Turmburg Eppertshausen

Turmburg Eppertshausen

Lage der Grundmauern der Turmburg heute

Staat Deutschland
Ort Eppertshausen
Entstehungszeit Früh- oder Hochmittelalter
Burgentyp Niederungsburg
Erhaltungszustand Burgstall
Ständische Stellung Ministeriale oder Adel
Bauweise Steinbauwerk aus Trachyt
Geographische Lage 49° 57′ N, 8° 51′ O
Höhenlage 135 m ü. NHN

Die Turmburg Eppertshausen war eine früh- bis hochmittelalterliche Burg, vermutlich von Ministerialen, am südlichen Ende der Gemeinde Eppertshausen im Landkreis Darmstadt-Dieburg in Hessen.

Lage

Die Turmburg befand sich südöstlich des heutigen Standortes der Kirche St. Sebastian am Kreisverkehr Richtung Münster.[1]

Geschichte

Von der Burg sind keine Überlieferungen oder direkte Urkunden bekannt. Eppertshausen ist seit 836 urkundlich. Es gehörte damals zur Benediktinerabtei Seligenstadt. Spätestens seit Beginn des 13. Jahrhunderts war Ort und Gebiet Teil der Herrschaft Babenhausen und kam mit dem Aussterben der Hagen-Münzenberg zur Herrschaft Hanau. Vermutlich durch diese kam der Ort in den Besitz der Herren von Groschlag. Diese verpfändeten den Ort 1438 an die Grafen von Katzenelnbogen. 1546 war der Ort wieder im Besitz der Herren von Groschlag von Dieburg, später an Kurmainz, von denen es die Groschlags 1629 wieder als Lehen erhielten. Für die Mitte des 14. Jahrhunderts ist das Adelsgeschlecht derer von Wasen und Mitte des 15. Jahrhunderts der Deutsche Orden in Frankfurt-Sachsenhausen mit Grundbesitz im Ort beurkundet.

Als Erbauer der kleinen Turmburg wird jedoch ein Ministerialengeschlecht der Herren von Eppertshausen angenommen, die sich ab 1292 (mit Heinrich von Eppertshausen[2]) in einzelnen Urkunden nachweisen lassen.[1] 1521 wurde durch den Mainzer Erzbischof ein Ablass zur Errichtung einer neuen Kirche in Eppertshausen erteilt, um anstelle der alten durch Brand völlig zerstörten Kirche eine neue zu erbauen.[1]

In Karten von um 1580 wird für Eppertshausen neben der Kirche im Ortsbild noch ein Turm mit Haube dargestellt. Ob er der Turmburg bzw. dem Wohnturm zuzuordnen ist, ist unklar. Das wenige Meter südlich davon liegende Pfarrhaus war der ursprüngliche Groschlagsche Adelssitz, ein Herrenhaus, das ab 1751 als Pfarrhaus diente.[1]

Wann die Turmburg bzw. der Wohnturm abging und überbaut wurde, ist nicht bekannt.

Beschreibung

Aufgrund der 1961 bei Kanalisationsarbeiten für ein Rückstaubecken gefundenen Grundmauerreste und archäologischer Untersuchung der Umgebung kann die Turmburg in ihren Grundzügen beschrieben werden: Die Turmburg oder der Wohnturm besaß Grundmauern aus Trachyt, die bis zu zwei Meter stark waren und auf eine viereckige Ausdehnung von etwa 18 auf 13 Metern abgeschätzt wurden.[1] Vom damaligen Bodendenkmalpfleger des Landkreises Dieburg, Herrn Novotny, wurden die Baureste in die Stauferzeit datiert.[1] Dabei reicht die nordwestliche Ecke zu einem Viertel unter die Südostecke der heutigen Kirche.

Östlich der Burgstelle wurde ein Brunnen aufgedeckt. Darin gefundene Keramikreste wurden ins 9. bzw. 10. Jahrhundert datiert und sollen ins Museum Dieburg verbracht worden sein. Dort existieren aber keine Aufzeichnungen oder Funde mehr davon.[1]

Oberirdisch sind keine Reste erhalten und das Gelände ist heute durch die vom Kreisverkehr her beginnende Babenhäuser Straße komplett überbaut. Keine Hinweistafel verweist auf die Burgstelle oder ihre Geschichte.

Literatur

  • Max Herchenröder: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Dieburg (Die Kunstdenkmäler in Hessen), Darmstadt 1940, S. 90, 94.
  • Wilhelm Körner: Der reichsritterschaftliche, freiherrliche Ort Eppertshausen. Der geschichtliche Werdegang einer Gemeinde im Widerstreit der herrschenden Mächte und Kräfte, Eppertshausen 1995, S. 33–35, 40 und 71.
Commons: Turmburg Eppertshausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Stefan Eismann: Eppertshausen in der wissenschaftlichen Datenbank „EBIDAT“ des Europäischen Burgeninstituts, abgerufen am 27. Dezember 2025.
  • Geschichtliches, Webseite der Gemeinde Eppertshausen

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Stefan Eismann: Eppertshausen in der wissenschaftlichen Datenbank „EBIDAT“ des Europäischen Burgeninstituts, abgerufen am 27. Dezember 2025.
  2. Eppertshausen, Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Institut für Landesgeschichte, abgerufen am 29. Dezember 2025.