In: Senato della Repubblica. Abgerufen am 2. November 2025 (italienisch).
  20. 4. Legislaturperiode: Giunta delle elezioni. In: Senato della Repubblica. Abgerufen am 2. November 2025 (italienisch).