USM Haller
USM Haller ist ein Möbelbausystem des Schweizer Unternehmens USM, das seit 1965 patentiert ist.[1] Das Möbelbausystem gilt als ein Designklassiker[2][3][4] und wurde in die Sammlung des Museum of Modern Art in New York aufgenommen.[4] Neben der ursprünglichen Funktion als Büroeinrichtung findet es auch in anderen Bereichen, etwa als Wohnmöbel, Anwendung.[5] Der Markenname USM setzt sich aus den Initialen des Firmengründers und Schlossers Ulrich Schärer sowie dem Firmensitz Münsingen zusammen.[6]
Geschichte
1885 gründete der Schweizer Handwerker Ulrich Schärer in Münsingen im Kanton Bern eine Schlosserei und Schmiedewerkstätte, aus welcher später das Unternehmen USM Modular Furniture (rechtlich USM U. Schärer Söhne AG) hervorging.[7]
Das modulare Einrichtungssystem wurde 1963 von dem Enkel des Unternehmensgründers Ulrich Schärer, Paul Schärer junior (1933–2011), und dem Architekten Fritz Haller (1924–2012) entworfen. Es war zunächst nur für die Ausstattung der betriebseigenen Büroräume im damals ebenfalls von Haller gestalteten neuen Geschäftsgebäude in Münsingen gedacht.[8] 1965 wurde ein Patent auf das Einrichtungssystem erworben.[1] Danach brachte ein Bericht über das Einrichtungssystem in einer Architekturzeitschrift eine erste Anfrage der Pariser Bank Rothschild Frères, 600 Büroarbeitsplätze mit dem System auszustatten.[5] 1969 ging es in Serie.[9]
Aufgrund des Erfolgs des Möbelbausystems verschob sich die Ausrichtung des Unternehmens von Metall- und Eisenwarenproduktion hin zu Möbeln.[10] Der Sitz der 1975 gegründeten deutschen Tochtergesellschaft mit Vertrieb und Montage für Deutschland befindet sich in Bühl. Ab 2017 wurde die Montage von Bühl nach Leipzig verlagert, 2018 auch die Logistik.[11][12][13] Nach Leipzig ging auch die Endmontage der Möbel für den europäischen Markt. Indes befindet sich die gesamte Produktion weiterhin am Schweizer Stammsitz in Münsingen, wo Stand 2022 rund 260 der 500 Mitarbeiter des Unternehmens beschäftigt waren.[5]
Seit den 2010er-Jahren wurden für das Möbelbausystem verstärkt internationale Kunden gesucht. Auch in verschiedene internationale Flughäfen wurden Systeme von USM Haller eingebaut, darunter der Chicago O’Hare International Airport, der Miami International Airport, der Los Angeles International Airport,[14] der Hamad International Airport in Doha,[15] der Flughafen Singapur, der Flughafen Kuala Lumpur, der Flughafen Zürich und der Flughafen Oslo-Gardermoen.[14] Weitere Tochtergesellschaften, neben derjenigen in Deutschland, wurden unter anderem in Frankreich, Großbritannien, den Vereinigten Staaten, Japan und China eröffnet. Zudem bestehen Showrooms in Bern, Hamburg, London, München, New York, Paris, Shanghai und Tokio.[5][16][17]
Ende 2017 gab das Unternehmen an, dass einst das Verhältnis von Firmenkunden zu Privatkunden beim Umsatz der USM-Produkte etwa 80 % zu 20 % betragen hätte, nun aber bei 65 % zu 35 % liege.[15] Dieser Trend zu Privathaushalten verstärkte sich in den folgenden Jahren.[18] Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb 2022 in einem Bericht, USM Haller habe in den vergangenen Jahren von der Aufrüstung privater Arbeitszimmer aufgrund der COVID-19-Pandemie und der dadurch gewachsenen Bedeutung des Home Office «tüchtig profitiert».[5]
Produkt und Funktionsweise
