Ulrike Geppert-Orthofer
Ulrike Geppert-Orthofer (* 8. Juni 1969 in Freiburg im Breisgau) ist eine deutsche Hebamme und Volkswirtin (M.Sc.). Sie ist seit 2017 die Präsidentin[1] des Deutschen Hebammenverbandes e.V.
Werdegang
Nach dem Abitur zog Geppert-Orthofer nach Wien und begann dort ein Studium der Handelswissenschaft, das sie später zugunsten einer Hebammenausbildung abbrach.[2][3]
1997 schloss Geppert-Orthofer ihr Hebammenexamen in Tübingen ab und arbeitete in der Folge angestellt im Kreißsaal der Universitätsfrauenklinik in Tübingen sowie als Beleghebamme im Krankenhaus in Horb. Darüber hinaus war sie als freiberufliche Hebamme in Horb und Umgebung tätig.[4][5]
Geppert-Orthofer studierte anschließend an der Eberhard Karls Universität Tübingen Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre und schloss ihr Studium 2011 mit dem Bachelor of Science in Economics and Business Administration und 2013 mit dem Master of Science in General Management ab.[4][5] Nach Abschluss des Studiums ging sie als akademische Mitarbeiterin an den Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement und Marketing der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, wo sie seit Dezember 2013 als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig war.[4][6]
Berufspolitisches Engagement
Geppert-Orthofer engagiert sich seit den 1990er Jahren berufspolitisch. Von 2004 bis 2012 war sie Vorsitzende des Hebammenverbandes Baden-Württemberg; seit 2017 ist sie Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands (DHV).[7][8]
Als DHV-Präsidentin nennt sie als zentrale Ziele die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Geburtshilfe sowie gute Bedingungen für Frauen rund um die Geburt; eine gute Arbeitssituation der Hebammen sei Voraussetzung für eine qualitativ hochwertige Geburtshilfe.[7] In Stellungnahmen und Interviews kritisiert sie wiederholt, dass in deutschen Kreißsälen Hebammen häufig mehrere Gebärende parallel betreuen und das im Koalitionsvertrag 2021–2025 formulierte Ziel einer Eins-zu-eins-Betreuung weit verfehlt werde; aus ihrer Sicht beruht der Hebammenmangel weniger auf fehlendem Nachwuchs als auf unzureichenden Arbeitsbedingungen.[9][10]
Im September 2022 wandte sich Geppert-Orthofer gemeinsam mit dem DHV-Präsidium mit dem Schreiben Brandbrief: Notstand klinische Geburtshilfe an die gesundheitspolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Regierungsfraktionen im Deutschen Bundestag. Darin warnte sie vor den Folgen des GKV-Finanzstabilisierungsgesetzes und der geplanten Herausnahme von Hebammen aus dem Pflegebudget der Kliniken sowie vor den Regelungen der Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung. Nach Auffassung des DHV stehen diese Vorhaben im Widerspruch zu dem politisch angestrebten Ausbau der hebammengeleiteten Geburtshilfe und gefährden die Versorgung von Frauen und Kindern in der klinischen Geburtshilfe.[11][12][9]
Auch darüber hinaus plädiert Geppert-Orthofer für eine strukturelle Stärkung der Geburtshilfe. Sie fordert den Ausbau hebammengeleiteter Kreißsäle, eine verbindliche Personalbemessung für Hebammen und eine Ausbildungsoffensive, damit Hebammen länger im Beruf bleiben können und eine Eins-zu-eins-Betreuung „in wesentlichen Phasen der Geburt“ möglich wird.[9][10] 2023 bezeichnete sie die im Pflegestudiumstärkungsgesetz vorgesehene partielle Berufszulassung für den Hebammenberuf als „verantwortungslos“, weil sie aus ihrer Sicht die Sicherheit von Mutter und Kind beeinträchtige und Empfehlungen des DHV unberücksichtigt lasse.[13]
Einzelnachweise
- ↑ Neue Präsidentin des Hebammenverbands | Heilberufe. Abgerufen am 13. November 2025.
- ↑ Louisa Schmökel: Ulrike Geppert-Orthofer. In: Tagesspiegel Background – Gesundheit & E-Health, 12. Dezember 2019, abgerufen am 18. November 2025.
- ↑ Ulrike Geppert-Orthofer: „Warum Hebammen Gesundheit und Ökonomie verbessern“. In: Spitzenfrauen – Podcast, 11. August 2023, abgerufen am 18. November 2025.
- ↑ a b c Ausbildung & Abschlüsse (PDF; 0,3 MB). Kurzvita von Ulrike Geppert-Orthofer, Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft, o. J., abgerufen am 18. November 2025.
- ↑ a b Der neue Vorstand. In: Zeitschrift für Hebammenwissenschaft (Journal of Midwifery Science). Band 4, Heft 1, 2016, S. 6–7, abgerufen am 18. November 2025.
- ↑ Ulrike Geppert-Orthofer. In: Gesundheit und Gesellschaft (G+G), Autorinnen- und Autorenverzeichnis, abgerufen am 18. November 2025.
- ↑ a b Geppert-Orthofer neue Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands. In: Deutsches Ärzteblatt. 29. November 2017, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Das Präsidium. In: Deutscher Hebammenverband. Abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ a b c Geburtshilfe: „Die Hebammen rennen zwischen den Frauen hin und her“. In: Spektrum.de. 17. November 2022, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ a b Hebammenmangel in Deutschland: Verbandspräsidentin im Interview. In: RedaktionsNetzwerk Deutschland. 12. Juli 2023, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Brandbrief: Notstand klinische Geburtshilfe. In: Deutscher Hebammenverband. 22. September 2022, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Zur Personalbemessung von Hebammen in geburtshilflichen Kliniken. In: Deutscher Bundestag – Wissenschaftliche Dienste. 2. Dezember 2022, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Partielle Berufszulassung ist verantwortungslos. In: Hebammenverband Baden-Württemberg. 30. Oktober 2023, abgerufen am 16. November 2025.