Turbina Anthem

Turbina Anthem
Studioalbum von Sei Miguel und Pedro Gomes

Veröffent-
lichung

1. Juli 2011

Aufnahme

2./3. August 2008

Label(s) NoBusiness Records

Format(e)

LP, Download

Genre(s)

Neue Improvisationsmusik

Titel (Anzahl)

14

Länge

49:39

Besetzung

Produktion

Danas Mikailionis, Valerij Anosov

Studio(s)

Lissabon

Chronologie
Sei Miguel: Esfíngico: Suite for a Jazz Combo
(201o)
Turbina Anthem Sei Miguel: Salvation Modes
(2014)

Turbina Anthem ist ein Musikalbum von Sei Miguel und Pedro Gomes. Die am 2. und 3. August 2008 in einem Studio in Lissabon entstandenen Aufnahmen erschienen am 1. Juli 2011 auf NoBusiness Records.

Hintergrund

Der Trompeter Sei Miguel, der in den Jahren vor dieser Aufnahme vermehrt mit dem amerikanischen Gitarristen Joe Morris aufgetreten war, erschuf mit dem Gitarristen Pedro Gomes 14 kurze Klangskulpturen mit einer Gesamtspielzeit von rund 50 Minuten.[1]

Titelliste

  • Sei Miguel / Pedro Gomes: Turbina Anthem (NoBusiness Records – NBCD 29)[2]
  1. The Pale Star I. Manhã da noite 1:52
  2. Spoon 4:04
  3. Two Faces. O Deus-martelo 3:22
  4. Ascent 5:04
  5. The Pale Star II. Cânone 3:08
  6. African Raincoat 4:40
  7. Primeira canção 3:43
  8. Blue Blade Raga Rag 4:36
  9. The Pale Star III. Imaginary Grass 3:40
  10. Bright Star Anyway 5:33
  11. The Pale Star IV. Das cinzas 2:01
  12. Jura 3:17
  13. Segunda canção 2:37
  14. The Pale Star V. Firmamento 2:02

Die Kompositionen stammen von Sei Miguel und Pedro Gomes.

Rezeption

Nach Ansicht von John Sharpe, der das Album in All About Jazz rezensierte, ist Turbina Anthem das Projekt eines ungewöhnlichen Gitarren- und Trompetenduetts zweier portugiesischer Improvisatoren, die ein größeres Publikum verdienten. An der Trompete würde Miguel einen unprätentiösen Ansatz verfolgen und kurze Phrasen und langgezogene Töne mit einer folkloristischen Unschuld ab. Auf den akustischen Stücken erinnere Gomes mit seinen fragmentierten Arpeggien und seiner zurückhaltenden Melodik an den brasilianischen Gitarristen Egberto Gismonti. Doch sobald er elektrisch spiele, bestehe sein Klangvokabular aus ungewöhnlichen Zupfern, langgezogenen Hallfahnen und einem kratzigen Gemisch aus Knistern und Verzerrungen. So würde die Gitarre die gesamte Atmosphäre bestimmen. Tatsächlich scheint die Dichte der entstehenden Klanglandschaften im Laufe des Sets zuzunehmen, bis Gomes bei „Bright Star Anyway“ einen nahezu ununterbrochenen Klangteppich erschaffe. Danach würde der Klangsturm wieder abebben und den verbleibenden Stücken mehr Luft lassen. Es sei ein minimalistisches Werk, in dem die einzelnen Stimmen der Musiker zwar parallel verlaufen, aber nicht direkt miteinander in Verbindung stünden. Dennoch würde die relative Gewichtung und Platzierung jedes einzelnen Klangs dieses Album zu einem seltsam fesselnden und einzigartigen Erlebnis machen.[1]

Gomes’ E-Gitarrenspiel würde von gezielter Verstärkung und Klangvariationen durch verschiedene Techniken profitieren, schrieb Ken Waxman in JazzWord. Hingegen gäbe es sogar Sequenzen wie das abschließende „The Pale Star V. Firmament“, in denen die Spielweise des portugiesischen Duos so traditionell sei, dass sie dem Uneingeweihten kaum auffallen dürfte. Gomes zupfe und schlage die Saiten an, während Miguel ein gedämpftes Legato-Overlay erzeuge. Die meisten anderen Stücke seien jedoch deutlich experimenteller, etwa wenn die langgezogenen Verzierungen des Trompeters in druckvolle Licks übergehen würden, während die Gitarrenstimme aus verstärkten Kratzen auf einem potenziell harten Metal-artigen Untergrund bestehe. Ähnlich verhalte es sich mit den klirrenden und pumpenden Streicher[klänge]n, die jegliche Tendenz von Gomes zu iberischer Tradition im Verlauf von „Jura“ überdecken. Insgesamt fänden sich die charakteristischsten Beispiele für die Gomes-Miguel-Strategie in „Ascent“ und „African Raincoat“. Dröhnende Verstärkerverzerrung und knirschende Streicherbewegungen würden ein starkes Gegengewicht zu den rubatoartigen, aber distanzierten Verzierungen und dem Flatterzunge-Spiel des Trompeters in „Ascent“ bilden. In „African Raincoat“ gelinge Gomes die perfekte Balance: Sein chromatisches Solo, durchzogen von Stottern und Vibrationen, wirke lyrisch und kantig zugleich, während Miguel parallel dazu maschinenartige Läufe spiele.[3]

Einzelnachweise

  1. a b John Sharpe: Sei Miguel: Turbina Anthem. In: All About Jazz. 27. August 2011, abgerufen am 14. November 2025 (englisch).
  2. Sei Miguel / Pedro Gomes – Turbina Anthem. In: Discogs. Abgerufen am 14. November 2025 (englisch).
  3. Ken Waxman: Pedro Gomes / Sei Miguel: Turbina Anthem. In: JazzWord. 25. Juni 2012, abgerufen am 14. November 2025 (englisch).