Das System besteht aus einer frei erweiterbaren Struktur aus zusammenschraubbaren, verchromten Stahlrohren in verschiedenen Grössen und dazwischen eingelassenen Paneelen aus pulverbeschichtetem Stahlblech oder Glas.[7] Hinzu kommt eine Auswahl an kombinierbaren Einbauten wie Türen, Schubladen, Akustikelementen, perforierten Panels, Zwischen- und Schrägtablaren, Pflanzenhalterungen oder integrierter Beleuchtung. Als jeweiliges Verbindungsstück zwischen den einzelnen Chromstahlrohren fungiert ein 1965 von Paul Schärer zum Patent angemeldeter, kugelförmiger Stahl-Knotenpunkt, in den mehrere Löcher mit Schraubgewinden eingelassen sind. Das System aus Kugeln und Metallrohren ermöglicht eine flexible Zusammensetzbarkeit der USM-Produkte.[19] Unter dem Namen USM Haller sind zudem Tische erhältlich, die in den Massen mit dem Möbelbausystem kompatibel sind.[20]
Aufgrund dieser modularen Bauweise kann das System in verschiedenen Funktionen im Privat- und Arbeitsleben zum Einsatz kommen. Dabei lassen sich aus dem System unterschiedliche Objekte wie beispielsweise Sideboards, Rollcontainer und Nachttische bauen.[21][22] Zudem können die Objekte zerlegt, verkleinert und vergrössert oder zu anderen Objekten umgebaut werden.[23]
Aufgrund des Umstandes, dass Büros durch die Digitalisierung zunehmend papierlos werden und daher weniger Lagerflächen für Papiere und Akten benötigt werden, testet USM seit den 2010er-Jahren Möbelstücke mit neuen Funktionen wie zum Beispiel lärmabsorbierende Materialien.[15] Ausziehtüren, Einlegerahmen, Klapptüren und Zwischentablare in den Möbeln sollen verschiedene Nutzungsmöglichkeiten bieten.[21]
Rezeption
Das Möbelbausystem ist eines der erfolgreichsten Exportprodukte und das erfolgreichste Möbelbausystem der Schweiz.[10][24]
Produkte der Serie USM Haller werden als Universalmöbel z. B. in Arztpraxen, Kanzleien, Architekturbüros, Empfangshallen, Bibliotheken sowie im Privatbereich verwendet.[5] Im Jahr 1980 wurde die Serie in die Neue Sammlung des Staatlichen Museums für angewandte Kunst in München aufgenommen.[25]
2001 erfolgte die Aufnahme in die permanente Sammlung des Museum of Modern Art (MoMA) in New York.[4] 2004 wurden zudem die Büroräume des MoMA mit USM Haller ausgestattet.[26]
2011 wurde USM Haller im Tages-Anzeiger als «ein Status-Symbol für Chefetagen» beschrieben, dessen «Ordnungsgedanke (...) typisch fürs Schweizer Design» sei.[27]
Die Journalistin Anna Mayr schrieb 2021 in einem Artikel in Die Zeit über USM Haller als Wohnmöbel, welches sie selbst auch besitze. Es sei das typische Möbelstück „eines bürgerlich-urban-hippen Milieus“. Die Menschen, die sich die USM-Möbel kaufen würden, würden «einigermaßen viel Geld verdienen – aber nicht wahnsinnig viel. USM Haller ist keine Marke der Superreichen, es sind Möbel für Mittelbauangestellte».[28]
Literatur
- Klaus Klemp: USM Möbelbausystem Haller: form Reihe Designklassiker, Verlag form, Frankfurt a. M. 2018, ISBN 3-943962-68-7.
- Ulrich Coenen: Fritz Haller und USM – Zur Bedeutung des Schweizer Architekten und Möbeldesigners für Bühl. In: Die Ortenau – Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden 91 (2011), S. 61–88.
Weblinks
- usm.com
- Eine Ikone des Büros – USM-Möbel will sich nicht nur auf die Klassiker verlassen. Artikel im Handelsblatt vom 26. April 2020
- Vom Büromöbel zur Designikone – 50 Jahre USM Haller Möbelsystem In: Zeitblende von Schweizer Radio und Fernsehen vom 26. September 2016 (Audio)
Einzelnachweise
- ↑ a b Lea Hagman: Die Visitenkarte der Tüchtigkeit – das Regal USM Haller wird 60. In: NZZ Bellevue. 29. Januar 2023, abgerufen am 22. März 2025.
- ↑ Michael Brächer: Eine Ikone des Büros – USM-Möbel will sich nicht nur auf die Klassiker verlassen. In: Handelsblatt. 26. April 2020, abgerufen am 27. Januar 2025.
