Ukrainisches Ehrenmal (Rastatt)
| Ukrainerdenkmal | |
|---|---|
| Daten | |
| Ort | Stadtfriedhof Rastatt |
| Architekt | Mychajlo Paraschtschuk |
| Baustil | Jugendstil |
| Baujahr | 1918 |
| Höhe | 4,5 m |
| Koordinaten | 48° 51′ 47,9″ N, 8° 12′ 51,1″ O |
Das Ukrainische Ehrenmal ist ein Denkmal für ukrainische Lagerinsassen des Kriegsgefangenenlagers des Ersten Weltkriegs in Rastatt im Landkreis Rastatt in Baden-Württemberg. Es ist Bestandteil des Kulturdenkmals Stadtfriedhof Rastatt. Zusammen mit dem Ukrainerdenkmal im hessischen Wetzlar bildet es ein Ensemble des Gedenkkomplexes für ukrainische Kriegsgefangene in Deutschland. Die beiden Denkmäler, gestaltet im ukrainischen Jugendstil, entstanden nach Entwürfen von Mychajlo Paraschtschuk.
Geschichte
Während des Ersten Weltkriegs befanden sich in Deutschland bis zu einer halben Million ukrainischer Kriegsgefangener, die zur russischen Armee eingezogen worden waren. Der Bund zur Befreiung der Ukraine (BBU) erhielt vom preußischen Kriegsministerium die Erlaubnis, Ukrainer in separaten Lagern unterzubringen. Von 1915 bis 1918 befand sich in Münchfeld (heute Münchfeldstadion) in Rastatt das größte deutsche Lager für ukrainische Kriegsgefangene neben kleineren Lagern in Salzwedel und Wetzlar. Es bestand aus zwölf Bereichen mit jeweils sechs Baracken.
Der Bund zur Befreiung der Ukraine (BBU) kümmerte sich um die kulturelle und wissenschaftliche Bildung der Gefangenen. Zu diesem Zweck wurden Künstler und Wissenschaftler in das Lager eingeladen, darunter Mychajlo Paraschtschuk, Bohdan Lepkyj, Wassyl Patschowskyj und andere. Neben Werkstätten für Bildhauerei, Töpferei und Holzschnitzerei gab es im Lager auch Theater- und Fotografieclubs.[1] In der wöchentlich erscheinenden Zeitschrift Rozswit (uk: Розсвіт, dt.: Morgendämmerung) wurden aktuelle Nachrichten aus der Ukraine und der Welt, Neuigkeiten aus dem Lager und kulturelle Themen behandelt.[2] Auf Initiative des BBU und mit Hilfe von Spenden wurde direkt neben dem Kriegsgefangenenlager ein Denkmal nach einem Entwurf von Paraschtschuk errichtet. Es sollte ein würdiges Ehrenmal für die in Gefangenschaft verstorbenen Ukrainer sein und künftigen Generationen als Mahnmal für ihr Schicksal dienen.
Das Ukrainische Ehrenmal wurde am 20. Oktober 1918 eingeweiht.[3] Das Denkmal wurde nach der Schließung des Kriegsgefangenenlagers auf den Stadtfriedhof in Rastatt verlegt.[4] Das Lager diente nach dem Friedensvertrag zwischen der Ukrainischen Volksrepublik und den Ländern der Union in Brest im Jahr 1918 als Ausbildungszentrum für ukrainische Streitkräfte, die gegen die russischen Bolschewiki kämpften.[5]
Beschreibung
Das Denkmal ist eine monumentale Wand (Höhe 4,5 m, Breite 7,8 m) aus Muschelkalkstein, die einen Hintergrund für die plastischen Figuren bildet. In der Nische des Mittelrisalits kniet eine Frau über einem sitzenden Kind. Auf den Podesten zu beiden Seiten stehen männliche Figuren mit Schutzwaffen. Die Figur des älteren Mannes befindet sich links, die des jüngeren rechts. Die Frau dominiert die Szene, die Soldaten sind kleiner. Sie wirken nicht wie Kämpfer, sondern wie Beschützer, die Mutter und Kind bewachen.
Über der Zentralnische steht in ukrainischer Schrift: СИНАМ УКРАЇНИ ЇХ ЗЕМЛЯКИ (dt.: Den Söhnen der Ukraine von ihren Landsleuten). Die untere deutsche Inschrift „DAS UKRAINISCHE EHRENMAL“ war in der Originalfassung nicht vorhanden. Die Unterschrift des Architekten Paraschtschuk ist in der oberen linken Ecke auf dem äußersten linken Steinblock des Sockels zu finden.[6] Die trapezförmige Nische und die geometrische Ornamentik aus sechs Dreiecken verweisen auf den ukrainischen Jugendstil.
Friedhof in Niederbühl
Auf dem Stadtfriedhof Rastatt, auf dem sich das ukrainische Denkmal befindet, gibt es keine Gräber ukrainischer Kriegsgefangener. Der ukrainische Friedhof, auf dem ukrainische Kriegsgefangene bestattet sind, befindet sich im Stadtteil Niederbühl.[7] Dort steht auch ein Grabstein mit Kreuzaufsatz und der Inschrift: „Hier ruhen die i. Lazarett des Russenlagers gestorbenen ukrainischen Kriegsgefangenen 1915–1917.“ Auf 23 steinernen Grabkreuzen sind die Namen von 119 verstorbenen Kriegsgefangenen verzeichnet. Weitere im Lager Rastatt verstorbene Ukrainer wurden auf anderen Friedhöfen bestattet, und nicht alle in Niederbühl Beigesetzten sind namentlich erfasst.[8]
Siehe auch
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Розсвіт. Часопис полонених українців в Раштаті. 27. Januar 1917, S. 4 (org.ua [PDF]).
- ↑ Ihor Sribnjak: Enzyklopädie der Kriegsgefangenschaft. Das ukrainische Rastatt. Zur Gründung und Tätigkeit der Gemeinschaft. «Die Unabhängige Ukraine», 1915–1918. München / Paris 2020, S. 39 (edu.ua [PDF]).
- ↑ Alfred Hottenträger: Rastatt (ukrainisches Ehrenmal), Landkreis Rastatt, Baden-Württemberg. In: Onlineprojekt Gefallenendenkmäler. 2019, abgerufen am 15. Dezember 2025.
- ↑ Dr.Irmgard Stamm: Denkmal spiegelt wechselhafte Geschichte. Das 1918 errichtete Monument auf dem alten Stadtfriedhof errinert an ukrainischen Spuren. In: Badische Tagblatt. 29. April 2014 (hist-verein-rastatt.de).
- ↑ Auch in Rastatt wurde ukrainische Geschichte geschrieben. In: Historischer Verein Rastatt e.V. 1982. 27. Februar 2022, abgerufen am 15. Dezember 2025 (deutsch).
- ↑ Kultur und Alltag: Ukrainische EHRENMAL - Stadt Rastatt. Abgerufen am 14. Dezember 2025.
- ↑ Andrang bei Allerheiligen-Andacht am Ukrainer-Denkmal in Rastatt. In: BNN. 2. November 2022, abgerufen am 15. Dezember 2025.
- ↑ Kultur und Alltag: Ukrainerlager- Friedhof - Niederbühl, Stadt Rastatt. Abgerufen am 15. Dezember 2025.