Ulrich Müller (Kunsthistoriker)

Ulrich Müller (* 9. Januar 1957 in Leverkusen) ist ein deutscher Kunsthistoriker.

Leben

Ulrich Müller promovierte an der Freien Universität Berlin mit der Dissertation Grecian Taste and Gothic Virtue: Der englische Landsitz Rousham (1995). Die Arbeit entwickelt den Gedanken, Wunschzeiten und Wunschräume im frühen Landschaftsgarten durch architektonische und skulpturale Repräsentationen zu vergegenwärtigen, die, in szenische Tableaus eingebunden, sich entlang eines Umgangswegs im Sinne einer imaginativen Reise erschließen. Die Jenaer Habilitationsschrift Raum, Bewegung und Zeit im Werk von Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe (2002) untersucht die Frage, wie die Zeitdimension durch den Raum in der modernen Architektur anschaulich werden kann, ein Problem, das die Künstler am Bauhaus seit den gesicherten Erkenntnissen Albert Einsteins beschäftigte.

Seit 2002 lehrte Müller als Dozent für Neuere und Neueste Kunstgeschichte am Kunsthistorischen Seminar der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der weitere akademische Weg führte ihn 2005 an das Collegium Budapest, Institute for Advanced Study.[1] Von 2009 bis 2012 leitete er das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Forschungs- und Ausstellungsprojekt Joseph Beuys Parallelprozesse[2] in Kooperation mit Marion Ackermann, der Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf.[3] Seit dem 1. April 2023 ist er pensioniert.

Forschung und Lehre

Dem kunsthistorischen Ansatz von Müller liegt die Überzeugung zugrunde, dass die Moderne sich nicht durch einen Bruch mit den kunstgeschichtlichen Traditionen auszeichnet. Die Anverwandlung von Konzepten und Formkomplexen der historischen Kunst lässt sich bis in die jüngste Gegenwart verfolgen. Selbst der Widerspruch und die Zurückweisung innerer Bezüge berühren die kunstgeschichtliche Kontinuität nicht, in welche die Moderne eingelassen ist.

Die Lehre behandelte Themen der neueren und neuesten Kunstgeschichte: Die Gattungen und Gattungstheorien der Malerei; die Kunst der italienischen Renaissance mit den Protagonisten Michelangelo, Palladio, Giovanni da Bologna und Tizian; die europäische Malerei des Barock, vor allem Caravaggio, Poussin, Rembrandt, Rubens und Velázquez; die Architekturgeschichte und die Architektur der Moderne mit den Repräsentanten Mies van der Rohe, Le Corbusier, Walter Gropius, Theo van Doesburg und Frank Lloyd Wright; schließlich die Künstler der Moderne des 20. Jahrhunderts, insbesondere Kandinsky, Kirchner, Klee, Matisse, Mondrian, Picasso, Hans Richter und Joseph Beuys.

Mitgliedschaften

Ulrich Müller ist Mitglied

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Klassischer Geschmack und gotische Tugend. Der englische Landsitz Rousham, Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 1998, ISBN 3-88462-143-2
  • Raum, Bewegung und Zeit im Werk von Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe, Akademie Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-05-004059-9
  • Albert Einstein und die moderne Kunst, in: Deutsches Museum München (Hg.), Einsteins Relativitätstheorien in Wissenschaft, Technik und Kunst, München 20051, S. 57–69, 20132, S. 56–68, ISBN 978-3-940396-39-6
  • Walter Gropius. Das Jenaer Theater, Minerva. Jenaer Schriften zur Kunstgeschichte Bd. 15, Lehrstuhl für Kunstgeschichte mit Kustodie & Verlag der Buchhandlung Walther König, Jena, Köln 2006, ISBN 978-3-86560-148-3
  • (Hg.) Joseph Beuys Parallelprozesse. Archäologie einer künstlerischen Praxis, Hirmer Verlag, München 2012, ISBN 978-3-7774-6011-6
  • Kandinsky und Tolstoi. Komposition IV: Krieg und Frieden. Bild und Theorie, Jena 2023

Einzelnachweise

  1. Ulrich Müller (Hg.), Joseph Beuys Parallelprozesse. Archäologie einer künstlerischen Praxis, Hirmer Verlag, München 2012, ISBN 978-3-7774-6011-6, S. 286
  2. Beuys Forschungsprojekt Parallelprozesse, Friedrich-Schiller-Universität Jena
  3. Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hg.), Museen: Forschung, die sich sehen lässt, Bonn, Berlin 2012, S. 35f