Ulrich Enzensberger
Ulrich Meinrad Enzensberger (* 2. Dezember 1944 in Wassertrüdingen; † 11. Januar 2026 in Berlin)[1] war ein deutscher Schriftsteller und Übersetzer. Er war der jüngere Bruder der Schriftsteller Hans Magnus und Christian Enzensberger.
Leben
Enzensberger zog nach dem Abitur, das er am Melanchthon-Gymnasium in Nürnberg ablegte, nach West-Berlin, weil er dadurch der Einberufung zum Wehrdienst entgehen konnte. Von 1967 bis 1969 lebte er in der Berliner Kommune I, deren Mitbegründer er war. Am 5. April 1967 wurde er mit anderen Verdächtigen wegen der Planung des Pudding-Attentats auf US-Vizepräsident Hubert H. Humphrey festgenommen.[2] Nachdem die Kommune I in zahlreiche Splittergruppen zerfallen und Enzensberger der Universität verwiesen worden war, beendete er sein Germanistikstudium in München und wurde in den 1970er Jahren Mitglied der KPD/ML.[2]
In München war Enzensberger Teil der „Kommune Metzstraße“ in der Metzstraße 15 mit Rolf Heißler, Brigitte Mohnhaupt, Marianne Ihm und später Alois Aschenbrenner. Gemeinsam mit der „Kommune Wacker Einstein“, die Fritz Teufel 1968 in der Einsteinstraße 151 etablierte, bildete sie das Umfeld der Tupamaros München.[3] Gegen eine Darstellung des Politikwissenschaftlers Wolfgang Kraushaar, der Enzensberger 2013 Mitwisserschaft um eine in einem Ermittlungsverfahren vermutete Involvierung der Gruppe bei dem Brandanschlag auf das Altenheim der Israelitischen Kultusgemeinde in München unterstellte, erhob Enzensberger in einem offenen Brief in der FAZ Einspruch.[4]
Enzensberger arbeitete als Journalist und Übersetzer. 2009 war er Stadtschreiber zu Rheinsberg.[5] 2010 hielt er die Trauerrede bei der Beerdigung Fritz Teufels.[2]
Enzensberger war mit der Schauspielerin und Musikerin Marianne Enzensberger verheiratet und lebte als freier Journalist und Schriftsteller in Berlin.
Er starb im Januar 2026 im Alter von 81 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.[5]
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Georg Forster. Ein Leben in Scherben. dtv, München 2004, ISBN 3-423-13248-5, erste Ausgabe Frankfurt am Main : Eichborn 1996, Reihe Die Andere Bibliothek, ISBN 978-3-8218-4139-7.
- Herwegh. Ein Heldenleben. Eichborn, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-8218-4173-7.
- Parasiten. Ein Sachbuch. Eichborn, Frankfurt am Main 2001, Reihe Die Andere Bibliothek, ISBN 3-8218-4501-5.
- Die Jahre der Kommune I. Berlin 1967–1969. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2004, ISBN 3-462-03413-8.
- Otto Rosenberg: Das Brennglas. Autobiographie, aufgezeichnet von Ulrich Enzensberger, Vorwort von Klaus Schütz, Eichborn, Berlin 1998
Weblinks
- Literatur von und über Ulrich Enzensberger im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Kurzbiografie und Rezensionen zu Werken von Ulrich Enzensberger bei Perlentaucher
- Ulrich Enzensberger bei IMDb
- Er war eine kluge Stimme gegen den Wahnsinn, Nachruf von Ralf Sotscheck in taz online vom 14. Januar 2026
Einzelnachweise
- ↑ Literatur: Ulrich Enzensberger gestorben. In: jungewelt.de. 13. Januar 2026, abgerufen am 13. Januar 2026.
- ↑ a b c Wolfgang Kraushaar: „Wann endlich beginnt bei Euch der Kampf gegen die heilige Kuh Israel?“ München 1970: über die antisemitischen Wurzeln des deutschen Terrorismus. Rowohlt, Reinbek 2013, ISBN 978-3-498-03411-5, Kurzbiografie S. 778.
- ↑ Tupamaros München – Historisches Lexikon Bayerns. Abgerufen am 2. Oktober 2023.
- ↑ Ulrich Enzensberger: Linker Terror und Antisemitismus: Ich habe nichts getan und nichts gewusst. In: FAZ.NET. 4. März 2013, ISSN 0174-4909 (faz.net ( vom 12. Mai 2014 im Internet Archive) [abgerufen am 5. Oktober 2023]).
- ↑ a b Ralf Sotscheck: Er war eine kluge Stimme gegen den Wahnsinn. In: taz.de. 14. Januar 2026, abgerufen am 14. Januar 2026.