- ↑ Katharina Hesedenz: 15 Designklassiker mit hohem Wiederverkaufswert – und wann sich Möbel als Geldanlage eignen. In: Vogue. 27. Januar 2020, abgerufen am 9. Juni 2025.
- ↑ a b c Möbelklassiker: USM Fritz Haller ist tot. In: Der Spiegel. 19. Oktober 2012, abgerufen am 27. Januar 2025.
- ↑ a b c d e f Johannes Ritter: USM und Homeoffice: „Das Schweizer Messer der Möbelindustrie“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 2. April 2022, abgerufen am 27. Januar 2025.
- ↑ design report – Suche / Archiv / Der Herr der Welt-Kugel. 13. Dezember 2013, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 13. Dezember 2013; abgerufen am 13. Dezember 2021.
- ↑ a b Hans Galli: Der Mitentwickler der USM-Möbel ist gestorben. In: Tages-Anzeiger. 2. August 2011, abgerufen am 26. Januar 2025.
- ↑ Herstellerportrait – USM. In: Stoll Onlineshop. Abgerufen am 26. Januar 2025.
- ↑ Geschichte eines Familienunternehmens. In: USM Haller. Abgerufen am 28. April 2012.
- ↑ a b Maja Fueter: Studenten stehlen Designklassiker. In: Neue Zürcher Zeitung. 6. März 2015, abgerufen am 27. Januar 2025.
- ↑ 300 neue Jobs – Möbelhersteller USM zieht nach Leipzig um. In: Leipziger Volkszeitung. 20. Januar 2018, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 20. Januar 2018; abgerufen am 1. September 2022.
- ↑ Ulrich Coenen: USM gibt Standortgarantie für Bühl. In: Badische Neueste Nachrichten. 21. August 2019, abgerufen am 18. November 2021.
- ↑ USM operations gmbh – von Leipzig in die ganze Welt. In: USM. Abgerufen am 18. November 2021.
- ↑ a b References. In: USM Haller. Abgerufen am 22. März 2025 (englisch).
- ↑ a b c Daniel Imwinkelried: Wie ein Möbelhersteller auf den Trend zum papierlosen Büro reagiert. In: Neue Zürcher Zeitung. 12. Dezember 2017, abgerufen am 27. Januar 2025.
- ↑ Internationale Showrooms. In: USM Haller. Abgerufen am 23. März 2025.
- ↑ Geschichte. In: USM Haller. 6. März 2025, abgerufen am 22. August 2025.
- ↑ Odett Schumann: Wie das „USM Haller Sideboard“ vom Büro aus den Wohnraum eroberte. In: MyHomebook. 5. November 2023, abgerufen am 27. Januar 2025.
- ↑ Wunderkugel: USM. In: Schöner Wohnen. Abgerufen am 27. Januar 2025.
- ↑ USM Haller Tische. In: USM Haller. Abgerufen am 23. März 2025.
- ↑ a b Anna-Lena Reith: Die neue USM Haller Kollektion ist voller raffinierter, schöner Stauraumwunder – unsere Favoriten. In: AD Magazin. 20. Februar 2025, abgerufen am 23. März 2025.
- ↑ Dominique Simonnot: Zeitlose Klassiker: USM-Möbelbausysteme sind modern und zeitgemäss. In: Nordwestschweiz. 20. Januar 2018, S. 27.
- ↑ Aus alt mach neu: USM Haller Regale umrüsten. In: Smow. Abgerufen am 27. Januar 2025.
- ↑ Marc-André Miserez: USM im Grossformat. In: SWI swissinfo.ch. 14. August 2005, abgerufen am 27. Januar 2025.
- ↑ Ulrich Coenen: Fritz Haller und USM. (PDF) In: Deutsche Nationalbibliothek. S. 61, abgerufen am 26. Januar 2025.
- ↑ The Museum of Modern Art Reopens on November 20, 2004. (PDF) In: Museum of Modern Art. 15. November 2004, abgerufen am 26. Januar 2025 (englisch).
- ↑ Linus Schöpfer: «Der Ordnungsgedanke ist typisch fürs Schweizer Design». In: Tages-Anzeiger. 3. August 2011, abgerufen am 27. Januar 2025.
- ↑ Anna Mayr: Bürgertum: Möbel für den Mittelbau. In: Die Zeit. 1. Mai 2021, abgerufen am 27. Januar 2025.